2. Crow Mountain Survival

„Ich hatte das Bouldern vernachlässigt“

Tim Krüger leitet beim ATS Buntentor die Sparte Extrem-Hindernisläufe. Im Interview spricht er über den QCR-Bereich seines Vereins sowie den 2. Crow Mountain Survival am 22. September.
15.08.2019, 22:40
Lesedauer: 4 Min
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Von Rainer Jüttner
„Ich hatte das Bouldern vernachlässigt“

Tim Krüger leitet nicht nur die Buntentorer OCR-Sparte, sondern ist als Extrem-Hindernisläufer auch selbst regelmäßig im Einsatz.

Privat

Herr Krüger, Sie sind erst seit zwei Jahren selbst im OCR-Bereich beim ATS Buntentor aktiv. Was haben Sie sportlich vorher gemacht?

Tim Krüger: Leichtathlet und Läufer war ich schon immer, seit meiner Anfangszeit als Jugendlicher beim TSV Achim in der LG Kreis Verden. Über Werder und die LG Bremen-Nord bin ich dann nach Buntentor gekommen. Die langen Strecken habe ich dann eigentlich zufällig für mich entdeckt. Ich musste mal den Kopf frei bekommen und bin einfach von Achim nach Verden gelaufen. So war das.

Das ging dann bis zur Marathon-Distanz und darüber hinaus?

Ja, meinen ersten Marathon bin ich in Berlin als 18-Jähriger 2005 gelaufen, noch für die LG Kreis Verden. Ich bin damals nach 4:07 Stunden durchs Ziel gekommen. Die Zeiten haben sich dann in der Folgezeit immer weiter verbessert.

Ihre Marathon-Bestzeit?

2:54:10 Stunden, 2009, wieder in Berlin. Die Strecke dort ist einfach für Bestzeiten wie gemacht.

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Der Bau der Hindernis-Anlage auf dem Kuhhirten wurde von der Lauf-Abteilung des ATS Buntentor 2015 in Angriff genommen. Waren Sie, wenn auch noch nicht wettkampfmäßig aktiv, dort von Beginn an mit dabei?

Zu dem Zeitpunkt hatte ich meinen Schwerpunkt noch gar nicht auf das Wettkampfgeschehen allgemein gelegt. Ich trainierte eher nur für mich alleine. Just for fun habe ich bei Volksläufen auch mal den Tempomacher für die Vereinskameradin Janina Heyn gegeben. Letztlich hat Gerrit Lubitz beim Lake Run im Hoope-Park bei Wulsbüttel 2016 mein Interesse für den OCR-Sport geweckt.

Sie waren damals noch die beiden einzigen ATSB-Vertreter?

Genau, wir waren zu Zweit und hatten über die Mitteldistanz von zwölf Kilometern leider keine Mannschaft.

Aber inzwischen haben Sie in Buntentor ein Luxus-Problem?

Ich kann aktuell aus rund zehn Aktiven auswählen und bei der Zusammensetzung der Teams immer variieren. Bei den vier fixen Jahres-Terminen der Lake Run-Serie in Deutschland, diese sind in Winterberg in Nordrhein-Westfalen, Hoope, Möhnesee im Sauerland und Trendelburg in Hessen, starten wir in der Mannschaft immer auf der Mittelstrecke von zwölf oder 14 Kilometern Länge und müssen vier Starter ins Ziel bringen.

Und international?

Seit 2018 ist die Europameisterschaft unser Saisonhighlight, sie fand damals in Dänemark statt. In diesem Jahr waren wir mit Jenny Vico, Sebastian Baumann und mir in Gdynia an der polnischen Ostseeküste. Wir hatten schon noch mehr Qualifikanten, aber es wollten nur die drei starten. Es ging dort über 15 Kilometer mit 67 Hindernissen.

Für sie persönlich lief es aber alles andere als rund?

Ich formuliere es mal so: Es war schön, mit dem Team Deutschland dagewesen zu sein. Unser Dachverband OCR Association Germany gibt sich viel Mühe, dem Sport international einen hohen Stellenwert zu verschaffen. So wurden unter anderem Zelte, Verpflegung, Trikots und Physiotherapeuten bereitgestellt. Sportlich hatte ich wegen einiger Abschlussklausuren im Vorfeld wenig und schlecht trainiert und insbesondere das Bouldern vernachlässigt.

Sie kamen also nicht ins Ziel?

Ich bin beim Hindernis Nummer zwölf mit dem Namen „Nordpol“, das ich im Jahr zuvor in Dänemark noch ohne Probleme geschafft hatte, aus der Wertung ausgeschieden. Beim Herunterrutschen an einem Seil habe ich mich an der Hand verletzt und konnte dann nicht mehr zugreifen. Das Band, das man ins Ziel trägt, musste ich an diesem Hindernis abgeben. Ich habe mich zwar weiter bis ins Ziel gekämpft aber eben ohne Wertung.

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Sie haben eben das Bouldern angesprochen. Diese Disziplin ist nur ein Bestandteil des Trainings für den OCR-Sport. Wie gliedern sich die Übungseinheiten auf?

Generell ist das OCR-Training zunächst einmal intensiver als reines Lauftraining. Zum normalen Laufen kommen noch das Hindernis-Training und wenn man es ganz genau nimmt auch das Schwimmtraining hinzu. Das Bouldern oder Klettern trainiert dann das Gefühl für das Greifen und die Griffkraft. Glücklicherweise haben wir mit der Boulder Base in Walle einen Partner, der uns auch diese Facette des Trainings ermöglicht. Inzwischen sogar für unser komplettes OCR-Team.

Werfen wir mal einen Blick auf die lokalen Gegebenheiten. Sie haben als neuer Spartenleiter schon einiges initiiert aber auch noch jede Menge Aktivitäten vor sich?

Zunächst einmal haben wir die fixen Trainingstermine auf der Anlage auf dem Kuhhirten, jeder erste Sonntag im Monat um zehn Uhr für unser Team aber auch für Leute, die mal reinschnuppern wollen, etabliert. Wir versuchen, das Training abwechslungsreich zu gestalten. Immer mit dem übergeordneten Ziel, die noch neue Sportart in Bremen populärer zu machen und den Athleten bei uns auf der Anlage eine Zuhause zu geben – egal ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi.

Unsere Anlage muss ja auch instandgehalten und zudem baulich immer weiter entwickelt und erweitert werden. Dabei versuchen wir natürlich auch, das Verletzungsrisiko an bestehenden Hindernissen weiter zu minimieren. Der Höhepunkt des Jahres wird dann unsere eigene Veranstaltung am Sonntag, 22. September sein, der 2. Crow Mountain Survival. Hier bin ich natürlich ständig auf der Suche nach weiteren Partnern und Sponsoren, die uns unterstützen möchten.

Die Fragen stellte Marc Gogol.

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Info

Zur Person

Tim Krüger (32) hat im März dieses Jahres beim ATS Buntentor die Leitung der Sparte Obstacle Course Racing (OCR) übernommen. Dieser Begriff steht für Extrem-Hindernisläufe, bei denen Einzelteilnehmer oder Teams verschiedenartige Hindernisse im Gelände laufend überwinden müssen. Der 1,88 Meter große Achimer ist Berufssoldat im Heer/SKB (Streitkräftebasis) und seit Mitte Juli in Garlstedt stationiert.

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