Motorsport Mit Vollgas Richtung Zukunft

Der frühere Bremer Jannes Fittje beendet seine Debütsaison in der Juniorenwertung der GT Masters auf Platz zwei. Jetzt hofft der Rennfahrer auf einen Anschlussvertrag bei seinem Porsche-Team.
04.12.2020, 06:00
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Mit Vollgas Richtung Zukunft
Von Frank Büter

Jannes Fittje hat seinen Job gemacht. Gut sogar. Der aus Bremen stammende Rennfahrer ist in seiner Premierensaison in der Juniorenwertung der ADAC GT Masters ganz vorne mitgefahren. Mit seinem Porsche 911 GT3 R und 550 PS unter der Haube hat der 21-Jährige in diesem Klassement der U 25-Fahrer bis zum letzten Rennwochenende für Spannung gesorgt. Allein in den finalen vier Rennen am Lausitzring und in Oschersleben hat er zwei Top-Ten-Platzierungen herausgefahren – und mit Platz zwei letztlich ein Riesenergebnis erzielt. In der sogenannten Rookiewertung trennten den gebürtigen Bremer am Ende nur eineinhalb Punkte von Sieger Tim Zimmermann, der in seinem Lamborghini GT3 Evo für das Grasser-Racing-Team 270 Zähler einheimste.

Eine Platzierung hat Jannes Fittje letztlich gefehlt. Ein einziges besseres Ranking bei einem der insgesamt 14 Saisonrennen hätte ihm schon den Sieg beschert in dieser Wertung. Fittje hadert allerdings nicht, er kann mit dem Endresultat sehr gut leben. „Tim und ich sind beide neu gewesen in dieser Wertung – und wir haben beide gute Leistungen gezeigt“, sagt Fittje. Er sei voll auf Resultate gefahren, immer Vollgas auf die Punkte, schildert er. „Und deshalb bin ich auch vollkommen zufrieden mit der Vizemeisterschaft.“ Zufrieden also mit einem zweiten Platz, der Jannes Fittje auch gute Perspektiven eröffnet. Zum einen wird diese Platzierung in der kommenden Saison mit zehn Reifensätzen prämiert, „finanziell hilft das ungemein“, sagt der in Lilienthal aufgewachsenen Rennfahrer. Und – was für ihn im Grunde noch wichtiger ist: Als Zweitplatzierter dieser „Rookieklasse“ ist er auch in der nächsten Saison in der Juniorenwertung startberechtigt, als Sieger wäre er raus gewesen. „Das heißt, dass ich da noch mal den Titel angreifen und mir weitere Reifensätze für 2022 rausfahren könnte“, sagt Fittje.

Es ist ein Satz, der mit dem Wort „könnte“ endet. Und das ist das Schwierige in dieser schwierigen Zeit. Denn sicher ist aktuell nur, dass Jannes Fittje seinem Sport weiter so professionell wie möglich nachgehen möchte. In der jetzt beendeten Masters-Saison 2020, die coronabedingt erst Ende Juli auf dem Lausitzring begonnen hatte, gehörte Fittje zum vierköpfigen Fahrerfeld des Porsche-­Teams Bernhard, das vom zweimaligen Le-Mans-Sieger und FIA-Langstreckenweltmeis­ter Timo Bernhard und dessen Vater Rüdiger gegründet wurde. Jannes Fittje hat sich dabei mit dem aus Speyer stammenden David Jahn (30) ein Fahrzeug geteilt.

In dieser weltweit stärksten GT-Serie werden die Rennen stets im Team mit zwei Fahrern gefahren. Die Piloten fahren dabei jeweils abwechselnd ein Qualifying, und während des einstündigen Rennens gibt es mittendrin ein verpflichtendes Zeitfenster (25. bis 35. Minute) für einen Boxenstopp mit Fahrerwechsel. Mit seinen 21 Jahren war Jannes Fittje der jüngste Fahrer im Team Bernhard und gehörte auch zu den jüngsten Fahrern in dieser Masters-Serie, die er mit Partner Jahn in der Gesamtwertung aller Fahrzeuge auf Rang 17 und damit im guten Mittelfeld abgeschlossen hat.

Nach Fittjes starkem Debüt in dieser Supersportwagenserie, in der sich neben Porsche, Audi, Mercedes oder BMW auch Marken wie Bentley, Corvette oder eben Lamborghini tummeln, ist derzeit indes noch unklar, wie und wo es für ihn weitergeht. Angebote? „Die wird es sehr wahrscheinlich geben“, sagt Fittje. Es gelte nun aber erst mal, die beendete Rennsaison auszuwerten und Optionen zu prüfen. Es ist die Zeit der Gespräche. Ideen ausloten. Klinken putzen. Partner halten, neue hinzugewinnen. „Es ist ein hartes Geschäft und immer wieder eine Erfahrung fürs Leben“, sagt er. „Aber es gehört halt genauso dazu wie das Fahren.“

Jannes Fittje ist Berufsrennfahrer. Und er will es bleiben. Er will seinen Traum leben, sagt er. Sein Lebensmittelpunkt liegt inzwischen in Langenhain, einem Ortsteil der Stadt Waltershausen im Landkreis Gotha mit etwa 900 Einwohnern. In Gotha hat Fittje 2018 auch sein Abitur gemacht. Sein erstes Schuljahr hatte der gebürtige Bremer noch an der Grundschule in Lilienthal verbracht, dann war die Familie erst nach Bayern und später nach Thüringen gezogen. Die Verbindung nach Bremen ist derweil nie abgerissen, schließlich ist Mutter Anja Fittje noch heute Inhaberin einer Modeboutique für Frauen im Stadtteil Horn-Lehe. Allein deshalb sei er auch immer mal wieder in Bremen, erzählt Fittje.

Aktuell ist Jannes Fittje auch als Student der Wirtschaftswissenschaften in Jena eingeschrieben. Ihm geht es darum, sich beruflich ein zweites Standbein aufzubauen. Der Konkurrenzkampf im Motorsport ist enorm groß, ebenso die Leistungsdichte. Das hat er bereits in jungen Jahren im Formel-Sport erfahren müssen. Fahrerisches Geschick und körperliche Fitness sind zwar wichtige Voraussetzungen. Talent und Fleiß allein reichen in der Regel aber nicht aus, um Karriere zu machen. Fittje benötigt ein großes Netzwerk an Sponsoren und Unterstützern. Und er benötigt einen Rennstall, der ihn für das nächste Jahr unter Vertrag nimmt – gerne fest als Werksfahrer. Ob er dabei für alle Marken offen sei? Eine Frage, die Fittje nur ausweichend beantworten möchte: „Sinnvoll wäre es doch“, sagt er, „noch ein zweites Jahr für Porsche zu fahren“. Und zwar so, wie es seinem Naturell entspricht: mit Vollgas.

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