Grün-Gold-Paar kämpft um Meistertitel

Im Schatten der Formation

Das Bremer Grün-Gold-Paar Bezzubova/Imametdinov gehört im Lateintanz zur absoluten Weltspitze. Am Wochenende geht es um den deutschen Meistertitel
29.03.2019, 14:20
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Im Schatten der Formation
Von Ruth Gerbracht
Im Schatten der Formation

Timur Imametdinov und Nina Bezzubova vom Grün-Gold-Club Bremen tanzen an diesem Sonnabend in Kamen um den deutschen Latein-Meistertitel. Vor zwei Jahren siegten sie, im vergangenen Jahr langte es für Platz zwei. In Form sind sie 2019 auf jeden Fall: Erst vor wenigen Tagen haben sie in Tokyo die International-Open-Adult gewonnen und beim Grand Slam-Turnier der Latein-Elite in Bukarest landeten sie am Ende auf einem starken dritten Platz.

Koch

Sie stehen in Bremen ein wenig im Schatten der Lateinformation. Dabei sind Nina Bezzubova und Timur Imametdinov vom Bremer Grün-Gold-Club nicht weniger erfolgreich. „Ein bisschen aber doch“, meint die 30-jährige Lateintänzerin und lächelt. „Die Formation ist Weltmeister und wir sind WM-Dritte.“ Diese Korrektur ist jedoch überflüssig. Schließlich gehören die beiden zur absoluten Weltspitze im Lateintanzen und wollen an diesem Sonnabend den deutschen Meistertitel gewinnen.

Erst vor wenigen Tagen haben sie in Tokyo die International-Open-Adult gewonnen und beim Grand Slam-Turnier der Latein-Elite in Bukarest wurden sie Dritte. Ihre zahlreichen Siege auf der ganzen Welt haben dazu geführt, dass sie sich mittlerweile auf Rang zwei der Weltrangliste getanzt haben. Außerdem waren sie deutscher Meister, Zweiter der EM und – Dritter der Weltmeisterschaften.

Lesen Sie auch

Begonnen haben beide mit dem Tanzsport bereits als Kinder. Timur Imametdinov, in Moskau zu Hause, begann zunächst mit Karate, ließ sich aber dann doch von seiner Mutter überzeugen, zum Tanzen zu wechseln. Nina Bezzubova sollte sich in ihrer Heimatstadt Riga entscheiden zwischen Tanzen und Musik, und hat dann kurzerhand mit dem Tanzen die Kombination von beidem gewählt. Dass ihre Entscheidungen richtig waren, zeigte sich schnell. Schon als Kinder und Junioren konnten sie ihr Talent erfolgreich unter Beweis stellen. Da Nina Bezzubova auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, startet das Bremer Lateinpaar seit Jahren für den deutschen Tanzsportverband (DTV) und hat für den DTV bereits viele Trophäen gesammelt.

Seit 2017 in Bremen

Zunächst starteten die beiden für den Schwarz-Weiß-Club Pforzheim, bevor sie 2017 schließlich in Bremen eine neue tänzerische Heimat gefunden hatten. „Wir haben ein tolles Umfeld mit dem Grün-Gold-Club bekommen“, erklärt Nina Bezzubova, was vor allem auch an den Top-Trainern Roberto Albanese und Jürgen Neudeck liegt, die von Bremen aus die besten Lateinpaare der Welt betreuen. Sie haben erheblichen Anteil daran, dass Nina Bezzubova und Timur Imametdinov in aller Welt für ihre Shows und Choreografien vom Publikum gefeiert werden.

Während Timur Imametdinov immer wieder nach Russland zurückkehrt, zum einen weil er dort verheiratet ist, aber auch, weil er seine Heimat auf Dauer nicht verlassen möchte, hat Bremen für seine Tanzpartnerin eine intensivere Bedeutung. Bremen habe für sie Wohlfühlcharakter, sagt die 30-Jährige. Es sei ähnlich wie in ihrer Heimatstadt Riga, nur ein bisschen kleiner. „Ich brauche neben dem Sport auch ein familiäres Umfeld“, erklärt Nina Bezzubova. Sie sei seit so vielen Jahren allein in Deutschland, da möchte sie gerne erfahrene, kluge und mitfühlsame Menschen um sich haben, die ihr helfen und die sie beraten können. „Ein bisschen Elternersatz eben.“ Den hat sie beim Grün-Gold-Club gefunden, vor allem bei Roberto und Uta Albanese. „Das passt perfekt.“

Lesen Sie auch

Roberto Albanese war es auch, der ihnen unter anderem bewusst gemacht hat, dass es beim Tanzen nicht nur um Titel oder um Siege geht, sondern dass es darauf ankommt, authentisch zu sein, die eigenen Wege zu gehen. Dass sie ihr ganzes Können mit ihrer Leidenschaft und ihrem Enthusiasmus verbinden, um sich in die Herzen der Zuschauer zu tanzen. „Wenn die Besucher begeistert sind von dem, was wir zeigen, dann ist das für uns mehr wert als der Titel oder der erste Platz“, erklärt der 32-jährige Tänzer aus Moskau.

Sie tanzen einen extrem emotionalen, berührenden Stil

Wer das Grün-Gold-Paar auf der Tanzfläche erlebt hat, weiß, was Imametdinov meint. Sie tanzen einen extrem emotionalen, berührenden Stil mit großer Musikalität und Emotionalität, der das Publikum berührt und auch ein bisschen verzaubert. „Die Wertungsrichter sind nur elf Leute, das Publikum besteht aus mehreren tausend“, sagt Nina Bezzubova, „und wenn die alle deine Präsentation feiern, dann sind mir die elf nicht so wichtig.“

Diese Einstellung hilft über manche Enttäuschung hinweg. Schließlich müssen die Bremer sich national und auch international oftmals hinter dem deutschen Meister aus Pforzheim, Marius-Andrei Balan und Khrystyna Moshenska, als Zweite einreihen. Balan/Moshenska tanzen technisch zwar auch auf höchstem Niveau, was die Wertungsrichter meistens dann mit ersten Plätzen belohnen, obwohl es ihnen ein bisschen an lateinamerikanischer Emotionalität und Ausstrahlung fehlt.

Lesen Sie auch

In einer Sportart wie Tanzen jedoch legen sich Wertungsrichter gerne auf eine einmal gewählte Folge fest. Wechsel in der Reihenfolge sind eher selten. Wer einmal Erster ist, bleibt es auch meistens, zumindest für einen längeren Zeitraum. „Es gibt keine objektiven Leistungsmessungen wie in anderen Sportarten. Damit musst Du leben und Dich zurechtfinden“, sagt Timur Imametdinov. Wichtig sei ihm nicht der Sieg, sondern, was er tänzerisch ausdrückt. „Wenn die Zuschauer die Choreo mögen, hast du alles gewonnen.“

An diesem Sonnabend treffen sie wieder auf ihre schärfsten Konkurrenten. Im westfälischen Kamen tanzen Nina Bezzubova und Timur Imametdinov vom Grün-Gold-Club erneut um den Titel des deutschen Lateinmeisters. 2017 konnten sie die Pforzheimer Konkurrenz einmal besiegen, 2018 wurden sie in Bremen dann wieder Zweiter. Aber auch in diesem Jahr wollen sie sich keine Gedanken um Platz eins machen. „Wir sind top vorbereitet und wollen unser Bestes geben“, sagt Nina Bezzubova. Doch was wünschen sie sich, wie lautet ihr Ziel? „Unser Traum wären stehende Ovationen vom Publikum, das wäre einfach großartig.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+