Zertifizierung nicht in Sicht

Kein Fahrplan für die Eliteschule des Sports

Weil die Umsetzung vom Haus der Athleten stockt, geht es bei der Zertifizierung für die Schule an der Ronzelenstraße nicht voran
27.05.2020, 06:29
Lesedauer: 3 Min
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Kein Fahrplan für die Eliteschule des Sports
Von Mathias Sonnenberg
Kein Fahrplan für die Eliteschule des Sports

Auch das gibt es an der Schule in der Ronzelenstraße: Seit rund drei Jahren werden Ergometer im Klassenzimmer während des Unterrichts genutzt.

JASPERSEN/dpa

Es hat schon sorglosere Zeiten gegeben für Harald Wolf. Lehrer haben es generell derzeit schwer, all die Unabwägbarkeiten dieser Pandemie zu schultern, aber wer wie Wolf auch noch seinen Schwerpunkt im Sport verortet hat, darf sich gleich doppelt getroffen fühlen. Denn Sport und Schule, das passt gerade nicht so richtig. Wolf ist der Koordinator für Leistungssport in der Schule an der Ronzelenstraße. Dort wird alles dafür getan, dass in absehbarer Zeit eine „Eliteschule des Sports“ entsteht. Aber genau das ist Wolfs Problem: Absehbar ist das derzeit nicht. „Es stimmt uns traurig, dass wir gar keinen Zeitrahmen mehr haben, einen Fahrplan, wie und wann das Projekt umgesetzt werden kann“, sagt Wolf. Und das liegt nicht nur an Corona.

Schon jetzt ist die Schule in Horn eine Lehranstalt, in der viel Wert auf Sport gelegt wird, eine sogenannte Sportbetonte Schule. Die Leistungen bei „Jugend trainiert für Olympia“ sind Jahr für Jahr überragend. Jetzt soll der nächste Schritt erfolgen, es soll eine vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) offiziell anerkannte Eliteschule des Sports werden. Im Herbst 2018 setzte die Schulleitung die Arbeitsgemeinschaft „Eliteschule des Sports“ ein, seitdem erarbeiten Lehrkräfte Konzepte und stehen in engem Austausch mit Vertretern aus Politik und Sport. Klar ist auch: Eine Eliteschule kann nur entstehen, wenn gleichzeitig ein „Haus der Athleten“ ins Leben gerufen wird. „Das ist, Stand jetzt, die Voraussetzung“, sagt Wolf.

Das sieht auch eine Vereinbarung zur Förderung leistungssportorientierter Schülerinnen und Schüler vor, die zwischen dem DOSB, der Sportministerkonferenz und der Kultusministerkonferenz der Länder vereinbart wurde. Nur wenn die in den Handlungsfeldern Schule, Sport und Internat erfüllt wird, kann aus einer Sportbetonten Schule eine Eliteschule des Sports werden. Schon vor 18 Jahren hatte sich die Bundeskonferenz der Eliteschulen auf eine Definition festgelegt. „Eine Eliteschule des Sports ist eine Fördereinrichtung, die im kooperativen Verbund von Leistungssport, Schule und Wohnen Bedingungen gewährleistet, damit talentierte Nachwuchsathleten sich auf künftige Spitzenleistungen im Sport bei Wahrung ihrer schulischen Bildungschancen vorbereiten können.“

Und weil es bei der Planung für das Haus der Athleten, in dem Sportler und Sportlerinnen auch wohnen können, gerade hakt (wir berichteten), ist Wolf nur mäßig zufrieden mit der Entwicklung für die Ronzelenstraße. Man habe gemeinsam mit der Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) alles angeschoben, was möglich gewesen sei. Heißt: es werde im künftigen Lehrplan noch mehr Trainingszeit eingebaut für die fünften bis zehnten Klassen. Behördlich sei alles genehmigt, Schüler und Eltern informiert, auch das Kollegium habe die Pläne abgenickt. „Wir sind eigentlich so weit, um in die neuen Strukturen einzusteigen“, sagt Wolf. Aber jetzt habe er die Befürchtung, dass womöglich so viel Eis auf der Straße liege, dass man noch ins Schlingern gerate. Trotz aller Unabwägbarkeiten will die Schule den Prozess jetzt vorbereiten, der für eine Zertifizierung vonnöten ist.

Eliteschulen gibt es bereits in 14 deutschen Bundesländern. Nur Bremen und Schleswig-Holstein sind ein weißer Fleck auf der Landkarte. An den 43 Eliteschulen werden derzeit mehr als 11 500 Talente gefördert. Die Einrichtungen – 22 in westdeutschen Ländern, 18 in ostdeutschen, drei in Berlin – haben ein Internat und sind an Olympiastützpunkte gebunden. Bei den Olympischen Winterspielen 2018 waren 80 der 154 nominierten Sportlerinnen und Sportler aktuelle (5) oder ehemalige (75) Schüler an diesen besonderen Schulen.

Wolf, der das Projekt jetzt schon sehr lange antreibt, fühlt sich bei der Umsetzung auch aus anderen Gründen unter Druck. „Ich würde nur ungern noch zwei Jahren warte“, sagt er, „dann gehe ich ja schon in Rente.“ Er möchte den Traum von der Eliteschule des Sports gerne noch verwirklicht sehen.

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