Hilfe für Nigeria Neue Kleider für die „Königinnen“

Trikots, die als Satz für ein Team nicht mehr komplett zur Verfügung stehen, müssen nicht einfach entsorgt werden. Seit Jahren unterstützt der TuS Komet Arsten einen Verein - die so genannten „Moje Queens“.
01.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Markwort

Sie nennen sich „Moje Queens“ und wollen eigentlich nur spielen – am liebsten Fußball. Der 2008 gegründete Verein ist im westafrikanischen Nigeria beheimatet und hat sich in erster Linie der HIV-Prävention (Aids) und der Vermeidung ungewollter Schwangerschaften verschrieben. Einer der Gründungsväter des Frauen-Fußballvereins ist in Bremen beheimatet. Von hier aus setzt sich „Chief“ Tala Awolola – seit knapp drei Jahrzehnten in Bremen zu Hause – als Vorsitzender des Pan-Afrikanischen Kulturvereins mit großem Engagement nicht nur für die Menschen in seinem Heimatland Nigeria ein, sondern kümmert sich zusammen mit seinen Vereinsmitgliedern auch um zahlreiche Afrikanerinnen und Afrikaner in der Hansestadt.

Bei seinem jüngsten Hilfsprojekt für Nigeria erhielt Awolola zum wiederholten Mal tatkräftige Unterstützung vom TuS Komet Arsten. Aufgrund der langjährigen freundschaftlichen Verbindung zum früheren Leiter der Fußballabteilung der Südbremer, Reinhard Brinkmann, konnte der „Chief“ (ein Stammeshäuptling in Nigeria ernannte ihn einst zum Berater/Chief) erneut einen Satz Fußballtrikots in sein Heimatland schicken. „Nachdem sich der VfB Komet und der TuS Arsten 2006 zum TuS Komet Arsten zusammengeschlossen hatten“, erläutert TuS-Pressevorstand Ralf Lüdeker, „änderte sich auch der Name, was zur Folge hatte, dass sich die Trikot-Beflockung bei neuer Kleidung ebenfalls ändern musste.“

Kreuz und quer durch Nigeria

Den „Moje Queens“, derzeit mit 14 Spielerinnen und einem Durchschnittsalter von etwa 15 Jahren in ihrem Heimatland auf Torejagd, kommt dieser Umstand natürlich mehr als gelegen. Die Mädchen trainieren bis zu fünf Mal in der Woche und legen auf dem Weg zu ihren Spielen weite Wege quer durch Nigeria zurück. „Der Fußball ist ihre große Leidenschaft“, sagt Awolola. Er hatte den Verein auch deshalb ins Leben gerufen, um die vielen verschiedenen Ethnien und die unterschiedlichen Religionen über den Sport im günstigsten Fall zu vereinen.

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Nigeria ist ein Land mit kultureller Vielfalt und mit knapp 200 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land des Kontinents. Viele Jahre war es von Bürgerkriegen und Putschversuchen geprägt, noch heute kämpfen Christen, Muslime und andere Religionen mit Gewalt um die Vorherrschaft. Für Awolola war es 1988 der Grund, seine Heimat zu verlassen und als politischer Flüchtling nach Bremen zu kommen. Hier gründete er den Pan-Afrikanischen Kulturverein und setzt sich seither für in Bremen lebende Afrikanerinnen und Afrikaner ein. Awolola hat seine Wurzeln aber nie vergessen. „Ich freue mich sehr über die Unterstützung des TuS Komet Arsten“, versichert er. Mit den Trikots würde seinen „Königinnen“ sehr geholfen. „Sie laufen mit Stolz auf und bekommen großes Selbstbewusstsein, was für ihre Zukunft wichtig ist“, sagt Awolola.

Die Trikotsätze der „Kometen“ sind meistens mehrere Jahre von verschiedenen Teams aller Altersklassen genutzt worden, bis sie nicht mehr vollständig oder teilweise unbrauchbar waren. „Weil die Trikots aber noch prima waren, wäre eine Entsorgung im Altkleidercontainer nicht sinnvoll gewesen“, sagt Reinhard Brinkmann. Nach und nach erhielten die Mannschaften des nun unter dem Namen TuS Komet Arsten firmierenden Vereins neue Trikotsätze, nicht mehr vollständige Sätze wurden aussortiert und in der Kleiderkammer verwahrt.

Per Schiffscontainer nach Afrika

Schon seit mehreren Jahren spenden die „Kometen“ regelmäßig Trikots, Trainingsanzüge und andere Sportkleidung für Nigeria, auch nicht mehr spielfähige Bälle werden zunächst an der Egon-Kähler-Straße gesammelt und später von Tala Awolola – Angestellter eines Bremer Logistikunternehmens – abgeholt. „Er organisiert dann auch den Transport als sogenannten Beipack in Leerräumen von Schiffscontainern nach Nigeria“, zeichnet Ralf Lüdeker den Weg von Bremen in den Süden Nigerias nach. Weitere Transportkosten entstünden somit nicht. Da die Mannschaften in den Schulen Nigerias aus finanziellen Gründen nicht mit Trikotsätzen ausgestattet werden könnten, erhalten auf diesem Weg vor allem Kinder in Mädchenschulen, aber auch in Sportvereinen für Mädchen und Frauen wie zum Beispiel dem Moje Queens Football Club doch noch nutzbare Trikots, sagt Lüdeker.

Die Trikots würden ebenso wie die Bälle vor Ort aufbereitet. Nicht nur der TuS Komet Arsten, sondern auch viele Sponsoren seien mit ihrer Trikotwerbung auf diese Weise in Nigeria präsent, betont Initiator Reinhard Brinkmann. Bereits im Laufe des vergangenen Jahres lieferten die "Kometen" als großer Sportverein aus dem Bremer Süden eine Menge Material aus anderen Abteilungen des Vereins nach Afrika. "Somit sorgen nicht nur Fußballtrikots und -bälle, sondern auch Handballtrikots und -bälle für große Begeisterung bei den jungen Sportlerinnen und Sportlern“, sagen Reinhard Brinkmann und Ralf Lüdeker – und freuen sich gemeinsam sehr darüber.

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