Marcus Küster gibt seine langjährige Erfahrung bei der BTS Neustadt weiter Karate - ein Lebensgefühl

Für Marcus Küster ist Karate mehr als nur ein Sport - viel mehr. Denn der 46-jährige Bremer lebt diese fernöstliche Kampfkunst. Was einst im Jugendalter als Hobby begann, ist heute zu einem festen Bestandteil seines Lebens geworden. Und dazu zählt für Marcus Küster eben nicht nur das Karate-Training. Denn auch die japanische Lebensweise und sogar die Sprache gehören für den Schwarzgurtträger mittlerweile ganz selbstverständlich zum Alltag.
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Von Carolin Scholz

Für Marcus Küster ist Karate mehr als nur ein Sport - viel mehr. Denn der 46-jährige Bremer lebt diese fernöstliche Kampfkunst. Was einst im Jugendalter als Hobby begann, ist heute zu einem festen Bestandteil seines Lebens geworden. Und dazu zählt für Marcus Küster eben nicht nur das Karate-Training. Denn auch die japanische Lebensweise und sogar die Sprache gehören für den Schwarzgurtträger mittlerweile ganz selbstverständlich zum Alltag.

Bremen. Die erste Begegnung mit der fernöstlichen Kampfkunst hatte der Bremer vor 33 Jahren. Damals war er Messdiener in der Sankt Johann Gemeinde in Bremen-Mitte. Auf seinem Heimweg kam der 13-Jährige dabei immer an der Sporthalle der Sankt-Johannis-Schule vorbei. Und die Sportart, die darin betrieben wurde, faszinierte ihn so sehr, dass er regelmäßig anhielt, um der Karate-Gruppe bei ihrem Training zuzusehen. Irgendwann sprach ihn dann der Lehrer dieser Gruppe an und meinte, dass er doch nicht zusehen sondern lieber mitmachen sollte. Es dauerte nicht lange, da wurde dieser Trainer auch Marcus Küsters erster Karate-Lehrer. Klaus Humboldt hat Küster schon damals sehr geprägt: "Er hat mich mit diesen wenigen Worten so beeinflusst, dass ich seitdem bei keiner Trainingseinheit mehr gefehlt habe", sagt Marcus Küster.

Seitdem ist die Begeisterung für die fernöstlichen Kampfkünste bei dem heute 46-jährigen Bremer stetig gewachsen. Da ist es irgendwann ein logischer Schritt, sein Wissen auch an Andere weiter zu geben. Marcus Küster hat darüber jedoch nicht bewusst nachgedacht. Vielmehr war es ein Zufall während seines Studiums des Bauingenieurwesens im Jahr 1989. "Der Hochschulsport hat damals dringend einen Karate-Trainer gesucht und mich gefragt, ob ich diesen Job nicht übernehmen will", sagt der gelernte Tischler. Und natürlich wollte er.

Der Weg ist das Ziel

Bei der BTS Neustadt ist Marcus Küster nun schon seit 1998 als Trainer tätig. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen erklärt er dort den Anfängern die Grundregeln des Karate. So zum Beispiel dass das "Do", was übersetzt Weg bedeutet, bei dieser fernöstlichen Kampfkunst das Wichtigste ist. "Denn nur wer bereit ist sein Leben lang zu lernen, kann sich im Karate verbessern", sagt Küster, der im Besitz der B-Prüfer-Lizenz ist. Und obwohl der 46-jährige selbst schon langjähriger Schwarzgurtträger ist und den vierten Dan, also den Grad des technischen Experten besitzt, würde er nie behaupten, dass er alle Kampfkunsttechniken beherrscht. "Das schönste am Karate ist dass man nie aufhört zu lernen", sagt er.

