Sportler weiter in Wartestellung Nächste Stufe Stillstand

Der 22. März sollte der Tag werden, an dem weitere Lockerungen für den Bremer Amateursport in Kraft treten. Stattdessen befindet sich der Stufenplan Sport im Status Wiedervorlage. Wie findet das der Sport?
20.03.2021, 05:00
Lesedauer: 7 Min
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Von Olaf Dorow, Jörg Niemeyer und Stefan Freye

Bremens Sportlerinnen und Sportler hatten sehr gehofft, dass es ab kommenden Montag weitere Lockerungen für sie geben würde. Doch der Stufenplan, am 4. März verkündet, ist am Dienstag dieser Woche erst einmal ausgesetzt worden, weil der Bremer Senat vor der nächsten Änderung der Corona-Verordnung das Treffen der Ministerpräsidenten der Länder mit der Bundeskanzlerin am 22. März abwarten möchte. Die Reaktionen aus der Sportszene reichen von Erwartbarkeit der Entscheidung bis zum Unverständnis über sie, weil die Inzidenzzahlen in dieser Woche zwar einen klaren Trend nach oben zeigten, aber nicht über 100 gestiegen sind. Nachgefragt bei...

Andreas Vroom, LSB-Präsident

Der Präsident des Landessportbunds Bremen (LSB) hat kein Verständnis für die Entscheidung des Bremer Senats. „Auch ich schaue jeden Tag mit Sorge auf die neuesten Inzidenzwerte“, sagt Andreas Vroom, „aber welchen Sinn hat der Stufenplan, in dem klare Regelungen formuliert sind, wenn er nun ausgesetzt wird?“ Mühsam hätten sich alle Seiten auf den Stufenplan geeignet. Der sollte, so Vroom, eigentlich in beide Richtungen funktionieren – also in der Weise: Bei einer Inzidenz von mehr als 100 folgt die Rückkehr in den Zustand von vor dem 8. März, ansonsten die Beibehaltung der Schritte, wie sie im Stufenplan vorgesehen sind. Vroom vermisst bei der Entscheidung des Bremer Senats am Dienstag die schlüssige Begründung. Einziges Ereignis von Bedeutung sei für ihn in den vergangenen zwei Wochen das Aussetzen von Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff gewesen. Vroom räumt aber ein, dass die Lage für die Entscheidungsträger sehr schwierig ist. „Verlässlichkeit gibt es derzeit nicht“, sagt er und ist froh, dass der Sport zumindest nicht komplett untersagt ist. Vroom hält an seinem größten Wunsch fest: „Ich würde es begrüßen, wenn wir, unabhängig von den Inzidenzzahlen, auf Außenplätzen kontaktfrei nicht nur mit bis zu 20 Kindern, sondern auch wieder in Gruppen mit bis zu zehn Erwachsenen Sport machen dürften.“

Meentje Otto, Bremen 1860

„Seit Wochen haben wir mehrere Pläne in der Hinterhand“, sagt Meentje Otto, Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle von Bremen 1860. Die Klubverantwortlichen halten engen Kontakt zu den Übungsleitern und haben in den vergangenen Tagen erst einmal abgewartet, wie sich die Lage entwickelt – und keine Vorkehrungen getroffen, um beispielsweise Schnelltests zu beschaffen. Mit denen hätte bei entsprechender Inzidenzzahl die nächste Stufe des Stufenplans betreten werden können. „Aus logistischen Gründen und wegen der Kosten haben wir von Bestellungen Abstand genommen“, sagt Meentje Otto. Sie findet die Entscheidung, erst einmal keine weiteren Lockerungen zuzulassen, nicht überraschend und „absolut richtig“. Auch sie spricht sich dafür aus, Erwachsene wieder in größeren Gruppen im Freien trainieren zu lassen. „Die augenblickliche Praxis ist für mich nicht ganz logisch.“ Laut Meentje Otto erleichtert ein Stufenplan die Planungen eines Vereins nicht. Es sei zwar schön zu sehen, wohin die Reise gehen könnte, aber man müsse auf mehrere Faktoren achten, weil die im Plan genannten Inzidenzzahlen unterschiedliche Szenarien nach sich zögen. So bleibt es bei 1860 bis auf Weiteres beim Outdoor-Angebot für die Kinder und bei den Online-Übungseinheiten. Und beim reduzierten Indoor-Programm. „Da sind wir von morgens bis abends ausgebucht“, sagt Otto.

