Seriensieger Oliver Sebrantke

Muskelkater und offene Füße

An seinen ersten Marathon kann sich Oliver Sebrantke noch sehr gut erinnern. Rückblickend spricht er von „richtigen Qualen“, „aufgescheuerten Füßen“ und „höllischem Muskelkater“.
12.09.2017, 18:09
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Muskelkater und offene Füße
Von Jan-Felix Jasch

Es war in Hamburg. Und es war schrecklich. Das lag nicht an Hamburg, sondern daran, dass ich einfach schlecht vorbereitet war, wie ich heute weiß. Die Idee, meinen ersten Marathon zu laufen, entstand in einer Kneipe. Es lief ein Fußballspiel. Als ein Gast einen Spieler anbrüllte mit „Lauf doch mal!“, habe ich zu einer damaligen Arbeitskollegin gesagt, dass ich einen Marathon laufen könnte. 42,195 Kilometer. Aus der Nummer kam ich nicht mehr raus.

Ich trainierte dreimal die Woche und dachte, das sei genug. War es nicht. Voller Vorfreude ging ich im April 2002 an die Startlinie, beseelt von den vielen Mitstreitern stürmte ich nach dem Startschuss sofort los. Ich habe Zuschauern zugewunken und viele Hände abgeklatscht. Bis zur Hälfte der Strecke ging es mir super, dann wurde es rapide schlechter. Ich habe entdeckt, dass meine Schuhe blutig von meinen aufgescheuerten Füßen waren, was ich in dem Moment aber nicht spürte. Bei Kilometer 30 wollte ich dann aufhören, meine Kollegin überredete mich. Ich bekam Krämpfe, musste immer wieder anhalten und mich dehnen.

Der schlimmste Krampf kam dann bei Kilometer 42, ich konnte das Ziel schon sehen. Am Rand der Strecke versuchte ein Helfer mich zu unterstützen. Ich habe ihn angeschrien, dass er mich gefälligst in Ruhe lassen solle – das tut mir heute natürlich leid. Bei Krämpfen weiß ich aber nur selber, wie stark ich dehnen muss, damit es nicht noch schlimmer wird. Ich war sicher, nicht weiterlaufen zu können. Obwohl es nicht mal mehr 200 Meter waren. Irgendwie überzeugte meine Kollegin mich doch, ich schleppte mich über die Ziellinie – ganz anders, als ich es mir vorgenommen hatte. Ich wollte über die Linie tanzen, mit Sekt feiern. Aber immerhin hatte ich es geschafft und meinen ersten Marathon in drei Stunden und 48 Minuten absolviert. In erster Linie wollte ich ankommen, dabei hatte ich aber auch noch den Ehrgeiz, eine Zeit von unter vier Stunden zu laufen.

Die richtigen Qualen warteten erst noch auf mich: Meine Füße waren bis auf das Fleisch aufgescheuert, ich konnte nicht mehr gehen. Ich musste meine Füße beim Waschen aus der Badewanne hängen lassen, damit kein Wasser ran kommt. Dazu noch der Muskelkater – höllisch. Insgesamt war ich zwei Wochen krankgeschrieben. Und ich wollte nie wieder auch nur einen Schritt laufen. Vier Jahre habe ich es durchgezogen. Bis der Bremen- Marathon das erste Mal stattfand. Da habe ich mir gedacht, dass ich es ja vielleicht noch mal versuchen könne. Ich habe mich dann richtig vorbereitet und in mein Training lange Läufe integriert. Vor dem ersten Marathon bin ich maximal zehn bis zwanzig Kilometer am Stück gelaufen. Mittlerweile trainiere ich in drei Säulen: ein langer, eher langsamer Lauf, Intervalltraining und ein intensiver Lauf. Diese Trainingsarten müssen einmal in der Woche stattfinden. Dazwischen trainiere ich im Wohlfühltempo.

Auch wenn es nicht schön war, werde ich meinen ersten Marathon nicht vergessen. Er wird immer was Besonderes bleiben. Ich habe sogar noch die Schuhe von damals zu Hause, obwohl ich alle sechs bis acht Wochen ein neues Paar benötige. Auch die Bilder vom Marathon habe ich mir gekauft, ebenso wie die Videokassette. Ich kann sie nicht mal mehr abspielen. Bei meinem ersten Marathon wollte ich alles mitnehmen. Ich bin einen Tag vorher angereist, habe die Startunterlagen abgeholt. Dann bin ich noch zu einem Pasta-Essen gegangen. Heute mache ich mir meine Nudeln zu Hause. Bisher bin ich 58 Wettkampf-Marathons gelaufen. Weitere kommen hinzu.

Aufgezeichnet von Jan-Felix Jasch.

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