Die Unentbehrlichen Meister im Kunstradfahren

Angefangen hat er vor über 60 Jahren als Kunstradfahrer. Das macht er auch heute noch gelegentlich, wenn er den Nachwuchs seines Vereins trainiert. Vor allem aber glänzt er als Multitalent.
21.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Heinz Fricke

Angefangen hat er vor über 60 Jahren als Kunstradfahrer. Das macht er auch heute noch gelegentlich, wenn er den Nachwuchs seines Vereins trainiert. Doch ansonsten ist Werner Bartsch so aktiv in vielen Bereichen des Sports, dass zum Beispiel Bernd Zimehl, der Vorsitzende des Kreissportbundes Bremen-Stadt, auf die Frage nach ihm nur antwortet: „Werner? Der kann alles. Und du kannst ihn auch bei fast allen Problemen gebrauchen.“

Wir haben uns auf der Habenhauser Jugendfarm verabredet. Dort planen die Organisatoren mit den Kindern eine kleine Theater-Aufführung, auch Kunstradfahren gehört neben vielem anderen zum Programm. Und das sorgt dafür, dass unser Gespräch eher suboptimal verläuft – wir werden ständig unterbrochen. „Werner, kannst du mal helfen? Wir kommen hier nicht weiter“ oder Ähnliches aus immer dem gleichen Anlass: Das handwerkliche Geschick und Wissen des 75-Jährigen wird benötigt. Und so erfahren wir in nur einzeln verabreichten Dosierungen, was Werner Bartsch im Laufe eines langen Sportler-Lebens alles so betrieben hat. Doch das ist eine ganze Menge.

Er ist in Arsten geboren und aufgewachsen. Das war mal ein sehr dörflich geprägter Stadtteil, in dem eine Randsportart sehr populär war – man übte sich im Kunstradfahren und spielte Radball. Alles geschah im RKB Solidarität Arsten, einem Verein, der zur damals noch separaten Arbeitersport-Organisation gehörte. Erst viele Jahre später kam es zum Zusammenschluss mit dem im Deutschen Sport-Bund organisierten „bürgerlichen“ Sport. Und auch dazu trug Werner Bartsch im Bereich des Bremer Radsport einiges bei – er setzte sich mit dem langjährigen Verbands-Vorsitzenden Wilfried Gerken zusammen, am Ende saßen alle Bremer Radsportler in einem Boot.

Doch kehren wir noch einmal zu den ersten Nachkriegsjahren und nach Arsten zurück. Der Schlosser-Geselle Werner Bartsch (der später seinen Meister machte und eine eigene Firma gründete) begann auf einem Rad ohne Reifen, bastelte immer weiter an seinem Gefährt und fuhr schließlich zur Verblüffung der Arster rückwärts durchs Dorf. Damit war klar, dass er auch im Verein mitmischen würde, er tat es erst als Kunstradfahrer und später als erfolgreicher Radballer. Im Kunstradfahren reichte es bis zur Niedersachsen-Meisterschaft, im Radball hatte er im Verein die Paarung Lackmann/Frese immer vor sich. Aber die waren auch mal Deutsche Meister. Beide sind nicht mehr dabei, Werner Bartsch hingegen immer noch. Er ist Vorsitzender der RKB Solidarität, als Trainer im Kunstradfahren sitzt er ebenfalls noch im Sattel.

Doch zwischendurch verließ Werner Bartsch auf seinem Kunstfahrrad auch mal Arsten. Bremer sahen ihn auf der Bühne des Niederdeutschen Theaters, Theaterchef Heinz Stöver hatte ihn nebst Kunstrad eingeladen. Auch bei den früheren Sportschauen in der Stadthalle war die RKB Solidarität mit Werner Bartsch dabei, und natürlich mischte er auch beim Freimarktsumzug mehrfach mit. Das ging nur einmal schief. Ein voreiliger Passant sorgte für einen Sturz vom Hochrad, das Ergebnis war ein komplizierter Knöchelbruch.

Wer ihn kennenlernt, merkt schnell: Der Mann ist kommunikativ, der schließt Kontakte. Und so blieb es nicht aus, dass Werner Bartsch auch mitmischt, wenn Lothar Pohlmann alljährlich im Sommer den großen Spieletreff des Kreissportbundes (KSB) im Bürgerpark organisiert. Und ein Highlight des Ferienprogramms des KSB ist seit einigen Jahren die große Wasserrutsche am Habenhauser Deich – natürlich, man ahnt es, installiert und beaufsichtigt von Werner Bartsch.

Irgendwann wurde Werner Bartsch auch zum Medienmann. Klaus Töpfer holte ihn um die Jahrtausendwende zum Bürger-Fernsehen „Bremer Sport TV“, nach Töpfers Tod machte er einige Zeit mit Ralph Haberland weiter. Dann überredete ihn der langjährige Landessportbund-Präsident Heinz-Helmut Claußen für ein neues Projekt im Rahmen des Bremer Bürger-Fernsehens: Gemeinsam interviewten sie Persönlichkeiten aus der Vergangenheit des Bremer Sports wie Gisela Bentz, Rudolf Kauer, Walter Messerknecht oder auch den einstigen Sportamtsleiter und späteren Bürgermeister Hans Koschnick. Heinz-Helmut Claußen fragte, Werner Bartsch filmte. Denn auch das hatte er sich ganz nebenbei beigebracht.

Die Unentbehrlichen: Ohne sie geht meist nichts. Die Rede ist von den unzähligen Männern und Frauen in Bremer Sportvereinen, die in speziellen Funktionen tätig sind, mit denen ihr Name eng verbunden ist. Übungsleiter, Trainer, Ideengeber, Idealisten, kurzum: Menschen, die etwas nachhaltig bewegen für ihren Verein. Von ihnen erzählt diese Serie.

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