Extremer Hindernislauf

So hart war der dritte Crow Mountain Survival

Durch die Weser schwimmen, über Wände klettern, sich an Klettergriffen entlang hangeln. Der Hindernislauf Crow Mountain Survival fand trotz Corona auch dieses Jahr statt.
21.09.2020, 15:43
Lesedauer: 5 Min
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So hart war der dritte Crow Mountain Survival
Von Jean-Pierre Fellmer
So hart war der dritte Crow Mountain Survival

Schon beim zweiten Hindernis wurden die Läufer des Crow Mountain Survival nass.

Christina Kuhaupt

Der Start erinnert an den Wartebereich einer Achterbahn: Die Läufer stehen in Reih und Glied in einer Schlange. Dazu trägt jeder eine Maske. Es ist eine Minute nach 12 Uhr, jeden Moment kann es losgehen. Aus einem Lautsprecher dröhnt eine Ansage: „Leute, bitte haltet eineinhalb Meter Abstand.“ Die allermeisten verhalten sich korrekt, nur wenige korrigieren die Distanz zu ihren Nachbarn. Gleich soll alle zehn Sekunden jeweils ein Läufer starten. Der Countdown beginnt: drei, zwei, eins – der erste Sportler läuft los. Ihn begleitet der Jubel der Menge.

Beim Crow Mountain Survival auf dem Stadtwerder haben sich 256 Läuferinnen und Läufer am Sonntag ans Ziel gekämpft. Fünf, zehn oder 15 Kilometer mussten die Sportler zurücklegen und dabei jede Menge natürliche oder künstliche Hindernisse wie Wände, Klettergerüste oder die Weser selbst überwinden. Schon zum dritten Mal veranstaltet Bremen Racing den Hindernislauf, dieses Jahr durch Corona allerdings unter ungewohnten Bedingungen.

Schreie aus dem Gebüsch

Kurz hinter dem Start wartet das erste Hindernis: drei Balken auf Brusthöhe, über die die Läufer hinüber müssen. Ein Sportler aus Ungarn überwindet die Hürde nahezu mühelos, seine fast zwei Köpfe kleinere Kollegin braucht dafür etwas länger. Die erste Aufgabe ist geschafft, die nächste kündigt sich schon aus der Ferne an. Aus einem Gebüsch tönen schmerzerfüllte Schreie. So gefährlich, wie es zuerst klingt, ist es dann aber doch nicht. Im Dickicht ist ein Wasserbecken aufgebaut, das die Läufer durchqueren müssen. Einige der Läufer springen mutig hinein und tauchen die kurze Strecke, andere schwimmen vorwärts oder hangeln sich am oben aufliegenden Bauzaun entlang. Egal, welche Methode sie wählen: Es geht in nassen Klamotten weiter.

Die Wege der Läufer trennen sich, je nachdem, welche Distanz sie laufen. Wer die zehn Kilometer läuft, den führt der Weg am Werderseestrand entlang der Kleinen Weser Richtung Buntentor. Hier müssen sie über die Fußgängerbrücke in Richtung Neustadt, den Weserdeich wieder Richtung Werdersee und zum Schluss die Kleine Weser durchqueren. Am Ufer des Stadtwerders geht der Lauf für alle weiter in Richtung Osten. Am Werderseestrand spielt ein Kind mit seiner Mutter im Sand, die Läufer stapfen direkt daran vorbei.

Es dauert nicht lange und die Läuferinnen und Läufer müssen wieder ins Wasser – diesmal aber nur bis zur Hüfte. Nachdem sie eine Etappe durch den Fluss gewatet sind, geht es auf die Wiese. Auf ihr sind Baugerüste platziert, an einem hangeln die Sportler in Rückenlage durch ein Netz. Ein Läufer hat einen Krampf im Bein, wählt die Strafübung und macht zehn Sit-ups. „Er ist der erste“, sagt die Streckenhelferin. Bei der nächsten Station müssen die Läufer sich an einer Leiste mit Klettergriffen entlang hangeln.

