2,1 Millionen Euro mehr bis 2021

Bremer Koalition erhöht den Sporthaushalt

2,1 Millionen Euro mehr bis 2021 für den Bremer Sporthaushalt. Doch der Landessportbund erneuert seine Kritik an den Plänen der Bremer Regierung.
07.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Koalition erhöht den Sporthaushalt
Von Mathias Sonnenberg
Bremer Koalition erhöht den Sporthaushalt

Die Koalition erhöht zwar den Sporthaushalt in den kommenden zwei Jahren, aber dem Landessportbund geht das längst nicht weit genug.

Frank Thomas Koch

An diesem Mittwoch soll er endgültig festgezurrt werden, der Bremer Haushalt für das Jahr 2020. Die Zahlen liegen lange vor, auch wenn es in den einzelnen Ressorts zuletzt noch einige Veränderungen gegeben hat. Dazu zählt auch ein Haushalt, um den es schon Ende März gehörigen Wirbel gegeben hatte, nachdem die ersten Zahlen in der Öffentlichkeit kursierten: der Sporthaushalt. Von 15,47 Millionen Euro auf 30,41 Millionen Euro sollte die Summe 2020 steigen, für 2021 waren 30,25 Millionen Euro veranschlagt worden. Jetzt erhöht die Koalition den Etat für beide Jahre noch einmal um 2,135 Millionen Euro. Alles gut also? „Überhaupt nicht“, sagt Andreas Vroom und kritisiert erneut den Bremer Haushaltsplan für den Sport.

Nachbesserungsbedarf erkannt

Vroom ist bekanntlich Präsident des Bremer Landessportbundes und als solcher quasi per Amt verpflichtet, den Finger in die Wunden zu legen. Was er auch tut, an seiner Kritik am Haushaltsentwurf hat sich prinzipiell nichts geändert. „Das Geld wird zu großen Teilen für die Sanierung der Bremer Bäder verwendet“, erklärt Vroom. Es sei unfair, dass der organisierte Sport unter den politischen Versäumnissen der Vergangenheit leiden müsse, weil die Bäder von der öffentlichen Hand über viele Jahre kaputtgespart worden seien. Sein Fazit: „Die Bremer Sportler werden nicht von dem neuen Sporthaushalt profitieren“, sagt Vroom. Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) hatte schon im März Vrooms Kritik zurückgewiesen. „Wir investieren 25 Millionen Euro in die Schwimmbäder. Das sind Sportanlagen im besten Sinne des Breitensports, und ich finde es nicht gerecht dem Senat gegenüber, diese Investitionen auszuklammern“, erklärte sie.

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Tatsächlich wurden im ersten Haushaltsentwurf für 2020 insgesamt 20,13 Millionen Euro für die Bädersanierung ausgewiesen. Die Koalition aus SPD, Grüne und Linke hat sich im Haushalts- und Finanzausschuss darauf geeinigt, die Gesamtsumme für den Sport noch einmal um 1,285 Millionen Euro zu erhöhen. Von dieser Summe werden für die „Attraktivierung der Bäder Huchting, Vitalbad Vahr und Teneverbad“ 300 000 Euro eingesetzt, für die Sanierung Südbad insgesamt 460 000 Euro. „Diese Gelder rechne ich aus dem Sporthaushalt raus“, sagt Vroom. Für 2021 gibt es zusätzlich 850 000 Euro, wie aus dem Produktplan der Koalition hervorgeht. Insgesamt 550 000 Euro werden dabei im Haushaltsplan für die Übungsleiterpauschale, Sportfördermittel und die Sportplatzpflege berücksichtigt.

Dass die Koalition für 2020 insgesamt 90 000 Euro für die Aktion „Kids in die Clubs und Bäder“ bereitstellt, findet Vroom allerdings positiv. „Die Erhöhung lässt sich vielleicht zur Verhinderung von Vereinsausschlüssen einsetzen“, sagt er. Außerdem sei für die Außenanlagepflege von Sportstätten eine Zuschusserhöhung vorgesehen. Björn Fecker, Fraktionschef der Grünen und Sprecher für Haushalts- und Finanzpolitik, kennt die Probleme. „Alle drei Parteien haben erkannt, dass es Nachbesserungsbedarf im Sporthaushalt gibt“, sagte er dem WESER-KURIER.

Die Kritik des LSB und der Wunsch nach zusätzlichen finanziellen Möglichkeiten sei angekommen, aber der finanzielle Spielraum nun mal begrenzt. Der LSB hatte in den letzten Wochen intensive Gespräche mit den Fraktionschefs der Regierungsparteien und den sportpolitischen Sprechern geführt. Dass es jetzt zu einer Erhöhung des Etats komme, findet Vroom grundsätzlich auch gut. Nur das Ergebnis befriedigt ihn nicht. „Sofern die Bürgerschaft alles wie vorliegend beschließt, beläuft sich der Sportetat ohne Bäder für 2020 auf 10,46 Millionen Euro und auf 11,045 Millionen für 2021.“ Ohne die Bäder-Födermittel habe der Sport-Etat für 2019 bei 9,44 Millionen Euro gelegen, sagt Vroom.

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Petition läuft noch weiter

Das ist nicht die Erhöhung, für die Vroom und der LSB vor den Haushaltsberatungen gekämpft hatten. Da war der Wunsch von einem Sporthaushalt die Rede, der auf knapp 17 Millionen Euro steigen solle. "Von diesem Ziel sind wir unverändert weit weg", erklärt Vroom. Dass der Sport-Etat ohne Berücksichtigung der Sanierungsmittel für die Bremer Bäder für 2020 ursprünglich um 5,9 Prozent und für 2021 um weitere 2,6 Prozent steigen sollte, hält der LSB-Präsident für nicht gerechtfertigt. Vroom vergleicht den Sportetat mit Haushaltsposten aus anderen Ressorts. "Der Kulturetat steigt allein in 2020 um 12,6 Prozent auf 88,6 Millionen Euro, der Kinder- und Bildungsetat um 206 Millionen und entsprechenden 21,7 Prozent auf 1,154 Milliarden Euro. Und der Etat für Jugend und Soziales legt 2021 im Vergleich zu 2019 um knapp 30 Millionen Euro auf 1,09 Milliarden Euro zu.

Auch wenn der Kampf um mehr Staatsgelder für die nächsten beiden Haushaltsjahre verloren zu sein scheint, gibt Vroom nicht auf. Schon im Juni hatte er eine Petition gestartet, um eine Erhöhung des Sporthaushaltes zu erreichen. Von den sechs Forderungen aus der Petition (unter anderem eine Erhöhung für den der Nachwuchsleistungssport, Übernahme von Vereinsmitgliedschaften für sozial Benachteiligte) sei bei der Erhöhung durch die Fraktionen zwar keine direkt berücksichtigt worden. Aber der LSB werde versuchen, bei der Forderung zur Übungsleitergewinnung eine Lösung im Rahmen der erhöhten Übungsleiterzuschüsse zu erzielen. Die Petition endet am 23. Juli – der Streit um mehr Geld für den Sport aber geht weiter.

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