Blumenthal verpasst Sensation knapp

FC Oberneuland gewinnt den Lotto-Pokal

Der Blumenthaler SV hat es dem Favoriten sehr schwer gemacht. Doch nach dem 2:2 nach 90 Minuten verpasst er die große Überraschung, weil er im Elfmeterschießen dreimal an FCO-Torhüter Horsch scheitert.
22.08.2020, 21:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
FC Oberneuland gewinnt den Lotto-Pokal

"Maskenball" bei der Siegerehrung: Nach seinem glücklichen Erfolg im Elfmeterschießen über starke Blumenthaler durfte der FC Oberneuland am Ende doch noch jubeln.

Christina Kuhaupt

Immerhin hat sich der FC Oberneuland angesichts dieses Spiels eine richtig ausgelassene Party verschafft. „Jetzt werden wir brutal feiern“, meinte Trainer Kristian Arambasic nach dem Sieg im Lotto-Pokal. Mit dem denkbar knappsten Ergebnis, nämlich durch einen 5:4 (2:2, 2:2)-Erfolg nach Elfmeterschießen, siegte der künftige Regionalligist über den Blumenthaler SV. Und man musste nicht einmal lange suchen, ehe einer der großen Protagonisten der glücklichen Titelverteidigung ausgemacht war. „Jonas ist unser absoluter Held“, so Arambasic. Weil er drei der fünf Elfmeter gehalten hatte, galt der FCO-Keeper als Vater des Erfolges. Angesichts seiner Großtaten mussten die Kollegen ihrerseits nur drei Mal vom Punkt treffen, und dann durfte endlich gejubelt werden.

Der junge Schlussmann nahm die Rolle denn auch bereitwillig an: „Es gibt für einen Torwart nichts Schöneres, als mit dem Elfmeterschießen zum Helden zu werden.“ Auf der anderen Seite gab es auch Helden, ziemlich traurige Helden allerdings. „So ist Fußball, aber wir können trotzdem stolz auf uns sein“, meinte Blumenthals Trainer Steffen Dieckermann geknickt. Und dann fasste er seine Gefühlswelt auf die ihm eigene Art und Weise zusammen: „Elfmeterschießen ist ein Arschloch.“ Natürlich hatte Dieckermann vor der Partie einen Plan. Obwohl der Trainer eigentlich für offensiven Fußball steht, sah dieser wenig überraschend erst einmal eine auf die Defensive konzentrierte Leistung vor. Allerdings hatte Dieckermann zuvor auch die eigenen Chancen betont: „Wir müssen uns nicht verstecken.“ Zudem gab es da ja diesen psychologischen Vorteil: „Keiner erwartet etwas von uns, das Halbfinale gegen Huchting mussten wir dagegen gewinnen.“

„Sie sind mit den Köpfen schon bei Borussia Mönchengladbach“

Sein Kapitän hatte ähnliche Worte gefunden. Kilian Lammers glaubte angesichts des bereits ausgelosten DFB-Pokals sogar an einen unkonzentrierten FC Oberneuland: „Sie sind mit den Köpfen schon bei Borussia Mönchengladbach.“ Im Spiel sollte diese Vermutung sich dann wohl bestätigen.

Auf jeden Fall waren die Rollen klar verteilt vor dem Finale. Die Kabinen auch. Obwohl der Blumenthaler SV als Gastgeber antrat, musste er in die Räume der Gästemannschaft. Der FCO – offiziell der „Gast“ dieser Partie – durfte die angestammte Kabine seines Sportparks am Vinnenweg also im Finale nutzen. „Es ist ja auch eine persönliche Kabine“, kommentierte Arambasic das Arrangement.

Fußball - Lotto-Pokal - Endspiel - Blumenthaler SV - FC Oberneuland

Da irgendwo muss Torwart Jonas Horsch sein: Die Spieler des FC Oberneuland wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten.

Foto: Christina Kuhaupt

Die anderen Änderungen reichten ihm auch vollkommen: Oberneuland nutzte diesmal die Bank auf der ungewohnten rechten Seite, und seine Anhänger besetzten die Plätze der Gästefans, waren „im Käfig“ untergebracht, wie der FCO-Coach wenig begeistert meinte. Aber der Heimvorteil blieb natürlich. Zudem spielte die Rollen- und Kabinenverteilung beim Anpfiff gar keine Rolle mehr, und das lag am Wetter. Pünktlich mit dem Spielbeginn hatte es nämlich zu regnen begonnen, inklusive heftiger Gewitterböen. Stürmisch wurde es auf dem Platz aber erst einmal nicht. Ziemlich schnell stellte sich allerdings heraus, dass der FCO die ihm zugedachte Rolle des Favoriten annehmen wollte. Der Regionalligist sorgte mit einem effektiven Pressing für eine Menge Ballbesitz. Allein, er wusste die zahlreichen Offensivszenen nur selten effektiv zu nutzen. Die Blumenthaler waren zunächst offensiv lediglich dann in Erscheinung getreten, wenn sie im schnellen Umschaltspiel mal in die gegnerische Hälfte kamen. In den Strafraum des FCO schafften sie es mangels Ideen und Präzision erst einmal gar nicht.

