Bürgerfest am 19. September

Neues Leben auf der Galopprennbahn

Seit dem 30. März 2018 hat es in der Bremer Vahr kein Rennen mehr gegeben. Zumindest für ein Schaurennen kehren die Pferde im Spätsommer auf die Anlage zurück. Vielleicht ist es ein neuer Anfang.
27.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Neues Leben auf der Galopprennbahn
Von Jörg Niemeyer
Neues Leben auf der Galopprennbahn

Ein Filetstück für Stadtplaner: die Galopprennbahn in der Vahr. Derzeit werden Ideen gesammelt, wie das Gelände kurz- und langfristig genutzt werden kann.

studio b bremen

Der 19. September 2020 soll der Tag werden, an dem die Galopprennbahn in der Vahr ihrer ursprünglichen Bestimmung mal wieder gerecht werden könnte. An jenem Sonnabend soll, wenn Corona es zulässt, im Rahmen des geplanten Bürgerfestes auch ein Pferderennen veranstaltet werden. Es wird zwar nur ein Schaurennen sein, aber immerhin. „Der Reitsport ist die DNA des Geländes“, sagt Andreas Sponbiel. Er ist der Sprecher der Bürgerinitiative Rennbahn (BI), die den Volksentscheid durchgesetzt hatte, der im Mai 2019 mit der Entscheidung gegen die geplante Bebauung des Geländes geendet hatte.

Die BI ist es jetzt auch, die zum zweiten Mal nach 2019 die Öffentlichkeit mit einem etwa sechsstündigen Bürgerfest auf das Gelände holen möchte. Das Aus für die Bebauung des 34 Hektar großen Areals im Vorjahr war der Startschuss für einen Ideenwettbewerb, der mit der Einsetzung eines Runden Tisches und der Mobilisierung zahlreicher Initiativen, unter anderem auch des organisierten Sports mit dem Landessportbund an der Spitze, gerade an Fahrt aufgenommen hat. Es geht darum, langfristige Nutzungsformen fürs Rennbahngelände zu erarbeiten. Bis Lösungen gefunden sind, dürfte viel Zeit vergehen, sodass die Fläche erst einmal zwischengenutzt werden soll. Die Zwischenzeitzentrale (ZZZ), ein Projekt von vier Bremer Senatsressorts, hat dafür die Koordination übernommen.

Potenzial des Geländes soll aufgezeigt werden

„Zuletzt hat es viele Begehungen gegeben“, sagt Andreas Sponbiel. „Eine Galopprennbahn ohne Rennen macht keinen Sinn“, sagt er auch. Grundsätzlich gehe es darum, den Menschen zu zeigen, welches Potenzial das Gelände habe, ohne es zu zerstören. „Wir wollen dort den Leistungs- und Breitensport vereinen.“ Zugleich betont Sponbiel immer wieder, dass der Sport eben nur ein Nutzer des weitläufigen Geländes neben vielen sein soll.

Die Vahrer Bahn spielt im deutschen Rennkalender schon seit Karfreitag 2018 keine Rolle mehr, offizielle Rennen sind derzeit nicht möglich. Der Bremer Rennverein, der mehr als 150 Jahre lang Veranstaltungen organisierte, hat Interesse bekundet, auch in den kommenden Jahren zumindest vereinzelte Renntage zu organisieren. Weil darüber derzeit aber keine Einigung zu erzielen ist, ist ein Schaurennen die einzige Möglichkeit, den Galoppsport in der Vahr live zu präsentieren. Auf der Trainingsanlage in Mahndorf ist der Sport nach wie vor in Bremen sehr lebendig. Dort hat auch Pavel Vovcenko einen Stall, von dort bereist er mit seinen Vierbeinern fast an jedem Wochenende der Saison die deutschen und viele internationale Rennbahnen.

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Auch wenn es am 19. September nur ein Schaurennen sein wird: Pavel Vovcenko hat sich gern bereiterklärt, mit Pferden und Reitern in die Vahr zu kommen. „Wir alle wünschen uns, wieder Rennen in Bremen zu haben“, sagt er, „wenn wir nun nicht bereit sind, selbst etwas dafür zu tun, sind wir selbst schuld, wenn nichts passiert.“ Mit mindestens fünf, am liebsten mit acht bis zehn Tieren und seinen Arbeitsreitern wolle er beim Bürgerfest dabei sein. Lizenzierte Reiter oder Amateure zu verpflichten, sei schon aus finanziellen Gründen nicht zu machen.

Auch so ist der Aufwand fürs Rennen erheblich. Außer dem Transport der Pferde muss für deren Sicherheit vor allem ein ordentliches Geläuf gewährleistet sein. Das sehe aber ganz gut aus, sagt Vovcenko, der erst vor einigen Tagen auf der Anlage war. Das Hygienekonzept des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen, also der höchsten deutschen Institution des Galoppsports, diene als Vorlage für den Auftritt beim Bürgerfest. „Ohnehin müssen wir ja erst mal abwarten, wie sich die Pandemie entwickelt“, sagt Vovcenko.

Musikangebote und Führungen

Frank Lenk, Sprecher des Bremer Rennvereins, begrüßt das Schaurennen. „Es nimmt zumindest ein bisschen die Tradition an dieser Stätte auf“, sagt er. Ob der Verein selbst irgendwann richtige Renntage wieder wird ausrichten können, steht jedoch in den Sternen. Gespräche darüber gebe es, so Lenk, aber keine Ergebnisse.

Andreas Sponbiel möchte auf die Expertise des Rennvereins nicht verzichten, und so werde er neben vielen anderen Mitstreitern in die Organisation des Bürgerfestes mit einbezogen. Aus etwa zehn Personen bestehe das Orga-Team für den 19. September. Neben Galoppsport, Ponyreiten und Ballonfahren werde es auch Kultur- und Musikangebote sowie Führungen über die Anlage geben, um den Gästen das Potenzial des Geländes für eine dauerhafte Nutzung zu aufzuzeigen. „Es gibt auf der Fläche so viele Möglichkeiten“, sagt Sponbiel. Deshalb werde es im Rahmen des Bürgerfestes auch wieder einen „Marktplatz der Ideen“ geben, auf dem Verbände, Vereine und Institutionen an Info-Tischen ihre Vorstellungen einer künftigen Nutzung kundtun werden. Vielleicht, so sagt Andreas Sponbiel, ist die Galopprennbahn das letzte große Areal in Bremen, das derart vielfältig entwickelt werden kann.

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Die Zukunft im Blick

Zum zweiten Mal lädt die Bürgerinitiative Rennbahn (BI) für den 19. September zu einem Bürgerfest auf das Gelände der Galopprennbahn in der Vahr ein. Im Vorjahr feierte die BI ihren Sieg beim Volksentscheid, der die geplante Bebauung des Areals verhinderte. Diesmal geht es vor allem um die Zukunft des 34 Hektar großen Geländes. Wie könnte es langfristig genutzt werden? Vorschläge dafür gibt es auf dem „Marktplatz der Ideen“, der in der Nähe des Führrings und der Bühne beim Atlantic-Hotel im Biergarten zu finden sein wird. Die Organisatoren planen ein umfangreiches Programm mit Sport- und Kulturangeboten sowie Führungen über das weitläufige Gelände. Das Schaurennen der Galopper aus der Trainingsanlage in Mahndorf soll gegen 12 Uhr den Auftakt des etwa sechsstündigen Festes bilden.

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