Weil freiwillige Helfer fehlen

Kein African-Cup in diesem Sommer

Organisator Tala Awolala sagt das Turnier überraschend ab – und das liegt nicht mal an Corona. Neuauflage für 2021 geplant.
06.04.2020, 05:56
Lesedauer: 3 Min
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Kein African-Cup in diesem Sommer
Von Mathias Sonnenberg

Für die Ängstlichen in dieser Stadt hat Tala Awolala eine ziemlich klare Nachricht. „In Afrika haben wir viele Dinge erlebt und überlebt“, sagt er. „Und ich bin mir sicher: Wir schaffen das jetzt auch in Bremen.“ Es geht, wie soll es auch anders sein in diesen Tagen, um Corona. Awolala ist 64 Jahre alt, hat vor 32 Jahren seine Heimat Angola verlassen und ist an der Weser heimisch geworden. Der „Chief“, wie sie ihn hier nennen, ist erster Vorsitzender des Pan-Afrikanischen Kulturvereins und als solcher auch verantwortlich für eine Veranstaltung, auf die sich jedes Jahr ziemlich viele Menschen freuen – den African Football-Cup. Doch in diesem Jahr haben sie sich zu früh gefreut, denn das Fußballturnier ist abgesagt. Nicht wegen Corona, sondern eigentlich mangels freiwilliger Helfer.

Offiziell hat der Verein das so verkündet: „Aus aktuellem Anlass ist eine Durchführung des Fußball-Turniers in der Größenordnung weder vernünftig und noch darstellbar.“ Klingt wie eine von diesen Absagen, wie es sie jetzt zuhauf gibt. Aber das Turnier, das meist von Mitte Juli bis Mitte August auf den Sportplätzen von Buntentor auf dem Stadtwerder und in der Pauliner Marsch gespielt wurde, wäre in diesem Jahr auch ohne Pandemie abgesagt worden. Denn Awolala hat zuletzt nicht mehr die Unterstützung bekommen, die er für solch eine große Veranstaltung benötigt. „Ich bin enttäuscht, dass viele zu den Spielen kommen und dann wieder nach Hause gehen. Engagieren, nein, das wollen viele nicht.“ Und deshalb habe er das Turnier für 2020 abgesagt.

Keine leichte Entscheidung, denn der African Football-Cup ist ja kein kleines Turnier. Im vergangenen Jahr ehrte mit Carsten Sieling der damalige Bürgermeister den Sieger. Das Budget für die Veranstaltung 2019 lag bei 21 000 Euro, davon übernahm der Beirat Östliche Vorstadt 3000 Euro, 500 Euro kamen vom Bremer Fußball-Verband (BFV). Der stellte auch wieder die Schiedsrichter, denn nach Ausschreitungen bei Spielen hatte der BFV zeitweise seine Unparteiischen abgezogen. Auch Werder Bremen beteiligte sich und und stiftete 50 Freikarten für Bundesliga-­Heimspiele. Und Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald schaute selbst vorbei, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Er stufte das Niveau einiger Spiele auf Regionalliga-Niveau ein. Und es ist ja nicht so, dass nicht auch schon Bundesliga-Prominenz auf den Plätzen kickte. Karim Bellarabi etwa, jetzt bei Bayer Leverkusen unter Vertrag und auch schon Nationalspieler, wuchs in Bremen auf und spielte für Marokko beim African-Cup. Oder Bakery Jatta, der 2015 von Gamabia nach Bremen flüchtete und dann Karriere beim Hamburger SV machte. Das Turnier steht also nicht nur für Spektakel, sondern auch sportliche Leistungen.

All das wird es in diesem Sommer nicht geben. Awolala sagt, dass er schon im letzten Jahr im kleines Kreis gesagt habe, dass die Fortführung des Turniers nicht gesichert sei. „Ich bin auch älter geworden, ich möchte, dass die Jugend mehr Verantwortung übernimmt.“ Der Pan-Afrikanische Kulturverein wollte deshalb mit einem Tag der offenen Tür im Überseemuseum Werbung für den Football-Cup im speziellen und den Verein im allgemeinen machen. Doch daraus wird nun nichts, alle Museen sind dicht, die Veranstaltung, geplant für den 25. April, längst abgeblasen. das sei schade, findet Awolala, „wir hatten uns ein spannendes Programm für alle Interessierten überlegt zu unserer umfangreichen Vereinsarbeit“. Er stehe aber mit allen Mitwirkenden im Kontakt, sobald es die Lage zulasse, werde ein neues Datum ausgesucht.

Den African Football-Cup gibt es seit 2005. Dort treffen Hobby-Mannschaften aufeinander, die Spieler kommen größtenteils aus Afrika und repräsentieren ihre Herkunftsländer. 2019 hatten 16 Mannschaften gemeldet, am Ende siegte Sierra Leone gegen Kamerun. Schon damals konnte aber jedes Team bis zu drei Spieler aufstellen, die nicht auf Afrika stammen. „Wir wollen bei diesem Turnier ja unsere Kultur vermitteln“, sagt Awolola. Überhaupt möchte er den Cup für mehr Mannschaften öffnen, „ich wünsche mir, dass auch Deutsche kommen oder Chinesen“. Denn die Veranstaltung habe ja auch eine politische Dimension. „Wir betreiben hier Integrationsarbeit und wollen weiter gegen Rassismus kämpfen. Ich will nicht, dass alle immer denken, dass Afrikaner nur Drogendealer sind.“

Und wie geht's jetzt weiter? Tala Awolala will 2021 einen neuen Anfang wagen. „Es gibt ja keinen echten Grund zu sagen, dass es mit dem African-Cup nicht weitergeht.“ In diesem Sommer gehe es jetzt darum, wieder Freiwillige für die Veranstaltung zu finden. Er sei da ganz optimistisch, sagt Awolala. „Es haben schon die ersten Spieler angerufen, die ihre Mannschaften für nächstes Jahr melden wollten.“ Sorge bereite ihm jetzt eher der Sommer, „der wird sehr, sehr langweilig“.

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