Das sollte sich auch nicht ändern, nachdem Michael-Affamefuma Ifeadigo nach schöner Kombination über Tom Trebin und Tim Kreutzträger aus zwölf Metern zum frühen 1:0 für Oberneuland getroffen hatte. „Es steht noch 0:0“, schrie Kristian Arambasic danach seinen Spielern zu. Bleibt konzentriert und macht weiter Druck, sollte das heißen.

Dominantes Auftreten ohne große Torchancen

Und tatsächlich erlebten die Zuschauer auch in der Folge ein eher einseitiges Spiel. Der FCO dominierte, ohne allerdings zu mehr Torchancen zu kommen. Es war deshalb auch kein Zufall, dass ein verunglückter Abschlag von BSV-Keeper Mahmoud Hachem den zweiten Treffer einleitete: Ifeadigo nahm dessen „Pass“ 22 Meter vor dem Tor auf und traf zum 2:0. Das Spiel war entschieden, eigentlich. Viel konnte jetzt doch nicht mehr passieren. So dachte man jedenfalls. Dann, knapp zwei Minuten später, sollte auf der anderen Seite die Wende eingeleitet werden. Da hatte Bo Weißhaupt nämlich seine Schnelligkeit gegen Claas Bauer eingesetzt und beim Abschluss in die kurze Torwart-Ecke auch Jonas Horsch nicht gut aussehen lassen.

Es hatte nicht viel auf den Anschlusstreffer hingedeutet, die Folgen des 1:2 waren dagegen immens. Denn plötzlich hatte der Außenseiter den Mut, der ihm zuvor gefehlt hatte. Und der FCO offenbarte Schwächen. Das wurde vor allem deutlich beim Ausgleich, als Haken Yavuz die Flanke von Weißhaupt neun Meter vorm Tor unbedrängt annehmen und zum 2:2 einschieben durfte. „Innerhalb von sieben Minuten haben wir den Gegner zurück ins Spiel geholt“, kommentierte Kristian Arambasic die Schlussphase der ersten Halbzeit. Sie hatte auch deshalb so unangenehme Auswirkungen für den FCO, da dieser nach dem Wechsel zu keiner Zeit zur Leistung des ersten Durchgangs zurückfand.

Fußball Lotto-Pokal - Endspiel - Blumenthaler SV - FC Oberneuland

Drei Rote gegen einen Blauen: Auch in Unterzahl behauptete sich Hakan Yavuz, kurz vor der Pause traf der Blumenthaler dann zum 2:2. So hieß es auch nach 90 Minuten – das Elfmeterschießen musste entscheiden.

Foto: Christina Kuhaupt

Zwar besaß der eigentliche Gastgeber mehr Spielanteile und geriet auch nicht mehr in die Gefahr eines dritten Gegentreffers. Doch eine sehr einsatzfreudige Blumenthaler Mannschaft reichte aus, um die zerfahrene Arambasic-Elf weitgehend in Schach zu halten. Lediglich als der eigentlich nur fürs Elfmeterschießen eingewechselte Timo Dressler nach einem Pfostenschuss von Onur Uzun den Nachschuss aus acht Metern neben das Tor setzte, lag ein Sieg in regulärer Spielzeit in der Luft (89.). So musste das Elfmeterschießen herhalten. Mit dem bekannten Ausgang und einem keineswegs souveränen Titelgewinner. „Für Blumenthal tut es mir wahnsinnig leid, aber ich glaube, wir haben den Pokal verdient“, so Arambasic.

Info

Zur Sache

Blumenthaler SV - FC Oberneuland 4:5 (2:2, 2:2) n.E.

Blumenthaler SV: Hachem – Warm, Beutelsbacher, Hessling, Willkomm – Isik, Tietze – Weißhaupt, Yavuz, Chinaka (71. Gogbe) – Lammers (73. Ahlers)

FC Oberneuland: Horsch – Tyca, Schoppenhauer, Bauer, Sahan – Trebin, Han – Kreutzträger (7. Dressler), Uzun, Jobe – Ifeadigo (71. Köhler)

Tore: 0:1 Ifeadigo (10.), 0:2 Ifeadigo (33.), 1:2 Weißhaupt (34.), 2:2 Yavuz (42.)

Elfmeterschießen: Warm verschießt, Han verschießt, Tietze verschießt, 2:3 Köhler, 3:3 Hesseling, 3:4 Dressler, 4:4 Gogbe, Schoppenhauer verschießt, Willkomm verschießt, 4:5 Jobe

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