Beachvolleyball

Die Tränen von Timmendorf

Die Bremer Beachvolleyballerin Kim Behrens verpasst nur knapp das DM-Finale – und wird unter Umständen für die EM in der kommenden Woche in Lettland nachnominiert.
08.09.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Die Tränen von Timmendorf
Von Olaf Dorow
Die Tränen von Timmendorf

Bronze gewonnen, Halbfinale verloren: Kim Behrens (links) mit ihrer Partnerin Cinja Tillmann am Ende der Deutschen Meisterschaften am Timmendorfer Strand.

Frank Molter/dpa

Auf dem Siegerpodest hatte es Tränen gegeben. Und anschließend hatte es auch eine Berichterstattung darüber gegeben. Die Bremer Beachvolleyballerin Kim Behrens war am Timmendorfer Strand mit ihrer Partnerin Cinja Tillmann wie im Vorjahr Dritte der Deutschen Meisterschaften geworden. Und hatte geweint auf dem Podest. Tags darauf war unter beach-volleyball.de zu lesen, warum. Beziehungsweise: warum vielleicht; es wurde von beach-volleyball.de als Gerücht tituliert: Die Tränen könnten deswegen geflossen sein, weil es womöglich der letzte gemeinsame Auftritt des Duos war. Kim Behrens habe nämlich mit ihrem Verlobten Steven van de Velde in Holland eine Wohnung gekauft, sie werde wohl bald dorthin ziehen.

„Quatsch“, sagte Kim Behrens dazu. Der Wohnungskauf, der schon lange zurückliege, habe nix mit einer bevorstehenden Trennung zu tun. Auch ihre Tränen von Timmendorf seien keine Trennungstränen gewesen, eine Trennung sei derzeit auch gar kein Thema. Vielmehr habe sie deswegen geheult, weil es einerseits zwar schön war, dass sie eine Medaille erkämpfen konnte, andererseits aber wie im Vorjahr ganz knapp das Finale verpasst hatte. „Es war zum Greifen nah“, sagte Behrens, deswegen sei sie „emotional berührt“ gewesen. Behrens/Tillmann hatten sich im Halbfinale erst im Tie-Break beugen müssen, als die Olympiasiegerin und Weltmeisterin Laura Ludwig gemeinsam mit Maggie Kozuch schließlich den dritten Satz mit 15:13 gewann. Im zweiten Satz hatten Behrens/Tillmann 21:15 gesiegt.

Dass sie im Spiel um Platz drei gegen das Nationalteam Victoria Bieneck/Isabel Schneider kampflos siegten, war für die emotionale Situation während der Siegerehrung ebenfalls nicht die beste aller möglichen Voraussetzungen. Bieneck/Schneider, von Behrens/Tillmann in der Vorrunde besiegt, hatten kurzfristig zurückgezogen, vermutlich aus Verletzungsgründen. Im Viertelfinale hatten Behrens/Tillmann ein weiteres Nationalteam geschlagen. Sie hatten gegen Karla Borger und Julia Sude den ersten Satz gewonnen und im zweiten mit 13:11 vorn gelegen, als Borger/Sude verletzungsbedingt aufgaben.

Weil Borger/Sude am Montag ihren Verzicht auf eine EM-Teilnahme in der kommenden Woche verkündeten, ändert sich die kurzfristige sportliche Perspektive für Cinja Tillmann und Kim Behrens, die als freigestellte Polizistin neuerdings für den Blaubär TSV Flacht antritt. Für die Europameisterschaften, die am kommenden Dienstag in Jurmala, Lettland beginnen, werden Behrens/Tillmann vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) womöglich nachgemeldet. Formale Voraussetzung dafür, sagt DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand, sei ein ärztliches Attest des Teams Borger/Sude. Sollte es vorliegen, würde der Verband handeln und an Behrens/Tillmann herantreten. „Wenn sie wollen, melden wir sie nach“, sagte Hildebrand am Montagnachmittag. Man darf das Wollen voraussetzen, am Vormittag hatte Kim Behrens gesagt, sie und ihre Partnerin würden sich bereithalten für den Fall, dass sie nachgemeldet würden.

Die Sache mit der EM-Nominierung hat insofern eine quasi automatisch entstehende Brisanz, weil der DVV und das Team Behrens/Tillmann sich in einem Rechtsstreit befinden. In welchem es eben genau um die Nominierungspraxis des Verbandes für internationale Turniere geht. Die beiden Spielerinnen klagen dagegen, dass der DVV andauernd seine Nationalteams vorziehe und sie abmelde. Obwohl sie in den Ranglisten teilweise besser dastehen würden. Hildebrand legt Wert darauf, dass er Behrens/Tillmann ja nicht von sämtlichen Turnieren abgemeldet habe – und auch kein Problem damit habe, das Duo jetzt für die EM zu melden. Kurz nach dem Ende der EM in Lettland endet dann auch die Frist, die das Frankfurter Landgericht für einen Vergleich zwischen den Streitparteien vorgeschlagen hatte.

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