Stephan Oldag, Schwimm-Präsident

Sie hoffen wieder. Und sie bangen wieder. Es bestand bis zum vergangenen Montag die Aussicht, dass ab dem kommenden Montag Kinder unter 14 Jahren zum Schwimmenlernen oder zum Training in die Bäder dürfen. Ehe der Senat das doch nicht beschloss und die Entscheidung vertagte. Nächste Hoffnung: Es wird ab 29. März erlaubt. Nächstes Bangen: Die Inzidenz steigt über 100, und es wird nicht erlaubt. Oder in der Kanzlerrunde mit den Länderchefs wird ein andere Weg eingeschlagen. Oder halt im Bremer Senat. Was tun? Bremens Schwimm-Präsident Stephan Oldag sagt: "Wir bereiten alles für den 29. März vor." Für das logistisch aufwändige Unterfangen, möglichst schon in den Osterferien möglichst vielen Kindern das Schwimmen beizubringen, sei vom Senat finanzielle Unterstützung signalisiert worden. Etliche Vereine hätten inzwischen ihre Bereitschaft erklärt, mitzumachen beim Projekt Schwimmabzeichen. "Die größte Problematik", sagt Oldag, "besteht für mich darin, dass die Ausbilder sehr nah an den Kindern sein müssen. Schwimmenlernen erfordert Kontakt, das Virus erfordert Kontaktvermeidung. Man müsste da, sagt der Schwimm-Funktionär, mal über eine Einstufung in frühere Impfgruppen nachdenken. Analog zu den Lehrern und Erziehern.

Britta Richter, TV Eiche Horn

Sie hatten sich das schon gedacht. Na klar, alle vermissen ihren Sport und das Team-Gefühl dabei, sagt die Trainerin und Abteilungsleiterin in der Volleyball-Sparte des Horner Vereins. Aber wenn die Gesamtsituation nicht mehr hergebe? Dann müsse man weiter warten. Die Hallensaison wurde in den Klassen unterhalb der Bundesliga längst ad acta gelegt. Was den Ligabetrieb anbelangt, herrsche kein besonderer Zeitdruck, sagt Britta Richter. Im Vergleich zu reinen Indoor-Sportarten haben die Volleyballer eine ganz reizvolle kurzfristige Aussicht mit dem Blick auf Frühling und Sommer. „Wir hoffen, dass wir bald die Beachfelder herrichten und vielleicht nach Ostern in kleinen Gruppen trainieren können“, sagt Britta Richter. Beachvolleyball komme gerade bei Kindern und Jugendlichen sehr gut an. Im Rahmen des Erlaubten werde bereits jetzt neben den Online-Treffen drinnen zu zweit oder draußen in kleineren Gruppen geübt. Die Motivation sei weiterhin da, sagt Britta Richter. In der Volleyball-Abteilung des TV Eiche Horn hätte es bislang keine einzige Abmeldung gegeben.

Training nach Test? Skepsis im Fußball

Das Warten geht weiter: Ein möglicher Trainingsstart der Bremer Amateurfußballer am Montag ist vom Tisch. „Wir können auch die Zahlen lesen“, sagt Björn Fecker. Der Präsident des Bremer Fußball-Verbandes (BFV) hat angesichts steigender Inzidenzen durchaus Verständnis für die Zurückhaltung der Politik. Als Fraktionsvorsitzender der Grünen ist er ja auch noch ein bisschen näher dran am Geschehen in Bremens Rathaus und Bürgerschaft. „Wir müssen die Entscheidungen nun abwarten“, so Fecker.

Ihm ist vermutlich auch ganz recht, dass erst einmal keine Rolle mehr spielt, was vermutlich zu einigen Diskussionen geführt hätte. Denn Voraussetzung für einen Wiedereinstieg bereits am 22. März wären ursprünglich „tagesaktuelle Schnell- oder Selbsttests“ gewesen. Erst ab dem 5. April hätte darauf verzichtet werden sollen. Es drängten sich also in der Kicker-Szene einige Fragen auf: Wer bezahlt die Tests und woher kommen sie? Wer führt sie durch und wie wird das alles organisiert?

