Vereinsfusion

Katerstimmung nach geplatzter Fusion

Die gescheitere Fusion der vier Bremer Sportvereine hat Spuren hinterlassen. Auch persönliche Anfeindungen soll es gegeben haben. Zwei Vereine müssen sich nun nach neuen Vorständen umsehen.
24.11.2019, 19:06
Lesedauer: 4 Min
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Katerstimmung nach geplatzter Fusion
Von Felix Wendler
Katerstimmung nach geplatzter Fusion

Seit zwölf Jahren ist Ute Brunzel Vorsitzende bei OT Bremen. Nach der gescheiterten Fusion wird sie ihren Posten abgeben.

PETRA STUBBE

Am Freitagabend passierte in der Mitgliederversammlung von OT Bremen genau das, wovor alle Beteiligten wiederholt gewarnt hatten: die Emotionen kochten hoch. „Es war warm und es war voll“, beschreibt Vorsitzende Ute Brunzel die Atmosphäre. Etwa 300 Mitglieder waren in die Halle in der Waliser Straße gekommen, um über eine Fusion mit der SG Arbergen-Mahndorf und dem TuS Vahr abzustimmen. Die Veranstaltung endete mit einer für die Vorantreiber des Projektes ernüchternden Niederlage – lediglich 66,5 statt der erforderlichen 75 Prozent aller anwesenden Mitglieder stimmten für eine Fusion (wir berichteten).

Nachdem am Donnerstag bereits der ATSV Sebaldsbrück einen Zusammenschluss abgelehnt hatte, war der OT-Entschluss gegen eine Fusion gleichbedeutend mit dem Scheitern des gesamten Vorhabens. Der Vorstand des TuS Vahr, der am Montag als letzter der vier Vereine über den Zusammenschluss hätte abstimmen sollen, verkündete den Mitgliedern per Mail die Absage der Versammlung.

Während der zweieinhalbstündigen OT-Veranstaltung habe eine sehr unruhige Stimmung geherrscht, sagt Brunzel. „Ich habe mich auch persönlich angegriffen gefühlt.“ So habe es Zwischenrufe gegeben, die sie indirekt der Lüge bezichtigt hätten. „Das war teilweise schon unter der Gürtellinie“, sagt Brunzel. Besonders aus den Abteilungen Turnen und Judo sei es wiederholt zu Wortmeldungen gekommen. „Das war eigentlich nichts, was mit der Fusion zu tun hatte“, so Brunzel. Obwohl auch er gegen den Zusammenschluss gestimmt habe, teilt Dieter Weckert diese Meinung. „Einige haben es ein bisschen missbraucht, dass inhaltliche Diskussionen zugelassen waren“, sagt Weckert, der die Tischtennis-Abteilung bei OT leitet. „Ob da jetzt im Judo der Etat 1000 Euro zu hoch oder zu niedrig ist, hat bei so einer Abstimmung nichts zu suchen.“

Persönliche Angriffe findet Weckert unangemessen: „Mein Nein geht nicht gegen den Vorstand, sondern gegen die Fusion.“ Weckert betont, dass die Einbeziehung der Sportler viel zu spät erfolgt sei. Erst am 4. September habe man ihn darüber informiert. Ausschlaggebend für die Ablehnung der Tischtennis-Abteilung sei aber nicht der Zeitpunkt gewesen. „Wir sind da durch das Punktesystem ein Sonderfall“, sagt Weckert. Ein Zusammenschluss würde die Mannschaften komplett durcheinanderwürfeln. Das wäre auch nicht anders, wenn man den Fusionsplan um ein Jahr verschoben hätte, so Weckert.

Ute Brunzel zieht Konsequenzen aus dem Ergebnis der Abstimmung: „So möchte ich nicht weitermachen.“ Wie auch der Vorstand des ATSV, wird sie zur nächsten Wahl im März nicht wieder antreten. Sie fordert nun die Gegner der Fusion auf, Verantwortung zu übernehmen. „Wenn sich jemand meldet, bin ich sofort bereit, eine außerordentliche Versammlung einzuberufen.“ Bisher zeichne sich das aber nicht ab, sagt Brunzel. Sollte auch in den folgenden Monaten niemand Bereitschaft signalisieren, erwäge sie einen Gang zum Registergericht, um sich von ihrem Posten befreien und einen kommissarischen Leiter einsetzen zu lassen. Einfach hinschmeißen werde sie aber nicht, sagt Brunzel. „Dafür ist der Verein zu groß und es hängen zu viele Aufgaben an mir.“ Eine möglichst reibungslose Übergabe des Amtes sei ihr sehr wichtig. An wen diese Übergabe erfolgen könnte, weiß auch Dieter Weckert nicht. Er habe noch keine Namen gehört, die für eine Tätigkeit im OT-Vorstand bereitstünden. In der Pflicht sieht er vor allem die großen Abteilungen.

Auch beim ATSV und dem TuS Vahr stellt sich nach dem Scheitern der Fusion die Frage, wie es weitergeht. Am Freitag hatte Helge Uhing, Leiter der Tischtennis-Abteilung beim ATSV, bestätigt, für einen Posten im neuen Vorstand bereitzustehen. Der aktuelle Vorsitzende, Jens Bunger, wird sein Amt im März aufgeben. Beim TuS Vahr stellt sich Uwe Jacobs nach Absage des Mitgliedervotums für weitere zwei Jahre als Vorsitzender zur Verfügung – das bestätigte er dem WESER-KURIER. Eine Fusion des TuS Vahr mit Arbergen-Mahndorf wäre theoretisch auch ohne die anderen Vereine möglich gewesen, so Jacobs. „Das haben wir schon frühzeitig ausgeschlossen.“ Aufgrund der räumlichen Entfernung der beiden Vereine wäre sonst „der Synergieffekt ad absurdum geführt worden“.

Mit dem Scheitern des Großvereins sei für ihn ein Traum geplatzt, sagt Jacobs. Er ist überzeugt, dass die Abstimmung beim TuS Vahr zu Gunsten einer Fusion ausgefallen wäre. Neue Fusionsgespräche erwartet er für die kommenden zehn Jahre nicht. Ein Vertrauen, wie es zwischen den aktuellen Vorständen existiere, sei sehr schwierig aufzubauen. „Die Zukunft sieht nicht rosig aus“, sagt Jacobs. Der Mitgliederschwund werde in den kommenden Jahren zum Problem werden, befürchtet er. „Sagen wir mal, wir verlieren 30 Leute pro Jahr. Dann wird das in fünf Jahren sehr schwierig, uns zu finanzieren.“ Auch die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Tätigkeit falle zunehmend spärlicher aus, sagt Jacobs, der seit 14 Jahren Vorsitzender des TuS Vahr ist.

Unterstützung findet Jacobs bei Volker Wohlers, der die Judo-Abteilung leitet. Seit Jahren werde der Verein aus dem Umfeld der Tänzer geleitet, während andere große Abteilungen nie Verantwortung übernommen hätten, so Wohlers. Er findet: „Die Turner müssten jetzt mal vorkommen.“ Anders als bei OT Bremen, habe beim TuS Vahr die Judo-Abteilung hinter der Fusion gestanden, sagt Wohlers. Er sei enttäuscht von dem Ergebnis. „Wir müssen uns jetzt erst mal sammeln.“ Der Verein sei überaltert und brauche dringend neue Ideen. „Ansonsten wird es auf jeden Fall bergab gehen“, prophezeit er.

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