Jochen Brünjes geht in den Ruhestand

Der Herr über Bremens Sportanlagen

Fast ein halbes Jahrhundert hat Jochen Brünjes in der Verwaltung gearbeitet, jetzt ist er in den Ruhestand gegangen. Jedoch bleibt er, bis ein Nachfolger gefunden wird, noch für wöchentlich zehn Stunden im Amt.
18.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Freye
Der Herr über Bremens Sportanlagen

Er kennt in Bremen jede öffentliche Sportanlage: Jochen Brünjes hat sich in den Ruhestand verabschiedet, geht aber noch nicht so ganz.

Frank Koch

Die Antwort kommt freundlich, aber bestimmt. „Wir haben keine zehn Badeseen, es sind acht“, sagt Jochen Brünjes. In diesem Fall sollte man lieber nicht widersprechen, selbst wenn die Homepage des Bremer Sportamtes von „zehn Badeseen“ spricht. Dort werden nämlich auch die privat geführten Anlagen in Arbergen und Grambke aufgeführt. Als Badeseen im eigentlichen Sinne, also öffentlich und betrieben durch das Sportamt, gelten sie nicht. Das weiß keiner besser als Jochen Brünjes. Er war schließlich sehr lange zuständig. Für die Badeseen, einige Sportboothäfen und erst recht für zahlreiche Hallen und Plätze. Er war der Mann der Bremer Sportanlagen – bis er sich vor wenigen Tagen offiziell in den Ruhestand verabschiedete.

Es war ein Abschied nach fast 49 Jahren im öffentlichen Dienst. Begonnen hatte die Laufbahn von Jochen Brünjes am 1. August 1972. Nach einiger Zeit in der Senatskommission für das Personalwesen (Brünjes: „Die Verwaltung der Verwaltung“) und einer Ausbildung zum gehobenen Dienst war er 1985 zum Sportamt gekommen. Schon bald zählte der Sportbetrieb zu seinen Aufgaben, und so war Jochen Brünjes bis zuletzt dafür verantwortlich, den reibungslosen Betrieb der staatlichen Anlagen sicher zu stellen. Es bedarf wohl keiner Erwähnung, dass der mittlerweile 65-Jährige sehr gut informiert ist über die Sportstätten dieser Stadt. „Man muss sich dort ja regelmäßig blicken lassen“, sagt Brünjes. Fragt man Jochen Brünjes, wie das Abwassersystem der Bezirkssportanlage in Hemelingen funktioniert, dann ist er darüber ebenso im Bilde wie über die Stromleitungen auf der Tribüne in Obervieland oder die Wasseranschlüsse der Halle in Gröpelingen.

„Sicher kann man bei der Vielzahl immer noch mehr machen“

Man kann wohl mit sehr großer Sicherheit behaupten: Es gibt niemanden, der einen besseren Überblick besitzt über die Bremer Sportanlagen, als Jochen Brünjes. Und mit welchem Fazit verlässt er den Gegenstand seiner jahrzehntelangen Arbeit? „Die Anlagen sind in einem besseren Zustand als vielfach gesagt wird“, betont Brünjes. Er weiß natürlich, dass oft geredet wird über die Sportstätten der Stadt. Dann ist auch vom Sanierungsstau die Rede, von allenfalls mäßig gepflegten Rasenflächen und in die Jahre gekommenen Gebäuden. Es ist auch nicht so, dass Jochen Brünjes zu jeder Zeit glücklich war mit den Ergebnissen seiner Arbeit: „Sicher kann man bei der Vielzahl immer noch mehr machen.“ Aber der Fachmann möchte den Zustand „seiner“ Anlagen gern einordnen – und dazu gehört auch die Frage nach den finanziellen Möglichkeiten.

Diese Möglichkeiten hat sich Brünjes nicht selbst geschaffen. Er hatte nicht mal einen nachhaltigen Einfluss darauf. Das Sportamt ist nämlich abhängig davon, was die Politik vorsieht für die Anlagen. „Und wenn man weiß, wie viele Leute Sport treiben, dann bekommt der Sport verdammt wenig“, sagt Jochen Brünjes. Zuletzt umfasste sein Investitions-Etat für die Sportanlagen rund 1,8 Millionen Euro. Das ist eine stattliche Summe. Aber sie ist relativ. Allein ein Kunstrasenplatz benötigt 600.000 Euro, mindestens, er kann auch schnell deutlich teurer werden. Die Nachfrage der Vereine ist groß. In der Regel vermochte Jochen Brünjes jeweils ein künstliches Grün pro Jahr bauen zu lassen. Der Rest ging in die notwendigen Instandhaltungen der zahlreichen Anlagen. So gesehen sind selbst 1,8 Millionen nicht allzu viel. Jedenfalls findet Brünjes, dass allein das Kulturressort im Vergleich zum Sport „immer überproportional“ behandelt wurde.

