Gewalt im Fußball

„Heute ist es extremer“

Auf einer Podiumsdiskussion von Bremen zwei äußert sich auch der ehemalige Werder-Profi und Weltmeister Günter Hermann darüber, ob und wie die Gewalt im Amateurfußball zugenommen hat.
10.01.2018, 18:58
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Freye
„Heute ist es extremer“

Was meint Günter Herrmann? Auf einer Bremen-zwei-Podiumsdiskussion wird er von Moderator Stefan Pulß zum Thema Gewalt im Fußball befragt. Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußball-Verbandes, hört aufmerksam zu.

Christina Kuhaupt

Bremen. Das Thema war groß. „Doch mehr als ein Spiel? Beschimpfungen, Tumulte und Schlägereien überschatten den Amateurfußball“, lautete der Titel dieser Radioübertragung. Bremen Zwei war nämlich „unterwegs“, und der neue Sender hatte sich etwas vorgenommen. Es gab schließlich den ersten Spielabbruch in der Bremen-Liga, zuletzt war von Gewalt die Rede, auf und neben dem Platz, in allen Ligen und Altersklassen. Irgendwas stimmt offenbar nicht – und was es ist, sollte diese Sendung klären.

Es ging allerdings los mit einer „richtigen Einordnung“ durch Björn Fecker. Der Präsident des Bremer Fußballverbandes unterstrich nämlich, dass sich Spielabbrüche und Gewalttaten „seit Jahren auf dem gleichen Niveau“ befinden. Von einer numerischen Zunahme könne deshalb keine Rede sein. Aber klar: Auch Fecker findet, dass sich zuletzt doch vermehrt außergewöhnliche Dinge zugetragen haben. Eine gefühlte Zunahme also. Der BFV-Präsident: „Das ist eine Frage der Qualität.“ Es gehe heute insgesamt schon aggressiver, mithin gewalttätiger auf den Fußballplätzen zu.

Das wird ja allgemein auch immer behautet: Die Gewalt in den Straßen der Stadt ist nicht gestiegen, aber sie hat andere Ausmaße angenommen. „Eine gesellschaftliche Entwicklung, die uns voll trifft“, sagte Björn Fecker – und erhielt Unterstützung durch die anderen Gäste. So meinte Günter Hermann, Ex-Profi und sportlicher Leiter des FC Oberneuland: „Heute ist es extremer.“ Man war sich allerdings auch einig, dass die „Qualitätssteigerung“ nicht nur pauschal an der gesellschaftlichen Entwicklung festzumachen sei. Im Fußball gibt es offenbar ganz bestimmte Personengruppen, die ihren Beitrag leisten. Etwa die Eltern. „Sie sind das prägende Element“, betonte Frank Dahlenberg.

Er ist DFB-Stützpunkttrainer und zugleich Leiter einer Grundschule. Dahlenberg weiß, dass „die Kinder heute eine ganz andere Sozialisation erleben“ und der Respekt vor anderen, auch älteren Menschen dabei oft zu kurz kommt. Insofern hätten es die Trainer natürlich auch nicht ganz leicht. Aber nicht selten sind sie auch Teil des Problems, zumindest im Jugendfußball. „Man muss ihre Vorbildfunktion infrage stellen“, so Dahlenberg. Es wirkt auf die ohnehin oft sehr engagierten, bisweilen aggressiven Eltern nicht gerade beruhigend, wenn der Übungsleiter den sportlichen Erfolg über alles stellt und seinerseits unfair Einfluss nimmt.

„Der Trainer lebt das vor“, bestätigt Günter Hermann. Dabei verspricht er sich doch eine ganz andere Funktion vom Verantwortlichen auf der Bank: „Ein Trainer muss Disziplin und Ordnung in die Mannschaft bringen.“ Und fair verhalten sollte er sich, das wirkt dann vermutlich auch positiv auf seine Spieler. Allerdings gab Björn Fecker zu bedenken: „Die Vereine sind glücklich über jeden, der überhaupt ein Amt übernimmt.“

Es bleibt also schwierig. Auch weil am Mittwoch noch eine weitere Personengruppe in die Diskussion eingeführt wurde, die bislang eher als Opfer der Entwicklung galt. „Oft kommt es auch darauf an, wie sich ein Schiedsrichter verhält“, meinte Darius Wöhrmann, selbst als Unparteiischer im Jugendbereich aktiv. Günter Hermann trat ihm zur Seite: „Respekt erhalten nur die Schiedsrichter, die kommunizieren, aber es gibt einfach zu viele mit einem arroganten Verhalten.“

Der einstige Werder-Profi erzählte dann noch eine Anekdote: Es war nämlich der Vater Günter Hermanns, der nach einem Foul an seinem damals jugendlichen Sohn mit dem Regenschirm auf den Schiedsrichter losgehen wollte. Er konnte rechtzeitig gestoppt werden. „Aber so etwas gab es früher eben auch schon“, meinte Hermann schmunzelnd.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+