2. Tennis-Bundesliga der Herren

Keine Spiele, keine Einkünfte: Tennis-Trainer Finnberg im Wartezustand

Axel Finnberg ist nicht nur Teamkapitän des Zweitligisten, sondern bestreitet als Solo-Selbstständiger auch seinen Lebensunterhalt mit Tennis. Niemand weiß, ob der Sportbetrieb ab 8. Juni wieder normal läuft.
29.03.2020, 13:43
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Keine Spiele, keine Einkünfte: Tennis-Trainer Finnberg im Wartezustand
Von Jörg Niemeyer
Keine Spiele, keine Einkünfte: Tennis-Trainer Finnberg im Wartezustand

Zur Untätigkeit verurteilt: Trainer Axel Finnberg kann seinen Beruf wegen der Corona-Krise derzeit nicht ausüben. Ob sein Team vom Bremer TC von 1912 in der 2. Bundesliga im Juli wie geplant spielen kann, steht in den Sternen.

Kuhaupt

Wie alle Sportverbände, hat auch der Deutsche Tennis-Bund (DTB) aufgrund der Corona-Krise weitreichende Entscheidungen getroffen. So werden alle Turniere im Bereich des DTB bis zum 7. Juni 2020 abgesagt. Das betrifft internationale und nationale Wettbewerbe ebenso wie Ranglisten- und Leistungsklassen-Turniere. Außerdem ist der 8. Juni als frühestmöglicher Termin für den Mannschaftswettspielbetrieb Sommer 2020 vorgesehen. Die 1. und 2. Bundesliga der Damen sind bereits komplett für dieses Jahr abgesagt worden. Daraus folgt, dass es in diesen Spielklassen keine Auf- und Absteiger geben wird.

Bei den Bundesligen der Herren ist die Situation anders. Weil zum Beispiel die 2. Bundesliga mit dem Bremer TC von 1912, den sogenannten Rubies, erst im Juli planmäßig in die Saison starten soll, greift die Absage des DTB hier nicht. Doch Axel Finnberg, Trainer des BTC und Kapitän des Zweitliga-Teams, hat Zweifel, dass normal gespielt werden kann. „Ich weiß nicht, wie der Betrieb auf den Tennisanlagen klappen soll, wenn alle Wettbewerbe nach hinten verschoben werden“, sagt der 48-Jährige. Er habe die Hoffnung, dass sich die Lage bis Juli etwas entspanne. Aber es könne sich auch alles verlängern.

„Wir warten ab, was auf uns zukommt“, sagt Axel Finnberg. Natürlich liefen die Planungen für die Saison, doch er sehe nicht, dass im Juli gespielt werden könne. „Was ist, wenn einer krank wird im Team?“, fragt er. Eine Antwort gibt es darauf nicht, aber es braucht wenig Fantasie, um sich vorzustellen: Dann würde krankheitsbedingt eine Absage drohen, möglicherweise mit Folgen für den kompletten Zweitliga-Betrieb.

Bei den Rubies wie bei allen Bundesliga-Mannschaften ist die Lage im Vergleich zu vielen anderen Sportarten ohnehin speziell: Die Spieler, ganz häufig Ausländer, leben nicht in Bremen, sondern reisen zu den Punktspielen an. Und bekommen, sagt Axel Finnberg, auch nur Geld, wenn sie eingesetzt werden. Derzeit halten Trainer und Akteure Kontakt im Gruppenchat. Doch zur Frage, was im Juli passiert, kann Finnberg seinen Schützlingen nur eins mitteilen: „Ich weiß es nicht.“ Immerhin jedoch hätten ihm alle Akteure für die Saison eine Zusage gegeben. „Vielleicht sind sie dann sogar sehr froh, wenn sie bei uns in der zweiten Liga ein bisschen Geld verdienen können.“ Denn ungewiss sei schließlich auch, wann auf internationalen Turnieren wieder Siegprämien geholt werden können.

Axel Finnberg ist von den Folgen der Corona-Krise selbst massiv betroffen. Als Tennis-Trainer kann er seiner Arbeit angesichts der geschlossenen Hallen und Plätze aktuell nicht nachgehen. „Die Situation ist kein Zuckerschlecken“, sagt er. Den Antrag auf staatliche Unterstützung als Solo-Selbständiger habe er bereits gestellt. Die arbeitslose Zeit nutzt er, um sich intensiv um seine Kinder zu kümmern. „Unser Garten ist auch schon fertig“, sagt er und lacht. „Ich hoffe, dass der Trainingsbetrieb möglichst bald wieder losgehen kann.“ Training könne er ja auch in gebührendem Abstand zu seinen Schülern geben.

Da der Deutsche Tennis-Bund nicht für die Landesverbände entscheiden, sondern ihnen nur Empfehlungen geben kann, passt der Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TVNB) seine Regelungen an. Eigentlich hatte der TVNB die ersten Spiele und Turniere schon für das erste Juni-Wochenende (6./7. Juni) vorgesehen, sagt TVNB-Geschäftsführer Michael Wenkel. Das sei nach der DTB-Entscheidung aber nicht mehr möglich. Demnächst werde der TVNB die 1200 Vereine und Abteilungen, die unter seinem Dach vereint sind, über die Termine informieren. Wenkel betont schon mal, dass natürlich keiner derzeit wissen könne, ob die neuen Spielpläne am Ende auch tatsächlich so umgesetzt werden können. Der ehemalige Tennisverband Nordwest ist inzwischen als Region Bremen eine von zwölf Regionen des TVNB mit seinen insgesamt 130 000 Mitgliedern.

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