Was die finanzielle Ausstattung betraf, musste Jochen Brünjes also oft das Beste aus den Möglichkeiten machen. Aber das galt für so viele andere Aufgaben ja auch. Etwa 1986, kurz nachdem er seinen Job angetreten hatte. Damals ereignete sich in Tschernobyl ein folgenschwerer Nuklearunfall, und der Fallout – also der radioaktive Niederschlag – beschäftigte auch Bremen. „Niemand wusste, was davon zu halten war, und so haben wir erst mal alle Sportanlagen gesperrt“, erinnert sich Brünjes. Die Begeisterung in den Vereinen hielt sich in Grenzen. Allerdings konnten die Plätze nach ausgiebigen Messungen schon bald wieder frei gegeben werden.

Asche-Plätze mussten umgerüstet werden

Länger beschäftigte das Thema Dioxin die Beteiligten – streng genommen bis heute. Zu Beginn der 1990er-Jahre war bekannt geworden, dass viele Asche-Plätze mit „Kieselrot“, einem dioxinbelasteten Material, gebaut worden waren. „Da haben wir dann auch von heute auf morgen alles sperren müssen“, so Brünjes. Und mit Messungen war es damals nicht getan: Die betroffenen Bereiche mussten mit Planen abgedeckt, eine Tragschicht und ein neuer Belag aufgebracht werden. Wenn das Sportamt nun – wie gerade in Rablinghausen – einen Kunstrasen baut, trifft es gelegentlich auf Flächen, die damals auf diese Weise „behandelt“ wurden.

Allerdings war Jochen Brünjes nicht nur als Krisenmanager gefragt. Die Kunstrasenplätze dürfen ja bis heute als Erfolgsstory gelten. Der erste entstand Mitte der 1990er-Jahre am Weserstadion, mit dessen Verwaltung Brünjes zwischen 1989 und 2005 auch noch beschäftigt war. Mittlerweile – weil ja nahezu jedes Jahr ein neuer Kunstrasen hinzu kam – sind es 35 der gerade im Winter beliebten Untergründe. Aber ganz ohne Probleme ging es auch beim Bau dieser Anlagen nicht: Irgendwann wurde klar, dass es keine gute Idee war, die Kunstrasen mit einem Gummi-Granulat zu versehen. „Wir hatten zum Glück schon ab 2011 nur noch mit Sand verfüllt“, sagt Jochen Brünjes. Noch immer sind aber zehn Kunstrasenplätze betroffen. Um eine Umweltbelastung mit Mikroplastik zu vermeiden, muss die Deckschicht samt Granulat ausgetauscht werden.

Eine umfassende Umrüstung der städtischen Flutlichtanlagen auf LED-Lampen ist das letzte große Projekt, mit dem Brünjes beschäftigt war – und auch noch sein wird. Denn bis ein Nachfolger gefunden ist, bleibt der Fachmann zumindest teilweise an Bord. Zweimal in der Woche, insgesamt zehn Stunden, wird sich Jochen Brünjes in den kommenden Monaten weiter um die Belange der Sportanlagen kümmern. Darunter befinden sich auch acht Badeseen.

Info

Zur Sache

Einen wesentlichen Teil der städtischen Sportstätten bilden die insgesamt 14 Bezirkssportanlagen mit zahlreichen Sportplätzen und insgesamt neun Hallen. Daneben betreibt das Sportamt aber auch 43 Einzelanlagen, die in der Regel weniger Sportplätze vorsehen und nur einem Verein zur Verfügung stehen. Schließlich zählen acht Badeseen und drei Wassersportboothäfen (Rönnebeck, Grohn und Hasenbüren) zum Bestand der Behörde. Insgesamt, also inklusive der vereinseigenen Anlagen, gibt es im Gebiet Bremen und Bremen-Nord 114 Naturrasenplätze, 35 Kunstrasenplätze und 21 Ascheplätze. Sie sind zum Teil mit Leichtathletikanlagen ausgestattet, umfassen also eine Laufbahn sowie Sprung- und Wurfanlagen. Daneben wird Sport getrieben in 135 kleinen und 31 großen Hallen. Diese werden zum Großteil von der Schulbehörde unterhalten und verwaltet.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+