Eisbären Bremerhaven spielen gegen Würzburg Mit der Moral vom FC Liverpool zum Klassenerhalt

Die "wichtigsten Wochen der Vereinsgeschichte" brechen für die Eisbären Bremerhaven an: In den letzten fünf Saisonspielen soll der Klassenerhalt gesichert werden – und zwar mit der Moral vom FC Liverpool.
17.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Schnurr

Die "wichtigsten Wochen der Vereinsgeschichte" brechen für die Eisbären Bremerhaven an: In den letzten fünf Saisonspielen soll der Klassenerhalt gesichert werden – und zwar mit der Moral vom FC Liverpool.

Ob denn jemand Fußball, Liverpool gegen Dortmund, dieses atemlose 4:3, gesehen habe, fragt Sebastian Machowski nach Abschluss des Gesprächs in die Runde. Kollektives Nicken. Na also, ein Beispiel aus der Praxis. „Passt doch, wo wir hier schon so viel theoretisch über Psychologie gesprochen haben“, sagt Machowski.

Was Fußball mit Basketball, Europa-League-Viertelfinale mit Bundesliga-Abstiegskampf, Borussia Dortmund mit den Eisbären Bremerhaven zu tun haben? Nicht sehr viel, möchte man meinen. Aber doch so viel: die Psychologie der Ohnmacht. Oder wie Sebastian Machowski sagt: „Mentale Löcher“– und wie schwer es ist, sich aus ihnen zu befreien, wenn mal erst mal in ihnen gefangen ist. Plötzliche Einbrüche, mentale Tiefs in Spielen. Wenn alles gegen einen läuft, oder man zumindest das Gefühl hat, es wäre so. Verlieren könne man sich in jenen Momenten, sagt er – das habe man auch an Dortmund gesehen, die ein 3:1 noch verspielten.

"Wir haben uns da selbst ein Loch gegraben"

Machowski weiß, wovon er spricht. Zuletzt widerfuhr genau das den Eisbären, dem akut abstiegsbedrohten Tabellenvorletzten der Basketball-Bundesliga. Sie spielten gut, brachen dann plötzlich ein, stürzten ab, fanden nicht wieder raus. Das war gegen Abstiegskonkurrent Göttingen so, als die Eisbären einen 19-Punkte-Vorsprung verspielten. Und auch gegen Bayreuth, als sie im Lauf des zweiten Viertels 37 Punkte des Gegners zuließen. „Wir haben uns da selbst ein Loch gegraben, aus dem es nicht mehr möglich war, sich herauszuarbeiten“, sagt Machowski.

Nun gehören jene plötzlichen Einbrüche in dieser Spielzeit zu den prägenden Wesenszügen der Eisbären. Sie sind einer der Hauptgründe für eine Saison als Dauerkrise. Nach zwei Siegen aus drei Spielen unter Machowski, dem dritten Trainer dieser Saison, schien dieses Laster bereits fast vergessen. „In den Spielen zuletzt hat sich aber gezeigt, dass die Probleme in diesem Team tief greifender sind und weiter gehen, als ich das zunächst von außen sehen konnte“, sagt Machowski. Inzwischen weiß er über die Psyche seiner Mannschaft: „Wenn man mindestens einmal zu oft Spiele auf so eine Art verloren hat, dann wird man ganz sicher wieder in so ein Loch zurückgeworfen. Dann durchlebt man all das noch mal.“

Natürlich habe Larry Gordon nicht unrecht, wenn er kritisiere, dass den Eisbären in solchen Momenten Führungsfiguren fehlten, die dem Team Halt geben könnten. „Noch wichtiger ist es aber, in solchen Krisen- und Stresssituationen als Kollektiv aufzutreten“, betont Machowski. Der Geschäftsführer der Eisbären pflichtet ihm da vor dem so wichtigen Heimspiel gegen die Baskets Würzburg am heutigen Sonntag (15 Uhr) bei: „Das Team darf sich besonders in kritischen Phasen nicht hinter Kyle Fogg verstecken. Ich erwarte, dass jeder Spieler gegen Würzburg einen Arsch in der Hose hat“, sagt Jan Rathjen. „Alle müssen sich wehren und dagegen stemmen, gar nicht erst wieder in diese Löcher zu fallen.“

Geschäftsführer Rathjen wirkt ratlos

Fünf Spieltage vor Saisonende spricht Rathjen von den „wichtigsten Wochen in der Vereinsgeschichte, seit dem Aufstieg in die erste Liga“. Im Sommer 2005 stieg der Klub auf und danach nie wieder aus der Bundesliga ab. Bis jetzt. Selten schien der Abstieg so greifbar und der Klassenerhalt mühsamer als in dieser Saison. Nach der Niederlage gegen Göttingen wirkte Rathjen zuletzt ratlos, fast schon resignierend. Vor dem Spiel gegen Ex-Coach Douglas Spradley, der den ungewöhnlichen Aufsteiger und Play-off-Anwärter Würzburg trainiert, gibt sich der Geschäftsführer wieder deutlich kämpferischer: „Die Mannschaft hat schon bewiesen, was sie kann. Jetzt muss sie beweisen, dass es auch ohne Einbrüche geht. Wir müssen ans Limit gehen.“

Befreien sich die Eisbären aus den vielen, kleinen mentalen Löchern im Verlauf so eines Basketball-Spiels, werden sie sich auch aus dem ganz großem Loch, dem Tabellenkeller der Bundesliga, befreien. So oder so ähnlich klingt sie in diesen Tagen, die Idee der Rettung, die Hoffnung auf den Klassenerhalt, bei den Eisbären Bremerhaven. „Wir haben alles in eigener Hand – das haben wir immer wieder betont“, sagt Machowski. „Nur gehört zu diesem Prinzip, damit es weiterhin gilt, irgendwann auch mal, Spiele zu gewinnen.“ Jetzt, vor den Partien gegen direkte Konkurrenten am kommenden Wochenende, wäre kein schlechter Zeitpunkt, damit anzufangen.

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