Sixdays-Kolumne (5)

Hilfe aus Brüssel

Heute wartet unser Autor mit einigen überraschenden Zahlen auf. Und er macht den Veranstaltern einen Vorschlag.
13.01.2020, 18:11
Lesedauer: 2 Min
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Hilfe aus Brüssel
Von Jörg Niemeyer
Hilfe aus Brüssel

Vielleicht haben Sie, liebe Leserin und lieber Leser, auch schon mal davon gehört, dass das ein oder andere Sechstagerennen wegen finanzieller Probleme aufgegeben werden musste. Einst war Deutschland eine Hochburg dieser Form des Radsports. Noch in der Saison 2005/06 fanden hierzulande Rennen in Dortmund, München, Bremen, Stuttgart und Berlin statt. Da waren in Frankfurt, Köln, Hannover, Münster, Leipzig oder Essen die Lichter längst ausgegangen – zum Teil Jahrzehnte zuvor.

Kein Wunder, dass sich die Szene entsprechend gewandelt hat. In der laufenden Saison ist sie, was die Anzahl der Veranstaltungen angeht, auf ihrem Tiefpunkt angekommen. Weil das für Ende Januar geplante Rennen in Kopenhagen abgesagt worden ist, gibt es 2019/20 nur noch – und buchstäblich (!) – ganze fünf Sixdays. Hinzu kommen zwei Events in Manchester und Brisbane, die zwar den gleichen Sport präsentieren, wegen ihrer nur dreitägigen Dauer den Namen Sechstagerennen aber nicht verdienen.

Haben Sie mal nachgerechnet, wie lange heutzutage, bei diesem fast leeren Veranstaltungskalender, ein Radprofi brauchen würde, um die 223 Sixdays zu fahren, die der im Vorjahr verstorbene, langjährige Sportliche Leiter in Bremen, Patrick Sercu, in seiner Biografie stehen hat? Es würde 45 Jahre dauern. Und das auch nur dann, wenn der Profi jedes Rennen mitfahren würde. Zum Vergleich: Marc Hester, aktuell der „Dinosaurier“ in der ÖVB-Arena, hat es in seinen 34 Lebensjahren auf 102 Teilnahmen gebracht. Der Däne hat aber auch Saisons miterlebt wie 2008/09, als es europaweit noch 17 Sixdays gab. Danach ging’s steil bergab.

Was ich damit sagen will? Erstens, dass ich es gut finde, dass Bremen seit 1965 durchgehalten hat und mit Berlin die Deutschland-Fahne noch hochhält. Zweitens möchte ich den hiesigen Veranstaltern, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, einen Vorschlag machen: Fragt mal nach – ach Quatsch, viel besser: Fordert die Europäische Union (EU) in Brüssel auf, die überlebenden Sixdays-Veranstalter mit Fördermaßnahmen zu unterstützen. Es wird doch irgendwo im Bremer Rathaus einen Beamten geben, der einen Paragrafen findet, nach dem ein Kulturgut wie das Bremer Sechstagerennen mit EU-Geld gefördert werden muss. Nach 55 Jahren Sixdays in Bremen kann jedenfalls niemand in Europa behaupten, dass diese Veranstaltung nur eine fixe Idee von Radsport-Spinnern gewesen ist.

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