Nur 27:27 gegen Solingen

In guten wie in schwierigen Zeiten

Werders Handballerinnen schaffen auch gegen den Tabellenletzten keinen Sieg, Trainer Buttig aber genießt Vertrauen von Vorstand und Mannschaft.
17.11.2019, 16:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Kowalzik

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“ dröhnte es in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle aus den Lautsprechern. Es war die ultimative Aufforderung an die Zweitliga-Handballerinnen des SV Werder Bremen, im Kellerduell gegen den HSV Solingen-Gräfrath den „lucky Punch“ nachzulegen. Gerade noch hatten die Bremerinnen einen 4:0-Lauf zum 27:27 (17:15) hingelegt, als der Liga-Novize aus Solingen 45 Sekunden vor Ultimo zur Auszeit griff. „Raus aus den Sitzen und unterstützt uns", rief Werders langzeitverletzte Linksaußen Laura Sposato und turnte gestikulierend vor dem Publikum herum, als könne sie damit höchstpersönlich ins Spielgeschehen eingreifen.

Die Werder-Fans unter den rund 300 Zuschauern sprangen auf und übertönten mit ihrem Klatschen und Rufen eindeutig die Phonstärke der Gästetrommeln. Sie schafften es aber ebenso wenig, den Ball in die Reihen ihres Teams zu treiben wie die vorgezogene Abwehrspielerin Lotta Heinrich. Die fuhr ihre langen Arme aus, als könne sie damit den Ball magisch anziehen. Doch die Grün-Weißen kamen bis zum Schlusspfiff nicht mehr in Ballbesitz und mussten sich gegen das Schlusslicht mit einem Zähler begnügen.

Verpufft waren damit die Mut machenden Sprüche, die die Verletzten Rabea Neßlage, Malin Pods und eben Laura Sposato ihren Mitspielerinnen in der Umkleidekabine an den Platz geklebt hatten. Für Jede hatten sie deren individuelle Stärken formuliert und einen persönlichen Spruch mit auf den Weg gegeben. Jetzt muss sich der Vorletzte tatsächlich getreu des einstigen Höhner Handball-WM-Hits aus dem Jahr 2007 fragen: Ja, wann denn nun eigentlich? Wann wird im Abstiegskampf wirklich losgelegt, wenn es jetzt nicht einmal mehr zu Hause zum erhofften Sieg gegen den bis dato punktlosen Tabellenletzten reicht?

Lotta Heinrich, die zwischen starken Momenten und je einem verballerten Siebenmeter, einem Fehlpass und einem Konter in wichtigen Phasen schwankte, blickt optimistisch nach vorne. „Das kann der Beginn einer schönen Erfolgsserie werden. Denn wir haben in den letzten zehn Minuten mit unserem Kampf und dem Teamgeist genau das gezeigt, was uns zuletzt gefehlt hatte“, sagte die siebenfache Torschützin überzeugt.

Über den Bremer Einsatz in der Chrunch Time kann man tatsächlich nicht meckern, der bescherte dem SVW am Ende einen gefühlten Punktgewinn. Wie es auch das Gros der Spielerinnen so sah. Aber die Abwehr! Es war phasenweise schwach, wie einfach sich die schlechteste Deckung der Liga über den Kreis oder in den Zweikämpfen überrumpeln ließ. Von einem Gegner, der aus dem Rückraum nun wirklich wenig Gefahr ausstrahlte und gegen den man ohnehin schon defensiv stand. „Wir haben uns hinten viel auswackeln lassen, da fehlte die Absprache“, gab Lena Thomas zu. Sie rührt in der Abwehr normalerweise den wichtigen Beton, wirkte aber diesmal krankheitsbedingt erst ab dem 22:25 im Bremer Deckungszentrum mit (48.).

„Wir stellen uns die Kreisläuferin nicht dort hin, wo wir sie haben wollen, sondern reagieren erst, wenn sie den Ball hat. Das kann jeder Gegner auf Video analysieren„, monierte Werders Trainer Dominic Buttig. Ist nun sein Trainerplatz in Gefahr? „Wenn ich mir darüber Gedanken mache, würde ich verkrampfen und der Mannschaft nicht mehr helfen können“, schiebt Buttig das Thema von sich. „Wir sprechen intern mit dem Trainer und nicht durch die Medien über ihn“, betonte Werders Handball-Chef Martin Lange. „So verfahren wir immer: in guten und in schwierigen Zeiten, um gemeinsam unsere Situation zu verbessern„, fuhr er fort. „Wir arbeiten voll zusammen und er schenkt uns sein Vertrauen“, sieht die Mittelangreiferin Denise Engelke keinen Anlass zu einem Trainer-Wechsel.

„Der eine Punkt kann für uns am Ende noch ganz wichtig werden", meinte Trainer Dominic Buttig nach dem Spiel. Seine Mannschaft nimmt mit 3:13 Punkten weiter den vorletzten Platz ein, drei Mannschaften steigen am Ende der Saison ab. Werder ist derzeit einen Zähler vom rettenden Ufer entfernt. "Die Saison wird für uns richtig schwer, wir müssen über das Kollektiv kommen", betonte Torfrau Marie Andresen.

SV Werder Bremen: Anschütz, Andresen; Conze (4/1), Thomas, Mehrtens (2), Hertes, Heinrich (7), Seidel, Engelke (8/2), Gajewski (1), Güter (5), Döpke, Defaya.

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