3. Handball-Ligen und Jugend-Bundesligen Die Zeit der Motivationskünstler

Die Zwangspause endet frühestens am 31. Januar. Habenhausens Trainer Matthias Ruckh hält das Training trotzdem hoch, damit das Verletzungsrisiko für die Spieler nach dem Re-Start möglichst gering ist.
04.12.2020, 05:00
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Die Zeit der Motivationskünstler
Von Jörg Niemeyer

Der Job des Handballtrainers in Corona-Zeiten ist kein leichter. „Man muss sich immer wieder einen Kopf machen, wie man die Jungs bespaßen kann“, sagt Matthias Ruckh. Das muss ein guter Übungsleiter natürlich immer tun. Aber besonders schwierig gestaltet sich die Motivationsarbeit, wenn eine Mannschaft zum Wettbewerb nicht antreten darf, weil der Betrieb gerade überall eingestellt ist. Nun dürfen die Drittliga-Männer des ATSV Habenhausen wenigstens überhaupt trainieren, worum sie viele zur Tatenlosigkeit verurteilte Aktive aus tieferen Spielklassen und anderen Sportarten beneiden. Aber die spielfreie Zeit, das beschloss der Deutsche Handball-Bund (DHB) Anfang dieser Woche, wird auch in den 3. Ligen und in den Jugend-Bundesligen weit in das Jahr 2021 hineinreichen.

Ursprünglich galt die Saisonunterbrechung bis zum 31. Dezember. Mittlerweile hat aber auch das DHB-Präsidium auf die weiterhin sehr hohen Infektionszahlen reagiert – und die Zwangspause bis zum 31. Januar 2021 verlängert. Erst einmal. Anfang Januar werden die zuständigen DHB-Gremien beraten, ob und wie es weitergehen kann. „Vielleicht wird es Mitte Februar wieder so weit sein“, sagt Matthias Ruckh, aber dann müsse auch gewährleistet sein, dass alle Mannschaften vorher wieder trainiert haben dürfen. Das ist derzeit nicht überall möglich. Und so lässt sich der ATSV-Coach eigentlich nur eine klare Aussage entlocken: „Es ist utopisch, dass wir noch eine komplette Saison spielen werden.“

Eine komplette Saison würde wegen der im Sommer aufgestockten Ligen aus 34 Punktspielen bestehen. Aussichtslos angesichts von erst fünf absolvierten Partien, von denen der Aufsteiger aus Bremen in seiner Nord-West-Staffel immerhin drei gewinnen konnte. 6:4 Punkte stellen für den Moment ein ordentliches Polster dar, mehr aber auch nicht. Schon die Varianten des Spielbetriebs, die als Fortsetzungstermin der Saison den 9./10. Januar vorsahen, gingen davon aus, dass nur die Hinrunde beendet werden würde und danach wie auch immer geartete Auf- und Abstiegsrunden folgen würden.

Das alles ist Spekulation und Zukunftsmusik. Die Gegenwart ist schon rau genug. „Wir versuchen das Training vernünftig zu dosieren, damit sich alle nicht zu sehr auf die Nerven gehen“, sagt Matthias Ruckh. Dank der Sondergenehmigung bestellt er seine Akteure zweimal pro Woche in die Halle, eine dritte Einheit findet online zu Hause statt. Dieser Rhythmus soll bis in die Weihnachtswoche aufrechterhalten bleiben, bevor es einige Tage Pause geben und ab dem 4. Januar dann im Vollbetrieb weitergehen soll. „Wir müssen auch jetzt ständig etwas machen, damit sich die Spieler nach dem Re-Start nicht verletzen“, sagt Ruckh. Schließlich habe die lange Pause im Sommer schon in allen höheren Spielklassen zu vielen schweren Verletzungen geführt. Auch deshalb steht der ATSV-Coach in ständigen Gesprächen mit seinen medizinischen und physiotherapeutischen Unterstützern.

Wenn die Zwangspause für etwas gut ist, dann allenfalls im Hinblick auf die Langzeitverletzten. Kapitän Björn Wähmann, der sich Mitte Oktober im Training eine schwere Daumenverletzung zuzog, und Janik Schluroff, der beim Saisonauftakt in Hagen einen Schlüsselbeinbruch erlitt, machen gute Genesungsfortschritte und könnten Mitte Februar vielleicht sogar wieder zur Verfügung stehen. Doch bis dahin ist noch reichlich Fantasie fürs Training gefragt. Eine Idee, so sagt Matthias Ruckh, sei beim Team gut angekommen: In Kleingruppen sollten die Akteure Videoanalysen von Punktspielen machen – mit Videoschnitt und Präsentation vor den Anderen. „Das hat meinen Spielern offensichtlich Spaß gemacht und ihnen zugleich die Möglichkeit gegeben, einen anderen Blick aufs Geschehen zu bekommen.“

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