Reimund Severiens verlor vor 20 Jahren seinen linken Arm und spielt heute aktiv Dart und Tischtennis "Nach dem Unfall hat der Sport mich abgelenkt"

Bremen. Der Sport hat Reimund Severiens über eine schwere Zeit in seinem Leben hinweggeholfen. Vor 20 Jahren verlor der Bahnarbeiter beim Rangieren seinen linken Arm. Dadurch waren für den passionierten Billard- und Tischtennisspieler, Angler und Motorradfahrer viele Hobbys nicht mehr möglich. Sport und Bewegung aufgeben wollte er aber auch nicht. Über seinen Bruder kam der heute 53-Jährige zum Dart, wo er inzwischen aktiv am Ligabetrieb in der Landesliga und auch an Deutschen Meisterschaften teilnimmt.
30.12.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Liane Janz

Bremen. Der Sport hat Reimund Severiens über eine schwere Zeit in seinem Leben hinweggeholfen. Vor 20 Jahren verlor der Bahnarbeiter beim Rangieren seinen linken Arm. Dadurch waren für den passionierten Billard- und Tischtennisspieler, Angler und Motorradfahrer viele Hobbys nicht mehr möglich. Sport und Bewegung aufgeben wollte er aber auch nicht. Über seinen Bruder kam der heute 53-Jährige zum Dart, wo er inzwischen aktiv am Ligabetrieb in der Landesliga und auch an Deutschen Meisterschaften teilnimmt.

"Ich habe mich damals den Bulldogs in der Neustadt angeschlossen und bin irgendwann zu einem Team in der Föhrenstraße gewechselt. Seit einigen Jahren spiele ich mit den Mad Eagles in der Vahrer Wache", erzählt Severiens. Das gemischte Team mit insgesamt 13 Mitspielern schloss sich aus zwei kleineren Teams zusammen und führt aktuell die Tabelle in der Landesliga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse, an. Den Ehrgeiz, mit dem Team in die Verbandsliga aufzusteigen, hat Reimund Severiens durchaus.

Ehrgeiz zeigt er auch, wenn es um die Ranglistenturniere geht. Insgesamt sechs dieser Turniere werden pro Saison gespielt. Wer am Ende unter den besten 16 steht, darf zur Deutschen Meisterschaft fahren. Zurzeit sind drei Ranglistenturniere absolviert, und Severiens belegt den 17. Platz. Zwar liegt ihm die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften nicht zwingend am Herzen, "aber ich bin auch zu ehrgeizig dafür, um irgendetwas einfach herzugeben", sagt er.

An Deutschen Meisterschaften hat er bereits zwei Mal teilgenommen, ist aber jeweils frühzeitig ausgeschieden. "Dort spielt die absolute Spitze Deutschlands mit. Und um da mithalten zu können, spiele ich einfach noch nicht lange genug", sagt Reimund Severiens.

Bis er den richtigen Dreh beim Dart raus hatte, dauerte es etwa zwei Jahre. Vor allem auf den Kopf und eine ruhige Hand käme es an: "Ich denke einfach zu viel - auch beim Tischtennis. Die ruhige Hand kann man trainieren, den Kopf nicht."

Dem Tischtennissport hält der Horner auch heute nach über 30 Jahren noch die Treue und fährt regelmäßig zum Training zum TuS Arsten. Darüber hinaus fährt er gern Alpin-Ski, hat für kurze Zeit Badminton gespielt und baut Modelleisenbahnen.

Auch bei der Bahn arbeitet er noch, allerdings nicht mehr im Schichtdienst. Dadurch bleiben ihm die Wochenenden zum Darten. Immerhin steht während der Saison, die von Herbst bis Frühjahr dauert, jede Woche ein Punktspiel an.

Reimund Severiens war von Jugend an ein sportlicher Mensch. "Nach dem Unfall hat der Sport mich abgelenkt." Für Reimund Severiens war der Sport zudem stets auch ein Weg, um unter Menschen zu kommen, soziale Kontakte zu pflegen oder neu zu knüpfen. Vor allem bei seinen Teamkameraden in Arsten fand er große Unterstützung. Noch heute spielt er dort mit denselben Leuten zusammen Tischtennis.

Über den Unfall zu reden, fällt ihm nicht schwer. "Meine Töchter waren damals im Kindergartenalter, und ihre Freunde dort haben natürlich viele Fragen gestellt. Von daher bin ich es gewöhnt", erklärt Reimund Severiens. Als Behinderung empfindet er das Fehlen seines linken Arms nicht - im Gegenteil: "Ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich es mir gar nicht mehr vorstellen kann, mit zwei Armen zu leben." Mit dem Sport weitermachen möchte er so lange es eben geht. "Ich nehme jeden Tag und schaue, was da kommt."

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