Niederlage im Kellerduell

Kein ruhiges Fest: Mainzer Krise immer schlimmer

Der FSV Mainz 05 hat in dieser Saison noch kein Heimspiel gewonnen. Gegen Bremen kassieren die Rheinhessen eine bittere Last-Minute-Niederlage. Die sportlichen Sorgen im Abstiegskampf werden immer größer.
20.12.2020, 11:26
Lesedauer: 2 Min
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Der Trainer wirkt angeschlagen, der Sportchef frustriert, und die Spieler machen sich gegenseitig Vorwürfe. Die sportliche Krise beim FSV Mainz 05 wird immer schlimmer - von einem besinnlichen Weihnachtsfest kann beim Tabellenvorletzten der Fußball-Bundesliga keine Rede sein.

„Man hat das Gefühl, dass nicht jeder weiß, worum es hier geht“, schimpfte Abwehrspieler Alexander Hack nach dem bitteren 0:1 (0:0) im Kellerduell gegen Werder Bremen. „Wir sind im Abstiegskampf. Jeder muss sich in der Winterpause klar machen, was das für den Verein bedeutet. Keiner möchte in die 2. Liga. Das muss sich jeder bewusst machen und eine andere Einstellung an den Tag legen.“

Nur sechs Punkte aus 13 Spielen haben die Rheinhessen geholt - die bisher schwächste Ausbeute in der Vereinsgeschichte. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt bereits vier Zähler. Es droht der erste Abstieg seit 14 Jahren, als die 05er unter Kult-Coach Jürgen Klopp zum bisher einzigen Mal die Klasse nicht halten konnten. „Wir dürfen uns nichts vormachen, es war bis hierhin definitiv zu wenig“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder. „In der Form wird es in der Bundesliga sehr schwer.“

Trainer Jan-Moritz Lichte, der das Amt im September nach der Trennung von Achim Beierlorzer übernommen hatte, scheint mit der prekären Situation überfordert zu sein. Der 40-Jährige flüchtete sich nach dem erneuten Tiefschlag in Durchhalteparolen. „Wir müssen die Balance zwischen Defensive und Offensive besser hinbekommen“, verkündete Lichte.

Gegen die zuvor neun Spiele in Serie sieglosen Bremer, für die der 19-jährige Bundesliga-Debütant Eren Dinkci in der 90. Minute nur 262 Sekunden nach seiner Einwechslung traf, fehlte es nicht nur daran. „Wir waren nicht gallig genug. Die elementaren Dinge, die uns stark machen, gegen den Ball zu arbeiten und dann offensiv umzuschalten, die waren nicht ausreichend, um das Spiel gewinnen zu können“, stellte Hack fest. „Jeder muss sich hinterfragen, ob er in jeder Situation zu hundert Prozent da war. Ich glaube, das waren wir nicht.“

Wie der Abwehrspieler vermisste auch Schröder den unbedingten Willen, das eminent wichtige Duell für sich zu entscheiden. „In der zweiten Halbzeit hat sich das Gefühl, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollen, verflüchtigt“, kritisierte der 45-Jährige. „Das ist absolut enttäuschend und gilt es, anzusprechen. Wir werden Zeit brauchen, die Situation zu verarbeiten, und können das nicht so stehen lassen.“

Die zentrale Frage lautet: Ist Lichte der richtige Mann, um die Mainzer erfolgreich durch den Abstiegskampf zu führen? Im DFB-Pokal gegen den VfL Bochum an diesem Mittwoch wird er mit Sicherheit wieder auf der Bank sitzen - doch was kommt dann? Lichte selbst blendet das Thema aus. „Ich mache mir wenig Gedanken, was mit mir passiert“, sagte er und fügte hinzu: „Ich bin nicht zufrieden mit der Punktausbeute und versuche, daran zu arbeiten und die Dinge besser zu machen.“

© dpa-infocom, dpa:201220-99-761235/2 (dpa)

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