Auf der Wiese an der Vogelinsel sitzt eine junge Familie, am Ufer baden ein paar Leute, einige sind nackt. Die Sportler laufen mitten hindurch. Der ungarische Läufer ist eben an der Station mit den Sandsäcken angekommen. Der junge Mann bietet seiner Läuferkollegin an, für sie den rund fünf Kilo schweren Sandsack zu tragen. Die weigert sich jedoch, greift sich die Ladung Ballast zu ihren Füßen, und beide absolvieren gemeinsam die Station. Unweit davon erreicht eine Fraktion von Läufern in rot-grünen Trikots die Paddelstation. Die Sportler von OCR Heidesprinter schnappen sich jeweils ein Surfbrett, lassen es zu Wasser und paddeln – so die Aufgabe – auf dem Bauch liegend mit den Armen Richtung Osten. Nur einhundert Meter, dann müssen sie schon wieder aus dem Wasser und die Bretter zurück zur Station schleppen. Ein paar Heidesprinter sind schneller fertig als die anderen, warten aber auf ihre Kameraden.

Es geht weiter über den Krähenberg. Der Hügel ist nur für norddeutsche Verhältnisse ein Berg, Namensgeber des Laufes ist er dennoch. Hinter ihm lotst Streckenhelfer Volker Schorstein-Reich die Sportler in den Wald. „Bei der roten Tasche rechts abbiegen“, sagt er. Er weiß, was sie gleich erwartet und muss ein bisschen grinsen. Im Waldstück geht es über den Laub überzogenen Grund an den Kleingärten vorbei in Richtung Start.

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Auf einmal springt ein Wolf mit Maske und Sonnenbrille auf die Laufstrecke und brüllt die Sportler an. Im Wolfskostüm steckt eine Streckenhelferin vom ATS Buntentor. „Das ist ganz schön warm“, sagt sie. Vergangenes Jahr habe sie als feine Dame verkleidet den Läufern Wasser gereicht. Das sei wegen Corona heute nicht möglich, Spaß scheint sie aber trotzdem zu haben. „Ein paar der Läufer haben sich ziemlich erschrocken“, sagt sie.

Die Läufer sind wieder auf dem Sportgelände des ATS Buntentor angekommen, den größten Teil der Strecke haben sie hinter sich gelassen. Auf den letzten Metern warten aber noch eine Menge an Hindernissen auf sie: Sie müssen einen Hügel hinunterkriechen, einen Autoreifen um einen Fußballplatz rollen oder eine zwei Meter hohe Mauer überwinden. Relativ nah am Ende müssen sie sich an einem Tau nach oben ziehen und auf einen Baucontainer klettern. Bei einigen machen die Arme das aber nicht mehr mit – sie machen zur Strafe Liegestütze.

Schnellster Läufer braucht 1:37 Minuten

Wer wieder am Start angekommen ist, hat es endlich geschafft – oder muss im Fall der 15-Kilometer-Läufer noch einmal die kürzere Variante der Strecke überwinden. Als schnellster schafft das Pavlo Fomin in einer Stunde, 37 Minuten und 45 Sekunden. „Zehn Kilometer ist bislang das Maximum gewesen, das ich gelaufen bin“, sagt Fomin. Deswegen habe er sich die Kraft gut einteilen müssen. „Die Hindernisse waren aber weniger ein Problem, ich mach auch Bouldern und Ninjasport“, sagt er. Den zweiten Platz auf der langen Distanz machte Sebastian Baumann (1:38:49), den dritten Martin Watzke, (1:41:58). Bei den Frauen siegte Alicia Bohlen (1:44:32), Platz zwei machte Jenny Vico (1:53:44) gefolgt von Lea Breuer (2:16:04).

Thomas Hendrick Adick von Bremen Racing findet es etwas schade, dass das Rahmenprogramm wegen Corona ausgefallen ist. „Wir hätten zum Beispiel gerne noch Hüpfburgen für die Kinder aufgebaut.“ Außerdem war Kinderschminken geplant, sodass die jungen Läufer als Tier verkleidet mitlaufen können. Auch die Siegerehrung musste ausfallen. Insgesamt sei Adick allerdings froh, dass solche Sportevents und Corona sich vereinen ließen. Das Hygienekonzept für den dritten Crow Mountain Survival sei übrigens 26 Seiten lang. Man wolle es auch anderen Veranstaltern zur Verfügung stellen, sagt Adick. Auch Zuschauer waren nicht in diesem Jahr nicht erlaubt. Aber vielleicht klappt es im nächsten Jahr. Adick ist in jedem Fall zuversichtlich für den nächsten Lauf: „Die Anmeldung für 2021 ist schon gestartet.“

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