2. Handball-Bundesliga Frauen Schneeballschlacht zur Einstimmung

Werders Zweitliga-Handballerinnen bauen mit dem 30:26-Sieg in Freiburg ihre Erfolgsserie auf 7:1 Punkte aus. Damit klettert die Mannschaft von Trainer Robert Nijdam auf den elften Tabellenplatz.
18.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Kowalzik

Rabea Neßlage war nach der weitesten Tour der Saison nach Freiburg bestens gelaunt. „Früher, als Studentin, habe ich solche weite Fahrten gerne gemacht“, sagte die Zweitliga-Handballerin des SV Werder Bremen. „Aber heutzutage, wo ich montags zur Arbeit gehe, frage ich schon mal, warum ich das noch mitmache.“ Warum? Na, weil die Rückfahrt von solchen Spielen mit einem Sieg im Gepäck umso mehr Spaß macht. Wie am Sonnabend beim 30:26 (18:12)-Erfolg bei der HSG Freiburg. Mit dem peppten die Bremerinnen ihre Bilanz auf vier ungeschlagene Spiele in Folge auf (7:1 Punkte). Dadurch kletterten sie in der Tabelle auf den rettenden elften Rang (8:16 Punkte), fünf Zähler Vorsprung vor dem Rivalen aus Freiburg.

Maximaler Ertrag bei maximalem Aufwand: So hieß es beim Team des SVW-Trainers Robert Nijdam. Die Bremerinnen hatten sich schon am Freitagnachmittag um 16 Uhr auf den gut 700 Kilometer langen Weg in Richtung Breisgau gemacht und ihr nächtliches Quartier in Darmstadt bezogen. Eine Schneeballschlacht brachte die Gäste auf einem Zwischenstopp in Wurflaune. Derweil versuchte der HSG-Trainer Ralf Wiggenhauser vor dem wichtigen Match, nach 1:5 Punkten in Folge den Druck von seinem Team zu nehmen. Das schien zu wirken, da die Gastgeberinnen mit einer 4:0-Führung sofort das Kommando übernahmen. Werder kämpfte bis dahin ebenso erfolglos mit sich selbst wie die HSG Freiburg mit der Tonübertragung bei der Internet-Liveübertragung via Sportdeutschland.tv.

„Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen, die aggressive Freiburger Verteidigung hat uns anfangs den Schneid abgekauft“, analysierte Rabea Neßlage die Startschwierigkeiten ihres Teams. Erschwerend kam hinzu, dass der Ball extrem hart aufgepumpt war und eher einer Kanonenkugel glich. „Wir hatten zunächst den Fokus verloren„, meinte die Linkshänderin Nina Engel. Ergo zog Robert Nijdam das Team-Time-Out. „Bleibt hinten geschlossen und zwingt sie zu Distanzwürfen“, lautete seine Hauptbotschaft ans Team. „Anlaufprobleme hatten wir in Freiburg auch bei unserem 24:20-Sieg vor einem Jahr„, gab er im späteren Pressegespräch zu Protokoll. Der Trainer war ruhig und gelassen. „Meine Mannschaft ist zurzeit gut drauf“, sagte er und durfte sich bestätigt sehen. Auch wenn Nijdam den Erfolg letztlich in die Kategorie „Kampfspiel“ einsortierte.

Den ersten Bremer Treffer markierte die vor allem im ersten Durchgang starke Halbrechte Nina Engel nach fast sechseinhalb Minuten per energischem Sprungwurf (1:4), nach dem 2:7 nahm Werders Spiel dann gewaltig an Fahrt auf. Den ersten Ausgleich bescherte Sarah Seidel ihrem Team per Konter zum 9:9, nach dem 11:11 stutzten die Gäste den so genannten „Red Sparrows" (übersetzt: Rote Sperlinge) aus Freiburg mit einem 6:0-Lauf weiter die Flügel (17:11). Vor allem deshalb, weil Werders Torfrau Danique Trooster den Gegner bis zur Halbzeitpause mit einer 45-prozentigen Paradenquote entnervte. Das freilich in Zusammenarbeit mit einer guten Abwehr, überzeugend geführt von Lena Thomas im Zentrum.

Knapp wurde es dennoch, als Werders mehrfacher Sechs-Tore-Vorsprung nach dem 24:18 bis auf 25:23 zusammenschmolz. Zwei „Durchstecker“ von Denise Engelke an den Kreis, die Annika Fröhlich erfolgreich verwertete, verschafften den Gästen die entscheidende Luft (27:23). Deshalb nutzte Freiburg weder die Hereinnahme der siebten Feldspielerin noch eine doppelte Sonderbewachung bei Nina Engel und Merle Heidergott. „Wir sind im Flow und glauben an uns. Dadurch gewinnen wir die Spiele, die wir zum Saisonbeginn noch verloren hatten“, sagte Rabea Neßlage.

„Wir haben im Training gut an unserer Konstanz gearbeitet„, ergänzte Nina Engel. Die 17-Jährige ist mit 58 Toren die Top-Werferin des SVW. „Robert Nijdam hat mir vom ersten Saisonspiel an das Vertrauen geschenkt, das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben“, erklärte sie ihren Höhenflug.

Der Werder-Tross traf am Sonntag gegen sieben Uhr wieder an der heimischen Halle ein. Dort geht es am kommenden Sonnabend gegen den Tabellennachbarn TVB Wuppertal weiter. Der steht aufgrund einer weniger ausgetragenen Partie zwei Minuspunkte besser als der SVW da. Es ist Werders Chance, den nächsten Coup zu landen.

SV Werder: Trooster, Nigbur: Heidergott (4), Conze (3), Engel (7), Thomas, Neßlage (3/2), Seidel (2), Engelke (4), Gajewski (2), Sposato (1), Fröhlich (3), Döpke, Defayay (1).

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