Wegen der Coronakrise Landessportbund Bremen sorgt sich um Vereine und Arbeitsplätze im Sport

Was persönlichen Kontakt betrifft, geht die Geschäftsführerin des Landessportbunds derzeit auf Distanz zu ihren Mitmenschen. Aber Karoline Müller und der LSB sind den Vereinen trotz Coronakrise ganz nahe.
23.03.2020, 09:48
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Landessportbund Bremen sorgt sich um Vereine und Arbeitsplätze im Sport
Von Jörg Niemeyer

Karoline Müller ist ein positiv denkender Mensch. Nichts wirft die Geschäftsführerin des Landessportbunds (LSB) Bremen so leicht aus der Bahn – auch die aktuell besonders schwierigen Verhältnisse nicht. „Die Folgen der Coronakrise werden uns lange beschäftigen“, sagt sie, „wir stehen erst am Anfang. Und es wird dabei auch wichtig sein, die Arbeitsplätze im Sport zu erhalten.“ Dabei denkt sie sowohl an die Beschäftigten der Vereine als auch an die des LSB.

Der Landessportbund durchlebt schon ohne Coronavirus seit mehreren Monaten eine sehr bewegte Zeit. Im Herbst begannen die LSB-Mitarbeiter mit dem Packen von Kartons, weil Ende Januar der Umzug aus den bisherigen Räumen in der Überseestadt ins Stadtzentrum anstand. Nachdem der Umzug jetzt weitgehend abgeschlossen ist, steht auch beim LSB alles im Zeichen der Coronakrise. Zwar sind die Türen der neuen Geschäftsräume in der Hutfilterstraße für den Besucher verschlossen, aber drinnen geht die Arbeit weiter – zumindest bei denen, die noch an ihrem Arbeitsplatz anzutreffen sind.

Vieles beim LSB dreht sich um Kurzarbeit

„Das mobile Arbeiten wird auch bei uns immer mehr praktiziert“, sagt Karoline Müller. Diesbezüglich würdigt sie besonders das Engagement von Thomas Trenz. Der LSB-Vizepräsident ist für das Personal zuständig und hat entscheidend mit dafür gesorgt, dass sich der Dachverband des bremischen Sports in der Coronakrise frühzeitig mit dem Thema Homeoffice beschäftigt hat. Dabei muss man wissen: Thomas Trenz ist wie das komplette LSB-Präsidium mit Andreas Vroom an der Spitze ehrenamtlich im Einsatz, während Karoline Müller und 25 weitere Beschäftigte, einige in Teilzeit, mit der Tätigkeit für den LSB ihren Lebensunterhalt verdienen.

Lesen Sie auch

Wie in den meisten Wirtschaftsbetrieben, dreht sich derzeit Vieles beim LSB um das Thema Kurzarbeit. „Auch wir setzen uns damit auseinander“, sagt Karoline Müller, „das müssen wir schon deshalb, weil wir ja ganz besonders auf Zuwendungen angewiesen sind.“ Derzeit baue der LSB Urlaubsansprüche und Überstunden seiner Mitarbeiter ab. Und dann? „Wir denken von Tag zu Tag“, sagt die Geschäftsführerin. Sie geht davon aus, dass die mobile Arbeit noch ausgeweitet werde. Und lobt in diesem Zusammenhang ihr Team kräftig. „Ich bin meinen Mitarbeitern so dankbar“, sagt sie, „sie ziehen alle so gut mit.“

Lesen Sie auch

Zusammenhalt ist wichtig in Zeiten der Krise. Kommunikation auch. Der LSB versorgt die Verbände und Vereine ständig mit Informationen, aber auch mit Handlungsempfehlungen, die beispielsweise vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) oder von bremischen Behörden kommen. Am Freitag verschickte der LSB eine Rundmail, in der er nicht nur zur Solidarität aufrief, sondern auch konkrete Tipps zu möglichen finanziellen Problemen der Klubs gab. „Die Situation für die Vereine ist sehr belastend“, sagt Karoline Müller. Das werde ihr auch wegen der vielen Anrufe bewusst, die sie und den LSB erreichten.

Verunsicherung in den Klubs

„Die Sorgen der Vereine sind sehr konkret“, sagt Müller. Wie gehe es weiter mit den Sportstätten? Was könne, was müsse zum Thema Arbeitslosigkeit getan werden? „Manche Vereine rufen uns an, weil sie ein Gerücht gehört haben“, sagt die Geschäftsführerin. Sie spüre die Verunsicherung der Klubs. Zugleich betont sie aber, dass der LSB trotz Homeoffice immer für seine Mitglieder erreichbar sei. Und dass der LSB in ständigem Kontakt zu Politikern stehe, um sich dafür stark zu machen, dass auch Vereine finanziell unterstützt werden. Müller hofft, dass Antragsverfahren für die Vereine so einfach wie möglich gehalten werden.

Lesen Sie auch

In seinem Alltagsgeschäft geht es dem LSB an einigen Stellen genauso wie den Vereinen. Was passiert mit einkalkulierten Einnahmen, wenn Fortbildungsmaßnahmen, Bildungszeiten, Seminare oder Kurse nicht wie geplant stattfinden können? Können sie verschoben werden oder fallen sie komplett aus? Wie sieht es in Klubs mit eigenen Sportstätten mit den Mieteinnahmen aus? Wie in den Klubs ohne eigenes Eigentum mit den Mietausgaben, wenn Sportplätze, Hallen und Schwimmbäder nicht zur Verfügung stehen?

Abgesehen von den Mitgliedsbeiträgen, brechen Vereinen zumindest kurzfristig Einnahmen weg. Zugleich verursachen ausfallende Veranstaltungen einen Berg an Verwaltungsarbeit. Teilnehmer, Referenten oder Gastronomen müssen benachrichtigt, Seminar- und Übernachtungsstätten storniert oder umgebucht werden. Die Coronakrise erschwert einerseits die normale Arbeit und verursacht andererseits sogar unbezahlte Mehrarbeit.

„Es wird in den kommenden Wochen noch Einiges auf uns zukommen“, sagt Karoline Müller. Und sie fragt sich, wie es mit den Athleten weitergehe. Die Olympischen Spiele in Tokio, die weiterhin nicht abgesagt sind, sind zwar nicht das Ziel der meisten Bremer Sportler. Aber viele haben sich monatelang auf regionale und nationale Meisterschaften vorbereitet, deren Austragung in den Sternen steht. Auch das ist ein Problem, das den LSB neben vielen anderen derzeit beschäftigt.

Lesen Sie auch

Info

Zur Sache

Ratschlag: Einnahmen und Ausgaben checken und Finanzexperten befragen

Wie alle Einrichtungen, die mit Publikumsverkehr zu tun haben, ist auch der Landessportbund (LSB) Bremen anlässlich der Coronakrise sehr vorsichtig. Persönliche Kontakte seiner Mitarbeiter werden auf das Allernötigste beschränkt, und für Besucher sind die Türen der Geschäftsräume derzeit verschlossen. In Telefonaten und per Mail steht der LSB seinen Mitgliedern aber ganz normal zur Verfügung. Da sich viele Anfragen in den vergangenen Tagen auf das Thema Finanzen bezogen, gibt LSB-Geschäftsführerin Karoline Müller an dieser Stelle den Vereinen einen wichtigen Rat: Sie sollten mit Experten aus dem Finanz- und Steuerwesen die Vereinsfinanzen durchchecken; erörtern, wo es gegebenenfalls Förderungen gibt und an welchen Stellen im Vereinsalltag sofort Einsparungen vorgenommen werden könnten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+