8. SWB-Marathon Jäger siegt vor Sebrantke

Bremen. Rene Jäger und Gaby Andres heißen die Sieger des Marathon-Laufs beim 8. SWB-Marathon in Bremen. Den Vorjahres-Gewinnern Oliver Sebrantke und Frauke Fichtner bleibt in diesem Jahr "nur" der zweite Platz.
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Jäger siegt vor Sebrantke
Von Jörg Niemeyer

Bremen. Gut gelaunt genehmigten sich die ersten Läufer unter den Sonnenschirmen auf dem Bremer Marktplatz bereits genüsslich ihr Bierchen, während nur zehn Meter entfernt zwischen Roland und Rathaus noch immer Marathonis ins Ziel kamen.

René Jäger, der Schnellste bei den Männern, hatte für die 42,195 Kilometer nur 2:28:37 Stunden benötigt – mehr als doppelt so lange durften sich die Letzten Zeit lassen. Nach sechs Stunden wurden die Uhren dann endgültig angehalten, so allmählich kehrte der Alltag in die Stadt zurück. Straßensperren wurden abgebaut, die Discjockeys entlang der Strecke hatten Feierabend, und Helfer an den Verpflegungsstellen beseitigten Berge von Abfällen.

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Von den exakt 5696 gestarteten Frauen, Männern und Jugendlichen – Rekord für den SWB-Marathon – erreichten 5600 den Marktplatz. Wahlweise lagen zehn, 21,2 oder 42,195 Kilometer hinter ihnen. Wer unmittelbar hinter dem Zielstrich in die Gesichter der „Finisher“ schaute – so werden die Läufer bezeichnet, die nicht vorzeitig aufgeben müssen –, hatte das Gefühl: Sie schienen sich alle als Sieger zu fühlen. Die Überwindung des „inneren Schweinehunds“ oder die Verbesserung der eigenen Bestzeit waren die Währung, in der der persönliche Erfolgslohn gezahlt wurde.

Der Grad der Zufriedenheit und des jeweiligen Glücks war jedenfalls nicht immer daran zu messen, auf welcher Position der Läufer gelandet war. „Ich hätte gern erneut gewonnen“, sagte zum Beispiel der Marathon-Zweitplatzierte Oliver Sebrantke vom LC Hansa Stuhr. Der 36-Jährige hatte im Vorjahr klar triumphiert, sich gestern aber vergeblich an die Fersen von René Jäger zu heften versucht. Der Mann des Garbsener SC präsentierte sich derart entschlossen und fit, dass Sebrantke trotz aller Bemühungen nicht mehr aufschließen konnte. Kurios dabei der Eindruck des Siegers: „Auf den letzten Kilometern bin ich ein bisschen eingebrochen.“ Es war ein zeitlicher „Einbruch“, in dem er dem Zweiten weitere Sekunden abnehmen konnte.

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„Das war ’ne Superleistung von René“, brachte es Sebrantke auf den Punkt. Und allmählich stellte sich auch bei ihm Freude ein – Freude darüber, dass er erstmals in seiner langen Läuferkarriere einen Lauf unter 2:30 Stunden beendet hatte. In 2:29:20 Stunden war er sechseinhalb Minuten schneller als bei seinem Erfolg 2011. „Es waren äußerlich die besten Bedingungen, die ich hier vorgefunden habe“, sagte der Mann, der sieben der bisherigen acht Läufe mitgemacht hatte.

Die Schattenseite des Laufsports

Dass Marathon unabhängig von der Platzierung auch Leiden verursachen kann, verdeutlichte ausgerechnet der Marathon-Dritte, Christoph Mahr: Kreidebleich und nahe an einem Kreislauf-Kollaps, sank der 23-Jährige zu Boden. „Vielleicht bin ich die erste Hälfte zu schnell gelaufen“, rätselte er noch eine Stunde später nach der Siegerehrung über seinen erkennbaren Einbruch. Im Vorjahr hatte er verletzungsbedingt monatelang pausieren müssen, vielleicht fehlte nun noch die Substanz, um das eingeschlagene Tempo zu halten. Die letzten zehn Kilometer quälte er sich sehr. „Vorsichtshalber habe ich gar nicht mehr auf meine Uhr geschaut.“ Mahr musste Sebrantke folglich ziehen lassen, lief aber trotzdem mit glatten 2:34 Stunden Bestzeit. Noch schöner für ihn: „Ein Platz auf dem Treppchen war mein Ziel.“ Sprach’s – und machte sich auf den Weg zu seinem nächsten Ziel: eine heiße Badewanne.

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Für Bremer Verhältnisse herausragend waren auch die Ergebnisse bei den Frauen: Geradezu locker lief Gaby Andres vom TV Nidrum ins Ziel, strahlend – und natürlich mit Bestzeit. Nach 2:55:33 Stunden hatte sie unerwartet sogar das Familienduell gegen ihren Ehemann gewonnen. „Ich hatte wohl den besseren Tag erwischt.“ Parallele zu den Männern: Auch Vorjahressiegerin Frauke Fichtner wurde diesmal Zweite. „Super gelaufen“, sagte die Verdenerin im doppelten Wortsinn. Denn in 3:01:47 Stunden lief auch sie Bestzeit, obwohl sie schon auf den ersten Kilometern wegen einer Kastanie böse umgeknickt war. Zumindest während des Laufes sollte ihr der Fuß jedoch keine Probleme bereiten.

Während die Langstreckler den phasenweise heftigen (Gegen-)Wind verfluchten, waren die Zehn-Kilometer-Läufer so flink unterwegs wie noch nie in Bremen. In sagenhaften 28:58 Minuten triumphierte mit Jarkko Jarvenpaa ein finnischer Spezialist und Meister, der sich erst am Vortag zur Teilnahme entschlossen hatte und, so man sie so nennen darf, die ärgsten Verfolger, Geronimo von Wartburg (LGK Verden/ 31:17) und Dominic Diekmann (LG Bremen-Nord/34:18), ebenfalls zu tollen Zeiten zog.

Ein Video vom Marathon und viele weitere Informationen gibt es auf unserer Sonderseite. Alle Infos zum Zehn-Kilometer-Rennen des 8. SWB-Marathons in Bremen gibt es hier.

Ergebnisse Marathon (Männer):

1. Rene Jäger (Garbsener SC) 2:28,37 Stunden
2. Oliver Sebrantke (LC Hansa Stuhr) 2:29,20
3. Christoph Mahr (LG Bremen-Nord) 2:34,00

Ergebnisse Marathon (Frauen):

1. Gaby Andres (TV Nidrum) 2:55,33 Stunden
2. Frauke Fichtner (LG Kreis Verden) 3:01,47
3. Ines-Kerstin Rahmlow (Intro Wolfsburg) 3:05,46

Ergebnisse Halbmarathon (Männer):

1. Jan Oliver Hämmerling (TSG Bergedorf) 1:09,47 Stunden
2. Stephan Immega (LG Harlingerland) 1:09,53
3. Christian Kalinowski (LG Eichsfeld) 1:13,31

Ergebnisse Halbmarathon (Frauen):

1. Katrin Kreil (Hannover 96) 1:23,07 Stunden
2. Manuela Sporleder (TuS Germania Schnelsen) 1:24,40
3. Friederike Austein 1:24,54

Die kompletten Ergebnis-Listen finden Sie im Laufe des Montags an dieser Stelle.

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