Allein in Bremen hätten rund 500 Fußballmannschaften theoretisch starten können. Je nach Einkauf – den günstigsten Test soll es bei entsprechender Abnahme für gut drei Euro geben – wären pro Team und Trainingseinheit also Kosten von rund 50 Euro entstanden. Vorausgesetzt, ein Verein bekommt die Tests überhaupt, zahlt tatsächlich einen niedrigen Preis und es nehmen insgesamt lediglich 15 Spieler und Trainer teil. „Man darf den Vereinen in der Krise nicht zusätzliche Kosten aufbürden“, sagt Björn Fecker.

Der derzeit ebenfalls in Finanznöten befindliche Bremer Fußball-Verband könnte die Gesamtkosten – in zwei Wochen würde eine sechsstellige Summe fällig werden – auch nicht stemmen. Die Tests mögen also eine gute Idee sein. Sie würden aber zu einer allgemeinen Belastung werden. Es ist deshalb wohl kein Zufall, dass die ursprüngliche Senatsvorlage für eine Entscheidung in dieser Woche mit keinen Wort irgendwelche vorgeschalteten Tests erwähnt hatte. Offenbar weiß man in der Bremer Politik längst, welche Herausforderungen mit ihrer Beschaffung und der Finanzierung verbunden wäre – und zwar für alle betroffenen Sportler, nicht nur die Fußballer des Bundeslandes.

Auch die Vereine hatten sehr zurückhaltend auf die Möglichkeit vom „Training nach Test“ reagiert. „Das ist keinem zuzumuten, wir machen diese Tests nicht“, betonte Wilco Freund. Der Trainer des Habenhauser FV sah neben den finanziellen auch organisatorische Probleme auf den Bremen-Ligisten zukommen. Zudem hat der Trainer eine deutliche Veränderung festgestellt: „Die Jungs sind viel sensibler geworden und jetzt sehr vorsichtig.“

Für Wilco Freund ergaben sich daraus Zweifel an der allgemeinen Motivation seines Teams. Zumal derzeit ja auch keineswegs feststeht, ob und wann gestartet wird. Ähnlich sieht es Christof Frankowski, Abteilungsleiter des TuS Schwachhausen: „Ich glaube auch, dass die Spieler sensibler sind als noch vor Monaten. Wir sollten die Saison jetzt abbrechen und im August wieder starten.“

Für Frankowski stand auch schnell fest, dass der TuS nicht mit Tests arbeiten würde. Er hat einen anderen Vorschlag: „Man müsste mal die hinterfragen, die sich so einen Quatsch ausdenken.“ Der Bremer SV gab sich in Person von Ralf Voigt dagegen einigermaßen offen für die Arbeit mit Corona-Tests. „Wenn das möglich wäre, würden wir es in Erwägung ziehen“, sagt der Sportliche Leiter des Bremen-Liga-Zweiten. Für ihn gilt nach wie vor: „Man muss alles tun, damit wir Fußball spielen können.“

Info

Zur Sache

Der verschobene Plan

Ursprünglich sollten am vergangenen Dienstag auf einer Sitzung des Bremer Senats weitere Lockerungen für den Amateursport beschlossen werden. Ab dem 8. März war im Freien wieder Training mit bis zu 20 Kindern unter 14 Jahre erlaubt, ab dem 22. März sollten auch alle anderen in Zehnergruppen üben dürfen. Im Gespräch waren sogar 20er-Gruppen. Schwimmtraining und Schwimmlern-Kurse für Kinder sollte ab kommenden Montag ebenfalls gestattet werden. Für den 29. März waren weitere Lockerungen - bei stabilen Inzidenzzahlen - angedacht. Unter anderem sollte Sport im Freien ohne Beschränkungen erlaubt werden. Mit Blick auf steigende Zahlen verschob der Senat eine Entscheidung und will zunächst die nächst Kanzlerrunde mit den Ministerpräsidenten abwarten

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