Bremer HC Vermeidbare Niederlage gegen UHC

Es sei schon wie ein Schock gewesen, dass der Dauertrainer Martin Schultze den BHC bald verlässt. So sagte es Johanna Mühl. Mit der Niederlage gegen den UHC habe die Nachricht aber nichts zu tun.
10.09.2022, 19:02
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Vermeidbare Niederlage gegen UHC
Von Olaf Dorow

 Es musste ja so kommen, dieser Gedanke ließ sich nicht so richtig wegdenken. Wenige Tage vor dem Bundesliga-Spiel der Hockey-Damen vom Bremer HC gegen UHC Hamburg hat die Mehrzahl der Spielerinnen erfahren, dass ihr Trainer, "Mister BHC" Martin Schultze, den Verein verlassen wird. Er wird demnächst Sportdirektor des nationalen Verbandes. Das Spiel gegen den UHC ging mit 0:2 verloren. Allerdings: Es fand sich schließlich niemand unter den aktiv Beteiligten, der einen Zusammenhang zwischen der Schock-Nachricht und der Niederlage im ersten Spiel gesehen haben wollte.

"Ja, das kam schon wie ein Schock", gab Johanna Mühl, angesprochen auf ihren Trainer, zu. Was nicht weiter verwundern darf. Gemeinsam mit Lena Frerichs und Charlotte Müller spielt sie seit zwölf Jahren schon beim BHC, seit den "Minis". Das Trio hatte nie einen anderen Trainer als Martin Schultze. "Wie sehen das mit gemischten Gefühlen", sagte Lena Frerichs. Einerseits gönnen alle dem Trainer den beruflichen Aufstieg, andererseits sei es "sehr schade". Aber irgendwann im Laufe der Karriere müsse man auch mal einen anderen Trainer bekommen, ergänzte Charlotte Müller. Das könne ja auch neuen Input und neue Reize mit sich bringen. Und man höre ja auch aus dem Verein, dass sich intensiv und mit Sorgfalt um eine Nachfolge-Regelung gekümmert wird.

Das bestätigten am Rande des Spiels auch Henning Mühl und Sarat Maitin, der erste und der zweite Vorsitzende. Kernsatz bei ihrem Blick in die BHC-Zukunft: Der Verein, der derzeit rund 600.000 Euro in die Infrastruktur steckt, ist stabil aufgestellt und will das baldige Ende der Ära Schultze auch als Chance begreifen. Die Aufgaben als Cheftrainer und Geschäftsführer, die Martin Schultze bislang in Personalunion ausfüllte, wolle man auf mehrere Schultern verteilen. "Denn so einen wie Martin Schultze gibt es nicht noch mal in Deutschland", sagte Henning Mühl." Spätestens zum Beginn der Rückrunde der Feldsaison soll ein neuer Coach gefunden sein, sagte Sarat Maitin.

Späte Gegentore

Noch Trainer Martin Schultze sah gegen den UHC eine BHC-Vorstellung, die sich spielerisch auf dem Niveau des Gegners befand. Das war sozusagen die gute Nachricht aus Bremer Sicht. "Deswegen ist es umso ärgerlicher, dass wir das Spiel wie schon letzte Woche so hergeschenkt haben", sagte Lena Frerichs. Wie beim 1:4 in Köln vor einer Woche war auch diesmal die schlechte Nachricht aus Bremer Sicht: Sie haben ihre Chancen nicht nutzen können. Wie gegen Köln hatten sie nicht unbedingt weniger Torchancen als der Gegner.

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Hinzu kam, dass das Bremer Spiel in der Schlussphase von einer gewissen Hektik geprägt war. "Das darf uns nicht passieren", sagte Johanna Mühl. "Und wenn eine falsche Schiedsrichter-Entscheidung kommt, dann kommt sie halt", sagte Charlotte Müller. Aus Sicht des Bremer Trios war das 1:0 für den UHC kein reguläres Tor. Der Ball sei vom Fuß und nicht vom Schläger der Schützin gekommen. Bis zu dieser 49. Minute stand es trotz diverser Möglichkeiten auf beiden Seiten noch 0:0, zumindest der erste Punktgewinn für den Bundesliga-Aufsteiger BHC lag in der Luft. Nach dem späten Rückstand gelang den Bremerinnen nicht mehr viel. Sie fingen sich in der 56. Minute noch das 0:2, anschließend war der UHC dem 3:0 näher als der BHC dem 1:2. "Ein Unentschieden wäre drin gewesen", sagte Martin Schultze, "wir müssen den Lernfaktor schnell hochschrauben in dieser Liga."

Dass die Niederlage und die Überaschungsnachricht vom baldigen Abgang zusammenhänge, glaubte Schultze nicht. So sahen es auch seine drei Spielerinnen, die er über ihre gesamte bisherige Karriere betreut hat. "Nein, das kann man verdrängen", sagte stellvertretend für alle Lena Frerichs. Außerdem ist es ja kein fluchtartiger Abgang ihres Dauertrainers. Martin Schultze wird das Team noch die gesamte Hinrunde der Feldsaison coachen. Und an der Suche nach einem Nachfolger beteilige er sich auch, er habe ja sehr gute Kontakte, sagte er. Das Martin Schultze für "seine" Bremerinnen keinen schlechten Trainer finden wird, darf angenommen werden.    

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