Eisbären Bremerhaven Muli Katzurins großes Rätsel

Das Spiel der Eisbären Bremerhaven krankt. Trainer Muli Katurin findet keine Antworten auf die vielen Ballverluste - und irritiert damit den eigenen Geschäftsführer.
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Von Nico Schnurr

Das Spiel der Eisbären Bremerhaven krankt. Und Muli Katzurin hat sich schon an vielen Erklärungsansätzen versucht in dieser Spielzeit. Sie alle zielten auf dieselbe Ursache ab: die Ballverluste. Sie seien die Krankheit seiner Mannschaft, hatte der Eisbären-Trainer nach dem Spiel gegen Braunschweig eingeräumt. „Unsere Ballverluste töten uns“, hatte er nach der Partie gegen Ulm gesagt.

Die Ursachenforschung hat Katzurin inzwischen eingestellt. Zu offensichtlich ist nach fünf Niederlagen aus den ersten sechs Spielen in der Basketball-Bundesliga, wie sehr die Eisbären unter ihren Turnovern leiden. Allein drei Siege haben sie nun schon in den Schlussminuten hergeschenkt – vor allem wegen der leichtfertigen Ballverluste. Keine Mannschaft der Liga verliert häufiger den Ball als die Eisbären. Eine Tatsache, der Katzurin vor dem Spiel in Gießen (Sbd., 20.30 Uhr) mit einer Mischung aus Galgenhumor und Trotz begegnet. „Immerhin eine Sache, in der wir wie die Besten der Liga sind“, sagt er.

Die Flucht in den Sarkasmus aber kann die momentane Ratlosigkeit des so erfahrenen Israelis nicht kaschieren. Seit über 30 Jahren ist Katzurin als Cheftrainer aktiv. Er hat zwei Nationalteams trainiert, Titel in Israel, Polen und Tschechien gesammelt und Alba Berlin nach verkorkster Saison noch zur Vizemeisterschaft geführt. Da wirkt es beinahe unwirklich, wenn Katzurin nun zu den vielen Ballverlusten seiner Eisbären sagt: „Ich kann das nicht erklären. Einige Ballverluste gehören zum Spiel dazu, aber bei uns kommen sie aus dem Nichts. Ich wäre froh, würde ich die Antworten wissen.“

Die vielen Turnover – knapp 17 sind es im Schnitt pro Partie – entstünden „völlig grundlos“, so Katzurin. „Wenn ich anfange, das zu erklären, müsste ich auch erklären, weshalb wir Einwürfe einfach so herschenken. Das wäre nicht seriös.“ Ohnehin könne man weniger Ballverluste, anders als Details in der Defensivarbeit, nicht trainieren. „Gegen unnötige Turnover gibt es keine Lösung“, sagt der Eisbären-Trainer.

Der Geschäftsführer der Eisbären sieht das anders. „Der Trainer ist dafür verantwortlich. Er muss das Problem zusammen mit der Mannschaft lösen“, sagt Jan Rathjen, „und wenn er sagt, er weiß nicht wie, dann ist das sicher nicht der richtige Ansatz.“ Katzurin sei gefordert, die Spielsysteme so anzupassen, dass die Ballverluste abnehmen. Angesprochen auf Ligakonkurrent Hagen, der für seinen offensiven Risiko-Basketball bekannt ist und dennoch weniger Ballverluste als die Eisbären verzeichnet, entgegnet Katzurin: „Unsere Werte sind einfach schlecht, das brauchen wir nicht mit anderen Teams zu vergleichen.“ Weiter erklärt er, dass er zwar die Verantwortung trage, aber die Fehlpässe nicht selbst spiele. „Da müssen Sie die Spieler fragen, warum sie das machen.“

Sein Spielmacher Jerry Smith – über den Katzurin sagt: „Wann immer er gegen Ludwigsburg nicht auf dem Platz stand, haben sie uns das Spiel aus der Hand gerissen“ – schiebt die derzeitigen Probleme auf das frühe Entwicklungsstadium des Teams. Die Absprache auf dem Platz müssten die Eisbären noch verbessern, glaubt Smith. Sein zuletzt stark kritisierter Ersatz, Brandyn Curry, sagt: „Wir geben die wenigsten Vorlagen und haben die meisten Ballverluste – das hängt alles miteinander zusammen.“ Man müsse das Zusammenspiel insgesamt verbessern, sagt Curry: „Turnover haben oft mentale Gründe. Unsere resultieren aus Unachtsamkeit und Missverständnissen im Zusammenspiel.“

Die Eisbären stünden nach dem Fehlstart schon in Gießen vor der Aufgabe, Lösungen zu finden, so Rathjen. Dabei erwartet sein Trainer mit dem Aufsteiger einen Gegner, „der besser ist als wir“, aber wie alle Teams in der BBL zu schlagen sei. Einen möglichen Weg dahin schließt Katzurin vorab schon mal aus. „Ohne Ball können wir ja leider nicht spielen“, sagt er süffisant, „das scheint mir momentan der einzige Weg zu sein, ohne Ballverluste zu spielen.“ Der bittere Sarkasmus, so scheint es, ist Katzurins derzeit einzige Antwort auf das größte Problem seines Teams.

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