Was in Bremen und Niedersachsen geht

Lockdown im Sport: Wettlauf mit der Verordnung

Die Corona-Verordnungen in Bremen und Niedersachsen sorgen nicht in allen Punkten für Klarheit, was im Sport noch geht und was nicht. Der WESER-KURIER gibt einen Überblick und zeigt auch Problemfelder auf.
03.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Olaf Dorow und Jörg Niemeyer
Lockdown im Sport: Wettlauf mit der Verordnung

Tennis? Geht noch in Bremen, im Einzel auch mit Personen aus zwei Hausständen. Doppel sind nur möglich, wenn alle Akteure aus einem Hausstand kommen. Niedersachsen dagegen erlaubt auch Doppel, deren Spieler aus zwei Hausständen stammen.

Sven Hoppe/dpa

Wohl dem, der eine Flatrate hat. „Die Telefone stehen nicht still“, sagt Karoline Müller vom Landessportbund Bremen (LSB). Man hätte nicht erst die LSB-Geschäftsführerin zu fragen brauchen. Sondern irgendjemand, der im Sport für irgendetwas verantwortlich zeichnet. Mehr Fragen als Antworten im Moment. Die neue Corona-Verordnung ist zwar seit dem Wochenende online und seit Montag in Kraft. Einerseits. Auf der anderen Seite: das wahre Leben. Es müsste das klare Wissen her, und das auch noch von allen Beteiligten, was jetzt anliegt.

Mal unabhängig von Sinnfragen, die sich automatisch stellen. Ein Schüler, eine Schülerin darf jetzt unter Umständen am Vormittag – mit vielen anderen Schülern und oft von fachfremdem Personal angeleitet – Schulsport haben, darf am Nachmittag aber nicht – das oft deutlich fachgerechter abgehaltene – Vereinstraining in der Halle haben. Die Verordnung auf dem Papier, die Umsetzung in der Praxis – wohl dem, der nicht den Überblick verliert. Um so dringender erscheint darum der Versuch, für die wichtigsten anstehenden Fragen einen Überblick zu geben. Verbunden mit der Anmerkung: Stand Montagabend.

Lesen Sie auch

Wer darf noch Sport treiben? Daheim vor dem Rechner, auf der Straße, im Wald oder im Park darf das natürlich weiterhin jeder. Vorausgesetzt, es wird Abstand gehalten und nur maximal zehn Personen aus höchstens zwei Haushalten haben Kontakt. So wie die Schulen geöffnet bleiben sollen, soll auch der Schulsport weiter durchgeführt werden. Ansonsten dürfen nur diejenigen ihren Sport weiter wie gewohnt ausüben, die als Profisportler angesehen werden. Zudem erlaubt: Individualsport. Unabhängig von den Behörden haben zuletzt auch Sportverbände ihre neue Bestimmungen erlassen. Während die neue amtliche Gesetzeslage bis zum Ende November gilt, will beispielsweise der Nordwestdeutsche Volleyball-Verband (NWVV), in den auch Bremen eingegliedert ist, den Spielbetrieb bis zum 31.12. unterbrechen.


Nur Individualsport, was bedeutet das? Unter Paragraf 1 der inzwischen 19. Corona-Verordnung des Bremer Senats heißt es: „Die Ausübung von Sport ist nur als Individualsport und nur allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand erlaubt.“ Das heißt: Die Trennlinie verläuft nicht nur quer durch die Sportarten (Fußball mit dem Spiel elf gegen elf, das geht nicht; Golf mit dem Spiel einer oder eine gegen den Ball, das geht). Die Trennlinie verläuft auch noch durch einzelne Sportarten. Zweier ohne im Rudern? Ginge, zumindest theoretisch. Es könnten zwei aus zwei Hausständen in einem Boot sitzen. Vierer ohne? Ginge nur, wenn alle vier aus einem Hausstand kämen. Beispiel Tennis: Es dürfen in diesem Monat in Bremens Hallen Doppel nur gespielt werden, wenn beide Doppel, also alle vier Spieler auf dem Court, in einem Haushalt leben. Sonst sind nur Einzel möglich. In Niedersachsen hingegen, so die Auskunft aus dem Innenministerium in Hannover, sind trotz ähnlich wie in Bremen formulierter Corona-Verordnung Doppel auch erlaubt, wenn zwei Haushalte beteiligt sind.

Lesen Sie auch

Dürfen Kaderathleten weiterhin trainieren? Ja, zumindest dann, wenn ihr Antrag auf Sondergenehmigung vom Sportamt Bremen positiv beschieden worden ist. So nutzen derzeit beispielsweise Kaderathleten der Sportbetonten Schule an der Ronzelenstraße die vereinseigene Halle des Bremer Hockey-Clubs (BHC). Die zwölf Kaderspielerinnen und -spieler des Bremer Hockey-Verbands – elf Akteure des BHC und eine Spielerin des Clubs zur Vahr – warteten am Montag noch auf grünes Licht, um am Bremer Stützpunkt trainieren zu dürfen. An Mannschaftstraining wird bei acht Mädchen und einem Jungen im Alter von 15 bis 18 Jahren jedoch nicht zu denken sein. Der HC Bremen hat gleich für seine komplette männliche A-Jugend in der Handball-Bundesliga einen Antrag auf Sondergenehmigung gestellt, wartete am Montag jedoch ebenfalls noch auf eine Entscheidung des Sportamts.

Bleiben die Sportstätten geöffnet? Rein theoretisch müssten sie das. Denn in fast allen Bremer Sporthallen beziehungsweise -anlagen wird entweder Profisport oder Schulsport oder Individualsport oder Sport von Kaderathleten betrieben. Allerdings bildete sich zumindest am Montag genau in diesem Punkt das größte Fragezeichen und war eine dezidierte Antwort vom Sportamt bis zum Abend nicht zu bekommen. Dürfen diejenigen, denen es laut Verordnung erlaubt ist, auch wirklich in die Hallen, welche laut Verordnung nur für die beschriebenen Ausnahmefälle geöffnet bleiben sollen? Und wenn ja, wie viele dürfen jeweils in die Hallen? Angeblich war es am Montagvormittag in der Leichtathletikhalle des Weserstadions so, dass der vorgesehene – und nach der neuen Rechtsverordnung erlaubte – Schulsport dort nicht stattfinden konnte, weil die Halle geschlossen gewesen sein soll. „Wenn jetzt Individual- und Kadersport möglich ist, dann muss auch gewährleistet sein, dass die Hallen geöffnet sind“, sagt Karoline Müller.

Was empfiehlt der Bremer Landessportbund? Der LSB rät den Vereinen, den neuerlichen Sport-Lockdown so zu interpretieren, wie er am wenigsten wehtut. Quasi nach dem Motto: Was nicht verboten ist, ist erst mal erlaubt. In den vergangenen Monaten haben Vereine diverse Hygienekonzepte entworfen und sind für deren Umsetzung auch von politischer Seite immer wieder gelobt worden. Der Sport hatte sich sozusagen den Ruf erarbeitet, kein Corona-Treiber zu sein. Dennoch trifft es ihn erneut hart. Im Austausch mit Behörden und Politik wird versucht, den Lockdown doch noch etwas lockern zu können. So ist laut LSB zum Beispiel in einigen Bundesländern Sport für Kinder unter zwölf Jahren generell weiter erlaubt. Die LSB-Hoffnung: Bremen schließt sich dem an.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+