Fußball-Landesligist FC Union Helmut Klußmann ist der Trainer mit Erfolgsgarantie

Bremen. Hier kümmert sich der Chef noch selbst um die wichtigen Dinge des Fußballtrainings. Während sein Assistent Thomas Nadolny das Aufwärmen der Mannschaft des FC Union 60 überwacht, setzt Helmut Klußmann die Hütchen. Der 62-Jährige geht akribisch vor.
14.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Hier kümmert sich der Chef noch selbst um die wichtigen Dinge des Fußballtrainings. Während sein Assistent Thomas Nadolny das Aufwärmen der Mannschaft des FC Union 60 überwacht, setzt Helmut Klußmann die Hütchen. Der 62-Jährige geht akribisch vor. Die Markierungen, verteilt über den gesamten Platz, müssen sitzen. Auch jetzt noch. Eigentlich hat sich die Saison in der Landesliga erledigt für Union 60. Die Mannschaft steht bereits seit der vergangenen Woche, seit dem 4:2 über Verfolger TS Woltmershausen, als Aufsteiger in die Bremen-Liga fest.

Doch nachlassen ist nicht drin für Helmut Klußmann. Das wäre unfair gegenüber der Konkurrenz, und es würde auch nicht passen zum Stil des kommenden Meisters. Denn ein Merkmal von Union 60 ist der Leistungsgedanke. Als Helmut Klußmann vor knapp vier Jahren - zunächst als Trainer der B-Jugend - vom FC Oberneuland II in die Pauliner Marsch wechselte, hatte er dieses Prinzip mitgebracht. "Die Leistungsdichte ist sehr hoch", sagt Klußmann heute zufrieden.

Eine seiner ersten Maßnahmen nach der Übernahme des Herrenteams in 2008 betraf die Arbeit mit erster und zweiter Mannschaft. Die wurden kurzerhand zusammengelegt, denn mit "zwei autonomen Mannschaften" konnte der neue Mann nichts anfangen. Nun stehen über 30 Spieler im gemeinsamen Kader. "Ein integratives Herrenmodell", sagt Helmut Klußmann. Über die große Gruppe lasse sich ein "positiver Leistungsdruck" erzeugen.

Die Theorie ist gut. Aber man muss auch genug talentierte Spieler haben, um sie in die Praxis umzusetzen. Das ist für Helmut Klußmann allerdings kein großes Problem. Die Kicker laufen ihm quasi zu. "Ich habe einen Ruf, der für Kompetenz steht", sagt Klußmann - ruhig und sachlich, wie es seine Art ist. Gedanken an ein möglicherweise übersteigertes Selbstbewusstsein scheinen nicht angebracht. Dieser Trainer muss etwas haben, was die Arbeit mit ihm angenehm und fruchtbar macht.

"Er war der Hauptgrund für meinen Wechsel", sagt Alptug Caglar denn auch überzeugt. Der mittlerweile 35-Jährige kam zu Beginn des vergangenen Jahres vom SC Vahr-Blockdiek. Dort hatte er den Spielertrainer gegeben. Zuvor war Caglar auch schon für den FC Oberneuland und den Bremer SV angetreten. "Ich habe selten einen Trainer gesehen, der wie Helmut Klußmann das Potenzial einer Mannschaft ausschöpfen kann", sagt Alptug Caglar. Er musste am eigenen Leib erfahren, was das bedeutet. Denn eigentlich war der Routinier es gewohnt, eine zentrale Rolle in seinen Mannschaften zu spielen, vorzugsweise im Mittelfeld. Bei Union 60 tritt Caglar dagegen als Außenverteidiger an.

Er musste ausweichen, weil das Mittelfeld mit Kapitän Ischo Cicek und den Grüner-Brüdern stark besetzt ist. Das Mitwirken von David und Adrian Grüner bei Union 60 ist ein weiteres Beispiel für den offenbar guten Ruf von Helmut Klußmann. Ursprünglich stammen die Zwillinge aus der U19 von Werder. Im Herrenbereich haben sie beim FCO und in Brinkum gespielt. Seit dem vergangenen Sommer treten die 24-Jährigen in der Landesliga an.

Angesichts dieses "Abstiegs" hatte man schon befürchtet, die talentierten Grüner-Brüder würden sich einiges herausnehmen in der neuen, vermeintlich schwächeren Mannschaft. "Sie haben aber gleich in der ersten Einheit unser Niveau gesehen und wussten, dass sie sich nichts leisten können. Bei uns gibt es keine Star-Allüren", sagt Ischo Cicek. Der Kapitän ist der verlängerte Arm von Helmut Klußmann. Er habe bei Vatan, dem FCO und nun Union 60 "bestimmt fünf Jahre" unter diesem Trainer gespielt und wisse, wie der sich das vorstellt auf dem Platz. Was Helmut Klußmann erwartet, gefällt Ischo Cicek: "Wir spielen zum Beispiel mit Viererkette und schlagen den Ball nicht einfach ins Aus - das sehe ich als Fußball an." Außerdem habe jeder Spieler eine klar definierte Aufgabe.

Laufen müssen sie dagegen alle, zu jeder Zeit. "Ich will nicht, dass einer steht", sagt Klußmann und kommt nun zu den vielen Hütchen auf dem Platz. Sie teilen das Spielfeld in sechs Zonen auf. Befindet sich der Ball im einen Strafraum (Zone 1), dürfen die Zonen fünf und sechs nicht besetzt sein. Auf diese Weise ist Bewegung garantiert, und das macht weitere Konditionsarbeit unnötig. "Es ist Laufeinheit genug", sagt Klußmann und Cicek ergänzt: "Im Spiel sind wir laufstärker als die anderen Mannschaften." Das glaubt man gern. Seit dem November 2009 hat Union 60 kein Punktspiel mehr verloren. Nachdem auf das Meisterstück gegen Woltmershausen ein 3:1-Erfolg bei Vatan Spor folgte, stehen stolze 66 Punkte aus 24 Spielen in der Bilanz des Tabellenführers. Bereits 97 Treffer hat die Mannschaft erzielt.

Mit Christopher Taylor (35) und Manuel Carrilho (19) verfügt Union über das stärkste Sturmduo der Liga. Für dieses Team müsste doch eigentlich auch in der Bremen-Liga etwas drin sein. "Wir sollten auf keinen Fall mit dem Abstieg zu tun haben", sagt Alptug Caglar. Je länger er drüber nachdenkt, desto besser erscheinen ihm die Chancen. Eigentlich seien die Spitzenteams der kommenden Spielklasse auch nicht besser als die eigene Mannschaft, findet der erfahrene Kicker. Den Geschmack des Trainers trifft er mit derartigen Aussagen allerdings nicht. "Ich würde niemals ein klares Saisonziel ausgeben", sagt Helmut Klußmann. Ihm werde es auch im nächsten Jahr nur darum gehen, guten und erfolgreichen Fußball zu spielen. Mit anderen Worten: Bei Union werden sie weitermachen wie bisher.

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