54. Bremer Sixdays in der ÖVB-Arena

Maßarbeit für die Handwerker und für die Radprofis

Bevor die Sportler am Donnerstag um 21.10 Uhr ihren sechstägigen Kampf um den Sieg aufnehmen, kämpfen die Arbeiter gegen die Uhr. Hallenchef Peter Rengel verspricht: Alles wird pünktlich fertig sein.
09.01.2018, 20:33
Lesedauer: 3 Min
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Maßarbeit für die Handwerker und für die Radprofis
Von Jörg Niemeyer
Maßarbeit für die Handwerker und für die Radprofis

Man kann es schon erahnen: Hier laufen ab Donnerstag die Sixdays.

Frank Thomas Koch

Bremen. In der ÖVB-Arena hämmern und schrauben die Handwerker an der Bahn, im Foyer und in den benachbarten Hallen wirbeln die Arbeitskräfte, damit am Donnerstagabend Bremens aktuell größte Party pünktlich beginnen kann. Zwei Tage vor dem Startschuss zu den 54. Sixdays ist es noch schwer vorstellbar, dass die Radfahrer über ein fertiges Holzoval und die Gäste an eingedeckten Tischen und aufgebauten Ständen essen und trinken können. „Wir werden rechtzeitig fertig, das kann ich versprechen“, sagt Peter Rengel.

Nach mehr als 20-jähriger Erfahrung beim Sechstagerennen ist der Leiter der Sixdays und Chef der ÖVB-Arena tiefenentspannt. Bislang haben er und sein Team es immer hinbekommen, und so wird es auch diesmal sein. Schließlich sind die Fahrer ja auch noch nicht da. Sechs von 24 sind am Dienstag noch beim Finale der Rotterdamer Sixdays im Einsatz – dann unter den Augen von Peter Rengel und seinem Sportlichen Leiter, Erik Weispfennig. Die Bremer Verantwortlichen machen sich selbst noch ein letztes Bild vom Leistungsstand ihrer Schützlinge. „Ich hoffe, dass da alles gut geht“, sagt Weispfennig – und meint, dass bitte kein Fahrer mehr verletzungsbedingt ausfallen möge.

Im Prinzip sind die Planungen nämlich abgeschlossen. Die Fahrerfelder bei den Profis, den Frauen, den U23- und den U19-Fahrern sowie den Sprintern sind komplett. Allerdings wäre Weispfennig auf den kurzfristigen Ausfall eines Fahrers natürlich vorbereitet. Das gehört zu seinen Kernaufgaben. Läuft alles normal und fahren die Mannschaften in der geplanten Aufstellung (siehe Grafik), traut der Sportliche Leiter der Hälfte seiner zwölf Teams den Sprung aufs Siegerpodest zu. Sechs Teams könnten wenigstens Dritter werden, drei oder vier von ihnen dürften am Ende um den Gesamtsieg fahren, glaubt Weispfennig.

Die besten Chancen auf eine vordere Platzierung haben Morgan Kneisky/Leigh Howard, Christian Grasmann/Jesper Mørkøv, Wim Stroetinga/Robbe Ghys, Moreno De Pauw/Leif Lampater und Kenny De Ketele/Theo Reinhardt. Auf einen Topfavoriten wollte sich der Sportliche Leiter aber nicht festlegen, denn seine Maxime lautet seit Jahren: Die Mannschaften sollen einigermaßen ausgeglichen sein, damit kein Duo von Anfang an der Konkurrenz davon fährt. So vermeidet es Weispfennig auch, die vermeintlich Besten in ein Team zu stecken. Das würde Langeweile auf der Bahn hervorrufen – so wie derzeit in Rotterdam, wo die Belgier De Ketele und De Pauw am Dienstag mit zwei Runden Vorsprung in die letzte Nacht gegangen waren.

In Bremen werden De Ketele und De Pauw auch getrennt potenzielle Siegfahrer sein. Spannend wird sein, ob De Pauw besser mit dem routinierten Leif Lampater oder De Ketele besser mit dem jüngeren Theo Reinhardt harmoniert. Auch dem Franzosen Morgan Kneisky und dem Australier Leigh Howard ist einiges zuzutrauen. Allerdings: Weltmeister Howard ist noch nie auf der engen, nur 166,66 Meter langen Bremer Bahn unterwegs gewesen. Der Niederländer Wim Stroetinga, der in der ÖVB-Arena 2014 mit Lampater gewann, hat mit dem erst 21-jährigen Robbe Ghys einen Belgier an der Seite, der zu den ganz großen Talenten der Szene zählt. Schließlich könnten am kommenden Dienstag auch Christian Grasmann, der Bremen-Sieger von 2016, und der Däne Jesper Mørkøv ganz vorne stehen.

Auf jeden Fall wird es 2018 neue Sieger geben, denn die Titelverteidiger fahren nicht mit. Marcel Kalz fehlt, weil er inzwischen eine Ausbildung bei der Polizei absolviert, und der Belgier Iljo Keisse muss passen, weil er mit seinem Team bereits auf der Straße erste Rennen bestreitet. Kalz hat mit knapp 30 Jahren schon aufgehört, auch die Familienväter Grasmann (36) und Lampater (35) werden keine Ewigkeit mehr ihre Runden drehen. „Wir brauchen neue deutsche Fahrer“, sagt Weispfennig, der auch aus diesem Grund dem letztjährigen Bremer U 23-Sieger Moritz Augenstein (20) die Chance auf ein Sixdays-Debüt bei den Profis gibt. Mit dem Schweizer Jan Freuler (25), der zwei Sechstagerennen bestritten hat, bildet Augenstein in Bremen das unerfahrenste Duo.

Auch die Sprinter werden wieder an allen sechs Tagen auf der Bahn sein. Der Vorjahressieger und zweimalige Weltmeister im Teamsprint, René Enders aus Erfurt, wird am Dienstag seine erfolgreiche Laufbahn beenden, sich bis dahin aber noch spannende Duelle mit dem Tschechen Tomáš Bábek liefern. Vor dem Hintergrund, dass Madison 2020 wieder eine olympische Disziplin sein wird, werden in diesem Jahr erstmals auch die Frauen am Sonntag im Mannschaftsfahren zu sehen sein. Laut Reglement dürfen ihre Rennen allerdings mit nur zehn Teams ausgetragen werden. Die Deutschen Anna Knauer und Lin Teutenberg sowie die Niederländerinnen Marit Raaijmakers und Kirsten Wild gelten als Favoriten. Am Sonnabend fahren die Frauen ihre Beste im Mehrkampf, dem Omnium, aus.

Mit der Vorstellung der Profis beginnt am Donnerstag um 20.45 Uhr der sportliche Teil der Sixdays. Nach einer galaktischen Einstimmung mit entsprechenden Licht- und Klangeffekten in der ÖVB-Arena werden der deutsche Astronaut Thomas Reiter und Fritz Merkle vom Bremer Raumfahrtunternehmen OHB um 21.10 Uhr die Radfahrer auf ihre sechstägige Reise schicken.

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