Werder Bremens Tischtennis-Team Kaum Zeit zum Feiern

Bremen. Nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft schauen Werders Tischtennis-Teamchef Sascha Greber und Trainer Cristian Tamas schon wieder nach vorne - und basteln an der neuen Mannschaft.
04.06.2013, 05:00
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Kaum Zeit zum Feiern
Von Jörg Niemeyer

Bremen. Im Tischtennis ticken die Uhren einfach anders. Wer beispielsweise im Fußball deutscher Meister wird, hat gute Chancen, am Tag darauf auf dem Rathausbalkon seiner Stadt von den Fans bejubelt zu werden. Als neuer deutscher Meister im Tischtennis musste sich der SV Werder Bremen dagegen sputen, um es wenigstens in kleinem Rahmen ein bisschen krachen zu lassen.

Um 6.30 Uhr hob Montagmorgen in Frankfurt das Flugzeug mit Trainer Cristian Tamas, Teamchef Sascha Greber sowie den Spielern Adrian Crisan und Constantin Cioti Richtung Bremen ab – Chuang Chih-Yuan (Taiwan) und Paul Drinkhall (England) kehrten in ihre Heimat zurück.

Statt auf dem Bremer Rathausbalkon standen Cristian Tamas und Sascha Greber am Montagmorgen in ihrem Sportgeschäft. Die Pflicht rief und nahm keine Rücksicht darauf, dass Trainer und Teamchef des SV Werder in der Nacht zuvor keine Minute geschlafen hatten. Weil die Mannschaft sich kurz nach dem historischen Erfolg in der Fraport-Arena schon wieder in alle Himmelsrichtungen zerstreute, musste sie ihren 3:0-Triumph über die TTF Liebherr Ochsenhausen spontan feiern.

Was offenbar ebenfalls von Erfolg gekrönt war, wie Tamas und Greber durchblicken ließen. "Endlich konnten wir den Druck mal so richtig rauslassen", sagte der Trainer. Zeit zum Feiern stand nach dem grandiosen Finale auf dem Programm – nach einer fast endlos langen Saison mit Olympischen Spielen vor und Weltmeisterschaft nach der Bundesliga-Vorrunde hatte sich Werder diese Party-Nacht redlich verdient.

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Selbst Ochsenhausens Trainer Dubravko Skoric schaffte es nicht mehr, die Laune des neuen Meisters zu vermiesen. Skoric war es in der Pressekonferenz nach dem Finale sichtbar schwergefallen, den Bremern zu gratulieren. Olympiasieger Ryu, so deutete der Coach an, wäre nicht fit gewesen – was den meisten der 2500 Augenzeugen in der Halle allerdings verborgen geblieben war. 2004-Olympiasieger Ryu Seung Min kämpfte gegen Adrian Crisan um jeden einzelnen Punkt, hatte aber das Pech, dass der Rumäne ihn von einer Ecke der Spielbox in die andere scheuchte. Ein Spiel auf Weltklasseniveau, an dem beide Akteure ihren Anteil hatten.

Vielleicht war es den Oberschwaben im Moment der Niederlage auch unangenehm, dass sie schon im Vorfeld des Endspiels Pläne für Feierlichkeiten danach geschmiedet hatten. Trainer Skoric und Tiago Apolonia, dessen 2:3 gegen Constantin Cioti den K.o. der Ochsenhauser besiegelt hatte, erweckten eine halbe Stunde nach dem Finale nicht den Eindruck, dass sie mit ihrer Anwesenheit eine Bereicherung für eine Abschlussfete sein würden. Der Frust saß tief beim Verlierer, der die Bundesliga-Vorrunde als Erster beendet und Werder in den Punktspielen gleich zweimal geschlagen hatte. So abgedroschen der Satz auch ist: Im Augenblick der Niederlage fühlt sich Zweiter sein an wie Letzter sein.

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Während die Werder-Spieler in den kommenden Wochen zumindest ein wenig ausspannen können, herrschte für Sascha Greber und Cristian Tamas gestern schon wieder Alltag. Noch in dieser Woche müssen sie der Tischtennis-Bundesliga ihre Spielplanwünsche mitgeteilt haben. Das heißt: Akribische Durchsicht der nationalen und internationalen Verpflichtungen ihrer vier Spieler. Wenn ein Klub in dieser Hinsicht schlampt, muss er in wichtigen Punktspielen möglicherweise mit Ersatz antreten. Ende Juli wird Tamas seine Spieler dann wieder zum Training bitten. Bis dahin müssen die wesentlichen organisatorischen Angelegenheiten längst erledigt sein.

Fraglich ist, wann Paul Drinkhall nach seiner Hüftoperation wieder spielen kann. "Es wird einige Monate dauern", sagt der 23-Jährige – Genaueres werde man abwarten müssen. Erstmals werden die Werderaner auch nicht als Jäger, sondern als Gejagte in eine neue Saison gehen. "Das Erreichen der Play-off-Runde wie vor dieser Saison kann das Ziel ja nun nicht mehr sein, oder?", wurde Cristian Tamas gefragt. "Alles fängt bei null wieder an – ich sehe uns nicht als Titelfavorit", entgegnete der Coach. Die Gegner könnten das anders sehen, aber angesichts der Ausgeglichenheit der Liga dürften auch 2014 wieder mehrere Klubs für den Titel infrage kommen.

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