Bremen-Liga

Und der Ball dreht sich doch

Der OSC Bremerhaven empfängt Blumenthal, obwohl die gestellte Corona-Bedingung sich nur ein bisschen erfüllen lässt. Der Konflikt um Spielaustragungen in der Bremen-Liga ist längst nicht beendet.
17.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
Und der Ball dreht sich doch

Wie es ausschaut, wird der Blumenthaler SV, der auf diesem Foto im Duell gegen Hemelingen (blau) zu sehen ist, beim OSC Bremerhaven antreten dürfen.

Christian Kosak

Bremen. An diesem Sonnabend (15 Uhr) wird in Bremerhaven ein Bremen-Liga-Spiel ausgetragen. Im Nordseestadion tritt der heimische OSC gegen den Blumenthaler SV an. Das ist eine bemerkenswerte Nachricht, die auf den ersten Blick gar nicht wie eine solche aussieht. Schließlich läuft die Saison in der höchsten Fußballklasse des Bundeslandes seit einigen Wochen, und so sieht der Spielplan diese Paarung auch seit geraumer Zeit vor. Allerdings: Nach dem Verlauf der vergangenen Tage ist es schon etwas Besonderes, dass der OSC die Blumenthaler empfängt. Die Austragung der Partie hing am seidenen Faden.

Hinter dem sprichwörtlichen Faden verbirgt sich eine komplizierte wie komplexe Geschichte. Sie hat – wie in diesen Tagen nicht unüblich – mit der Corona-Pandemie zu tun und nahm ihren Anfang am vergangenen Sonntag. Da hatte der OSC in Person seines Abteilungsleiters Hajo Böhm nämlich entschieden, auf die Fahrt zum Spiel bei Vatan Sport zu verzichten. Schließlich galt Bremen damals bereits als Risikogebiet. Also besorgte sich Böhm die Rückendeckung durch das Präsidium des Vereins und sagte die Auswärtsspiele von insgesamt vier OSC-Teams in Bremen ab. Wenige Tage später, am Donnerstag, hatte der Abteilungsleiter dann auch ein Hygiene-Konzept für die heimische Anlage am Nordseestadion erstellt. Es sah unter anderen vor, dass Bremer Mannschaften vor einem Spiel auf den betreffenden Plätzen ein Dokument vorzulegen haben: einen negativen Corona-Test, der nicht älter ist als 48 Stunden.

Damit stand hinter der Partie gegen Blumenthal ein dickes Fragezeichen. Wie sollte die Bremer Mannschaft in so kurzer Zeit einen Test absolvieren und darüber hinaus an ein Ergebnis kommen? Das erschien unmöglich. Aber es gibt ja noch den Bremer Fußball-Verband (BFV). Er hatte sich vor der Saison das Recht einräumen lassen, seine Durchführungsbestimmungen in Zeiten von Corona ganz formlos den tatsächlichen Bedürfnissen anpassen zu dürfen – und machte davon in dieser Woche auch Gebrauch. Unter anderen legte der BFV unter Punkt 6 fest, dass er das Heimrecht tauschen kann, „wenn dies aus übergeordnetem Verbandsinteresse“ notwendig ist. Und weil es den Verantwortlichen notwendig erschien, hatten sie sich festgelegt: Unter den Bedingungen des Böhmschen Hygiene-Konzepts wäre die Durchführung der Partie in Bremerhaven unmöglich. „Dann hätten wir das Heimrecht getauscht“, sagt Andreas Kramer, Spielausschussvorsitzer des BFV.