Seine Schüler profitieren heute besonders von seiner langjährigen Erfahrung. Die hat sich Marcus Küster in all den Jahren unter anderem beim Bundestrainer Efthimios Karamitsos und durch Auslandsaufenthalte in der ganzen Welt angeeignet. So war er gleich nach seinem Studium in den Jahren 1993 und 1994 für acht Monate in Tansania in Afrika, um dort bei dem Aufbau eines Klosters mitzuhelfen. "Ich wollte damals unbedingt Kirchen bauen", sagt Küster.

Bald danach brachte ihn seine Arbeit im Brückenbau für drei Monate nach Koge in Japan und für einige Wochen nach New York in die USA. Trotzdem blieb er seiner Sportart auch in diesen Jahren immer treu. Dabei fand er es spannend zu beobachten, wie viel Aufmerksamkeit dieser Kampfkunst in den verschiedenen Ländern zukam.

Während er in Japan sogar mit einer Gruppe gemeinsam trainieren konnte, musste er in Afrika einige Neugierige Blicke über sich ergehen lassen und Aufklärungsarbeit leisten. "In Afrika waren die Menschen sehr fasziniert vom Karate", sagt er, "einmal musste ich sogar in eine Kirche gehen um ein wenig Ruhe zum Trainieren zu finden."

Am meisten beeindruckt ihn jedoch immer noch Japan. Und umso tiefer seine Einblicke in diese Kultur werden, umso faszinierender wird sie für ihn. "Mir gefällt so viel an diesem Land", sagt Küster, "besonders die Höflichkeit der Japaner imponiert mir sehr". Dass seine Lebensgefährtin in eben diesem Land geboren ist, ist allerdings purer Zufall - wie er betont: "Wir haben uns erst nach meiner Zeit in Japan hier in Bremen kennengelernt", sagt er. So ist sein Leben heute ein Mix aus zwei Kulturen: Die Einrichtung in seiner Wohnung und die Gerichte die er kocht, sind sowohl deutsch als auch japanisch. Sogar mit der Sprache fühlt er sich in Japan zu Hause. "Ich kann mich gut im Alltag verständigen", sagt der Bremer.

Zum Abschalten vom Alltag und in den Urlauben geht Marcus Küster am Liebsten Bergwandern. Natürlich zog es ihn auch hierbei wieder nach Japan: Fünf Tage war er auf dem Pilgerweg Kumano Kodo, einem UNESCO-Weltkulturerbe, unterwegs. "Übernachtet habe ich in den verschiedenen Pilgerstätten auf Futons - ganz wie zuhause", sagt Marcus Küster lächelnd.

Und genau diese innere Ruhe und Ausgeglichenheit bekommen im Training auch seine Schüler zu spüren. Sie schätzen an ihm besonders seine ruhige und geduldige Art, die ihnen am Meisten beim Erlernen neuer Bewegungsformen hilft.

Dann widmet sich Marcus Küster jedem seiner Schüler ganz individuell und macht die richtige Bewegung direkt vor. "Ich glaube, dass jeder alles lernen kann - auch Karate", sagt der Bremer. Bei der BTS Neustadt dürfen die Karate-Schüler selbst entscheiden ob sie an Wettkämpfen teilnehmen möchten oder nicht. Küster selbst ging früher bei einigen kleinen Turnieren an den Start.

Mit einer Ausnahme: 1996 hat er sich auf der großen Bühne, bei den offenen japanischen Meisterschaften, bewiesen - und schied in der ersten Runde aus. "Das war aber gar nicht schlimm für mich", sagt Küster, "das was zählt, ist nur das tolle Erlebnis". Wettkämpfe oder Erfolge waren für ihn aber ohnehin nicht so wichtig und spielen heute gar keine Rolle mehr.

Deshalb ist es für ihn auch viel wichtiger, einen niedrigeren Gurt mit Stolz zu tragen, als zu schnell eine hohe Graduierung zu erwerben. Das sind Sätze, die seine Schüler aufbauen und für ihren Alltag motivieren. Denn für Marcus Küster ist Karate eben mehr als nur ein Sport: Es ist ein Lebensgefühl - und ein Weg.

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