Interview mit Oliver Sebrantke Jubel im Zwei-Jahres-Rhythmus

Bremen. Das schöne Gefühl, auf dem Bremer Marktplatz als Erster über die Ziellinie zu laufen, kennt Oliver Sebrantke mittlerweile zur Genüge. Im Interview spricht Sebrantke darüber, warum ihn das Sieg-Triple in Bremen selbst überrascht hat.
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bremen. Das schöne Gefühl, auf dem Bremer Marktplatz als Erster über die Ziellinie zu laufen und den Beifall der Zuschauer entgegenzunehmen, kennt Oliver Sebrantke mittlerweile zur Genüge. Der Langstrecken-Spezialist des LC Hansa Stuhr ist ein echter Wiederholungstäter. Nach 2009 und 2011 hat er jetzt den SWB-Marathon zum dritten Mal gewonnen. Warum ihn das Triple selbst überrascht hat, verrät Sebrantke im Gespräch mit Jens Hoffmann.

Herr Sebrantke, Ihr neuerlicher Sieg beim Bremen-Marathon war deutlich. Immerhin hatten Sie im Ziel rund vier Minuten Vorsprung auf Ihren ärgsten Rivalen Klaus Eickel. Kann man von einem souveränen Erfolg sprechen?

Oliver Sebrantke: Das sieht vielleicht auf dem Papier so aus. In Wirklichkeit aber habe ich mir mit Klaus Eickel bis Kilometer 30 einen harten Kampf geliefert. Dann habe ich den Druck etwas erhöht und bin an ihm vorbeigezogen. Auf den letzten acht Kilometern habe ich das Rennen dann relativ locker nach Hause gelaufen.

Kann man also sagen, dass Ihre Taktik optimal aufgegangen ist?

Ja, das kann man. Ich habe mich am Anfang bewusst geschont, weil ich schon seit einiger Zeit mit Knieproblemen zu kämpfen habe. Das war die richtige Entscheidung. Ich war vor dem Rennen unsicher, was ich überhaupt drauf habe. Insofern hat mich mein Sieg schon überrascht, ich habe zwar darauf gehofft, damit gerechnet aber nicht unbedingt. Aber solche Siege sind dann sowieso die schönsten.

Wie beurteilen Sie die Siegerzeit von 2:31:37 Stunden? Ihr persönlicher Rekord liegt bei 2:29:20 Stunden?

Auf Grund der Voraussetzungen bin ich mit der Zeit sehr zufrieden. Ich muss zugeben, dass ich während des Rennens die ganze Zeit an mein Knie gedacht habe, dass da nichts Schlimmeres passiert. Außerdem hatte ich die Senioren-Weltmeisterschaft in Brasilien im Hinterkopf, an der ich Ende Oktober teilnehmen werde. Für mich ein absolutes Karriere-Highlight, zumal ich noch nie in Südamerika war. Kurzum: Hätte ich diese Gedanken nicht gehabt, wäre ich wohl eine neue persönliche Bestzeit gelaufen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Sie haben Ihre Knieprobleme angesprochen. Was sind das genau für Beschwerden?

Bei mir trifft an einer bestimmten Stelle der Unterschenkelknochen direkt auf den Oberschenkelknochen, dadurch ist diese Stelle permanent gereizt. Die Knochendichte ist dort sehr gering. Der Arzt hatte mir eigentlich eine sechswöchige Laufpause verordnet, aber das kann ich mir in dieser Saisonsituation natürlich nicht erlauben kann. Also gehe ich das Risiko ein, dass etwas brechen könnte, und in Bremen hat sich das ja schon mal ausgezahlt. Ich hoffe, dass auch in Brasilien alles gut geht.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Gibt es noch konkrete Ziele in 2013, abgesehen von der Senioren-WM in Brasilien?

Nein, dieser WM gilt erst einmal mein ganzes Interesse. Am 16. Oktober fliege ich dort hin, Ende Oktober ist dann der Marathon. Danach steht für dieses Jahr nichts mehr an, dann gehe ich in die Winterpause, auch um meine Verletzung auszukurieren. Im Frühjahr 2014 beginnt dann die Marathonsaison von Neuem, und dafür habe ich mir einiges vorgenommen. Ich würde gerne in Wien laufen und möglicherweise auch in Thessaloniki in Griechenland, dem Heimatland meiner Mutter.

Eine ganz andere Frage: Wie haben eigentlich die Läuferinnen und Läufer aus Ihrer Trainingsgruppe bislang abgeschnitten?

Käthe Reichert ist in Berlin gestartet und wollte dort unter dreieinhalb Stunden bleiben, das ist ihr mit einer Zeit von 3:26 Stunden gelungen. In Bremer wiederum ist Markus Hemmelskamp seinen ersten Marathon überhaupt gelaufen. Und dabei hat er gleich zwei Ziele auf einmal erreicht: Zum einen ist er angekommen, was natürlich das Wichtigste ist, zum anderen ist er unter vier Stunden geblieben. Die Resultate von Reichert und Hemmelskamp waren sicherlich die herausragenden.

Zum Schluss eine nicht ganz ernst gemeinte Frage: Sie haben den Bremen-Marathon in den Jahren 2009, 2011 und 2013 gewonnen. Kann man aus dieser Serie ableiten, dass der Sieger im kommenden Jahr nicht Oliver Sebrantke heißen wird?

Da möchte ich mal scherzhaft antworten: Drei Mal ist Bremer Recht, aber ein viertes Mal ist auch nicht schlecht... Ich werde auf jeden Fall versuchen, im kommenden Jahr meine Serie und diesen Zwei-Jahres-Rhythmus zu durchbrechen.

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