Basketball-Bundesliga

Müde Eisbären verpassen den Einzug ins Finale

Bremerhaven. Die Eisbären Bremerhaven haben am Donnerstag in der ausverkauften Stadthalle alles gegeben - und standen gegen die Frankfurt Skyliners am Ende doch mit leeren Händen da. Frankfurt zog miit einem 54:52 (27:22, 51:51)-Sieg ins Finale gegen die Brose Baskets Bamberg ein.
04.06.2010, 00:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörg Niemeyer

Bremerhaven. Genau das hatte noch gefehlt: Verlängerung im fünften und entscheidenden Spiel im Halbfinal-Playoff um die deutsche Basketball-Meisterschaft. Die Eisbären Bremerhaven haben auch gestern in der erstmals in dieser Saison mit 4200 Zuschauern ausverkauften Stadthalle alles gegeben - und standen gegen die Frankfurt Skyliners am Ende doch mit leeren Händen da. Ein Feldkorb von Quantez Robertson sollte den Hessen reichen, um mit einem 54:52 (27:22, 51:51)-Sieg ins Finale gegen die Brose Baskets Bamberg einzuziehen.

'Im Moment fühle ich nur Leere und Enttäuschung', diktierte ein müder Philipp Schwethelm den Journalisten in die Mikrofone und Blöcke. "Wir haben gegen Göttingen die erfolgreiche Seite erlebt - heute die andere." Sein Trainer, Doug Spradley, wirkte enttäuscht, aber gefasst, als er sein erstes Fazit einer letztlich erfolgreichen Spielzeit zog: 'Eine verrückte Playoff-Serie - bisher hat nur eine Mannschaft ihren Heimvorteil nutzen können.'

Die Eisbären hätten es auch schaffen können. Wohl 4100 der 4200 Zuschauer standen wie ein Mann hinter ihrem Team. Doch die Gastgeber fanden einfach nichts ins Spiel. 'Gut', sagte Doug Spradley, 'die Frankfurter haben heute sehr intensiv gespielt, aber wir sind viel zu passiv, vielleicht sogar ängstlich aufgetreten.' Zum Glück für die Seestädter wirkten jedoch auch die Gäste nervös. Sie trafen zwar besser, verloren aber viele Bälle, bevor sie überhaupt zum Abschluss gekommen waren. "Vielleicht war die Müdigkeit entscheidend, dass wir so schlecht getroffen haben", vermutete Philipp Schwethelm.

Es sind die vielleicht verrücktesten Playoffs in der Geschichte der BBL. Aus Sicht der Eisbären allemal. Unmöglich, eine Prognose abzugeben. Starken Auftritten folgen katastrophale - und umgekehrt. Wer gedacht hatte, nach dem grandiosen Erfolg am Dienstag wären die Bremerhavener für die entscheidende Partie im psychologischen Vorteil, sah sich rasch getäuscht: Trotz der phantastischen Unterstützung durchs Publikum agierten die Gastgeber übernervös. Campbell, Gibbs oder Drevo: Die bisherigen Helden der Playoffs überboten sich im Auslassen selbst bester Chancen, nach sechs Minuten führten die Frankfurter mit 11:2. Am Ende des ersten Viertels die ernüchternde Eisbären-Bilanz: Drei Treffer bei 14 Versuchen - eine unterirdische Quote von 21 Prozent. Zum Glück für die Gastgeber leisteten sich auch die Frankfurter viele Ballverluste, so dass sich ihre deutlich bessere Schussbilanz (50 Prozent) im Ergebnis nach zehn Minuten (8:13) kaum bemerkbar machte.

Im zweiten Viertel bahnte sich dann das gleiche Desaster an wie am vergangenen Sonnabend bei der hohen Heimniederlage. Nichts war's zunächst mit einer Formverbesserung der Eisbären. Beim 10:22 (14.) drohte Schlimmstes Dann endlich versenkte Jeff Gibbs seinen ersten Wurf - das Publikum raste, Gibbs schrie vor Begeisterung. Und tatsächlich: Allmählich kamen die Bremerhavener auf Touren, verkürzten bis zur Halbzeit auf 22:27. Nach der Pause folgte die stärkste Phase der Eisbären. Nach dem 22:30 rissen sie das Spiel an sich. Louis Campbell, Torrell Martin und Andrew Drevo sorgten mit ihren Dreiern für die Wende. Beim 38:38 (28.) war erstmals nach dem 2:2 der Ausgleich geschafft - nach dem 40:38 durch Campbell tobte die Halle, mit 41:40 retteten die Gastgeber immer noch einen winzigen Vorsprung ins vermeintliche Schlussviertel.

Der Rest war auf beiden Seiten viel Krampf, vor allem bei schlechten Schüssen standen sich beide Kontrahenten in nichts nach. Campbell allein hielt die Eisbären bis zum 48:47 im Rennen, Drevos Dreier zum 51:51 war bereits 65 Sekunden vor Ende der hektischen regulären Spielzeit der letzte Korb. Immerhin: Mit großartigem Einsatz kämpften sich die Eisbären in die Verlängerung. Die brachte noch ein Kuriosum: Nur Robertson traf aus dem Feld mit einem Dreier (43.) - das sollte reichen. "Sie haben verdient gewonnen", meinte Doug Spradley. Gleiches hätte aber auch für seine Jungs gegolten, auf die er trotz der gestrigen Niederlage "sehr stolz ist".

Eisbären: Lipke, Drevo (12), Schwethelm (3), Brooks (2), Martin (4), Campbell (20), Gibbs (8), Lucas (3).

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