Digitale Podiumsdiskussion

Das Problem mit dem schmuddeligen Image

Die meisten MMA-Kämpfer sind Sportler. Doch in der Szene der Vollkontakt-Kämpfer tummeln sich auch Rechtsextreme, um sich körperlich fit zu machen und um Gleichgesinnte zu treffen.
12.02.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Das Problem mit dem schmuddeligen Image
Von Jörg Niemeyer

„Leute, die Gewaltfantasien ausleben wollen, müssen aus unserem Sport ferngehalten werden – und das ist auch nicht schlimm.“ Das hat Henning Bode, einst MMA-Kämpfer und jetzt vor allem Trainer in diversen Kampfsportarten im eigenen Gym in Bremen, vor ein paar Monaten dem WESER-KURIER gesagt. MMA steht für Mixed Martial Arts und damit für eine Vollkontakt-Sportart, die eine Mischung aus Boxen, Thaiboxen, Kickboxen, Aufgabe-Ringen, Judo und Brazilian Jiu-Jitsu ist.

Am Mittwoch sitzt Henning Bode als Gast in einer digitalen Podiumsdiskussion über Rechtsextremismus im Sport, zu der die Grünen-Fraktion der Bremischen Bürgerschaft eingeladen hat. Unbestritten ist: In der vor allem maskulin geprägten MMA-Szene bewegen sich nicht nur Sportler, die – wie es der Journalist Ronny Blaschke ausdrückt – „ihre Männlichkeit ausleben wollen“ und dabei gar keine politischen Ziele verfolgten, sondern auch Personen aus dem rechtsextremen Lager. Sie nutzen die MMA-Szene, um Kampftechniken zu erlernen und politisch Gleichgesinnte zu treffen.

Ob es das auch in Bremen gibt, wollen der Sportpolitische Sprecher der Grünen, Mustafa Öztürk, und Kai Wargalla, in der Partei Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus, herausfinden. Ein spannender Abend, durch den jedoch besser ein neutraler Moderator als Öztürk selbst hätte führen sollen. „Einige Fragen, die du stellst, hätte man dir als Politiker stellen müssen“, merkt Ronny Blaschke dezent an. Der Journalist hat vor allem im Fußball zum Thema Rechtsextremismus viele Artikel und einige Bücher veröffentlicht.

Gleichwohl lassen die Gastgeber den guten Willen und erst recht das Interesse an diesem Thema erkennen. „Das werden wir bei den Grünen weiter besprechen“, sagt Öztürk, als es darum geht, ob für Kampfsportstudios eine Lizenzierung sinnvoll sei, damit Rechtsextreme dieses Milieu für ihre Zwecke nicht mehr nutzen können. Ronny Blaschke sieht darin eine geeignete Maßnahme, Henning Bode nicht. „Sollte die Polizei kontrollieren, ob ein Trainer eine Lizenz hat?“, fragt er. Das Problem Nazis und Rechtsextremismus lasse sich nicht von oben per Verordnung lösen. Gespräche und Informationsveranstaltungen seien besser. Arbeit von unten sozusagen, die alle Diskussionsteilnehmer wichtig finden.

Rechtsextremistische Vorfälle gebe es in Bremen, sagt Sozialarbeiterin Nathalie Vogl vom Fanprojekt Bremen. Fußball und MMA verknüpften sich in jüngster Zeit immer mehr, „aber mit MMA-Kämpfern haben wir weniger zu tun“. Überhaupt habe das Fanprojekt aktuell weniger mit der rechten Szene zu tun. „Die ist deswegen aber nicht verschwunden“, sagt Vogl.

Im Verlauf der 135-minütigen Veranstaltung im Internet wird deutlich, dass die MMA-Szene ein „schmuddeliges Image“ hat, das ihr als Ganzes nicht gerecht wird. Henning Bode sagt, dass es in seinem Team kein Problem mit dem Rechtsextremismus gebe, dass es bei auswärtigen Veranstaltungen aber schon mal auftauche. „Manchmal starten wir dann auch nicht“, sagt er.

Clemens Werner ist Vorsitzender des 2014 gegründeten deutschen MMA-Verbands GEMMAF. „In unserer Szene ist das Thema noch nicht ganz präsent“, sagt er. Viele Kämpfer hätten gar keine Berührungspunkte zum Rechtsextremismus, aber man müsse im Verband dafür mehr sensibilisieren. Werner würde die GEMMAF gern und möglichst bald unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbunds sehen. Vereine und Verbände im DOSB müssen klare Regeln einzuhalten, die für Gyms und Studios nicht zwingend sind. Doch der Weg, unter das DOSB-Dach zu kommen, sei formal ein langer, sagt Karoline Müller. Die Geschäftsführerin des Landessportbundes Bremen kennt die Anforderungen an Vereine und Verbände genau, um in den organisierten Sport aufgenommen zu werden. Aber der LSB sei der falsche Ansprechpartner, wenn es um kommerzielle Sportanbieter gehe.

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