Marathon

Geknickt, weil umgeknickt

Oliver Sebrantke will statt des abgesagten Bremen-Matathons den in Cuxhaven gewinnen – doch es läuft schief.
21.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Geknickt, weil umgeknickt
Von Olaf Dorow
Geknickt, weil umgeknickt

Für Oliver Sebrantke, hier bei der Bremer Winterlaufserie aufgenommen, lief der Cuxhaven-Marathon anders als gedacht.

Frank Thomas Koch

Sieben auf einen Streich. Was aus der guten alten Märchenwelt kommt, hat als Schlagwort auch im Sport seine, nun ja: märchenhafte Anziehungskraft. Siebenmal den Bremen-Marathon gewinnen, das fühlt sich einfach gut an, das ist nichts, was man sich nicht merken kann und bald wieder vergisst. Oliver Sebrantke, inzwischen 44 Jahre alter IT-Experte, hat den Bremen-Marathon bereits sechsmal gewonnen. Das hatte zum bislang letzten Mal geklappt, als er noch 40 war, danach rannten andere schneller oder bremsten ihn Verletzungen aus. Das verflixte siebte Mal, es sollte nun 2020 gelingen.

„Darauf war ich die ganzen Monate vorher fokussiert“, sagt Sebrantke, der nicht nur ein ambitionierter Langstreckenläufer sondern auch Triathlet ist. Es wurde aber nichts mit Triumph Nummer sieben, es blieb ihm gegen Ende der Lauf-Saison nur zu sagen, dass er geknickt sei. Was nicht nur im übertragenen sondern auch im eigentlichen Sinne zutreffe. Nachdem der Bremen-Marathon, geplant für Anfang Oktober, schließlich Ende August abgesagt worden war, hatte sich Oliver Sebrantke sozusagen einen Ersatz-Fokus gesucht. Was nicht so einfach war: Bis auf den Bremerhaven-Marathon wurden reihenweise auch fast alle anderen Stadtläufe abgesetzt. Der Cuxhaven-Marathon am vergangenen Wochenende nicht, das wurde Sebrantkes sportliches Ziel im Corona-Jahr 2020. Das einzige, das noch blieb, auch die Triathlon-Saison war fast komplett ausgefallen.

Cuxhaven wurde dann so ein Pech-Ding, wie es bei jedem Sportler ganz unten auf der Liste steht. Ewig lange Vorbereitung, unzählige Trainingskilometer, und dann knickte Sebrantke schon drei Kilometer nach dem Start um. Einfach so. Niemand hatte ihn geschubst, der Straßenbelag sei schön eben gewesen, erzählt er. Der Abschnitt mit dem Kopfsteinpflaster war gerade vorbei. Er musste kurz stehenbleiben, hatte fortan Schmerzen im Fuß und die Führungsgruppe ziehen lassen müssen. Mit einer Zeit von 2:43:53 Stunden erreichte er das Ziel, das reichte zwar für Platz eins in seiner Altersklasse M 40. Aber nicht für den Gesamtsieg, auf den er schon aus gewesen war. Cuxhaven-Gewinner wurde der um rund zwölf Jahre jüngere Timo Böhl von der LG Wittgenstein in 2:35:25. Hätte er schaffen können. Sebrantke, der für den LC Hansa Stuhr antritt, wurde Neunter. Bester Bremer war Nikas Schröder (Let's Run Bremen), der als Sechster nach 2:39:00 Stunden ins Ziel lief und damit die Altersklasse M 45 gewann.

Im Hinblick auf den Bremen-Marathon, auf seinen Bremen-Marathon, bleibt Oliver Sebrantke zunächst mal nur die Hoffnung, dass im Herbst 2021 wieder gestartet und gefinisht wird vor dem Bremer Rathaus. Und er doch noch zum siebten Titel kommen kann. Eigentlich sei er dafür schon zu alt, gesteht er. Aber die Anziehungskraft ist noch groß genug. Sebrantke sagt: „Ich werde es versuchen.“ Zumindest das ist schon mal abgemacht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+