In diesem Fall wäre der OSC also in Blumenthal erwartet worden – und dann hätte sich die Geschichte vom letzten Wochenende womöglich wiederholt. Das war den Verantwortlichen in Bremerhaven natürlich bewusst. „Ich habe deshalb einen Eilantrag ins Präsidium eingebracht“, sagt Björn Böning. Er ist nicht nur Interimstrainer und Sportlicher Leiter des OSC, sondern auch Vizepräsident des Vereins. Sein Eilantrag vor der Sitzung am Donnerstagsabend sah vor, die Partie im Nordseestadion auszutragen, die gegnerische Mannschaft aus Blumenthal aber vor Ort und auf eigene Kosten („Böning: „Wir hoffen auf einen dreistelligen Betrag“) auf Corona zu testen. „Damit ist die Gruppe identifizierbar“, sagt Böning. Soll heißen: Der OSC hat mit der Gruppen-Testung zumindest einen Teil des Hygiene-Konzeptes umgesetzt. Einen überschaubaren Teil, liegen die Ergebnisse doch keinesfalls bis zur Partie vor.

Das schien Hajo Böhm nicht zufrieden zu stellen. „Er ist am Donnerstag vor der Präsidiumssitzung zurückgetreten, und nun aber von seinem Rücktritt zurückgetreten“, teilte Böning am Freitag mit. Vom Abteilungsleiter selbst war am Freitag keine Bestätigung für diese Darstellung zu bekommen. Er war nicht erreichbar. Steffen Dieckermann dagegen schon. „Wenn‘s hilft“, kommentierte der Blumenthaler Trainer die ungewöhnlichen Bedingungen des Spiels. Sein Verein stimmte jedenfalls zu und lässt sich vor dem Duell mit dem OSC auf Corona testen. „Den Sinn verstehe ich allerdings nicht“, sagt Dieckermann. Erschließen würde sich dem BSV-Coach die Maßnahme nur, wenn die „Ergebnisse bis 14.55 Uhr vorliegen“. Das ist sicher nicht der Fall. Aber eine Bedingung hat Steffen Dieckermann: „Ich setze voraus, dass auch jemand vom Gesundheitsamt kommt.“

In dieser Hinsicht kann Björn Böning seinen Kollegen beruhigen: „Wir werden Fachpersonal haben, ich mache es jedenfalls nicht.“ Eine launige Ansage in einer an sich recht ernsten Angelegenheit. Sie wird beherrscht von Corona und deren Auswirkungen, die alle Beteiligten regelmäßig vor ungeahnte Herausforderungen stellen. Aber auch die sportliche Situation des OSC Bremerhaven ist betroffen: Einem Teilnehmer der Bremen-Liga ist lediglich ein zweimaliger Nichtantritt gestattet. Beim dritten Mal wird das Team gestrichen. Es kann also schnell eng werden. „Als Trainer sage ich sowieso: Die Jungs müssen auf den Platz“, betont Böning.

Der Bremerhavener Trainer sagt, er wäre schon zum Spiel bei Vatan gefahren und hätte im Fall eines Heimrechtstausches auch die Fahrt nach Blumenthal angetreten. Dass es nun eine andere Lösung gibt, dürfte die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des OSC nicht beenden. Die Diskussionen um den Fußball in Zeiten von Corona schon mal gar nicht.

Info

Zur Sache

Zwei Bremen-Liga-Spiel abgesetzt

Die SFL Bremerhaven teilt die Sorgen des OSC nicht: Er wird am Sonntag (14.30 Uhr) zum Bremen-Liga-Spiel bei der SV Hemelingen reisen. „Natürlich fahren wir, aber wir halten uns an die behördlichen Anordnungen“, sagt SFL-Trainer Eric Schürhaus. Derweil wurden zwei Bremen-Liga-Partien auf Antrag der Heimmannschaft abgesetzt: Die Paarungen TuS Schwachhausen – Vatan Sport sowie TuS Komet ArstenFC Union 60 finden nicht statt, weil die Gastgeber jeweils über mindestens sieben Spieler in behördlicher Quarantäne verfügen. Sie müssen die entsprechenden Dokumente nun bis zum kommenden Mittwoch vorlegen. Ansonsten wird die Partie für den Gegner gewertet.

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