Über Alba Berlin und TBB Trier heuert der Bremer Philip Zwiener in Bremerhaven an Nächste Etappe der Traumreise

Bei der BTS Neustadt hat er das Basketballspielen erlernt, den TSV Lesum-Burgdamm bezeichnet er als seinen Glücksfall, mit Alba Berlin wurde er 2008 deutscher Meister – und gestern war Philip Zwiener auf Antrittsbesuch bei seinem neuen Arbeitgeber, den Eisbären Bremerhaven.[GRUNDTEXT]
15.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Nächste Etappe der Traumreise
Von Jörg Niemeyer

Bei der BTS Neustadt hat er das Basketballspielen erlernt, den TSV Lesum-Burgdamm bezeichnet er als seinen Glücksfall, mit Alba Berlin wurde er 2008 deutscher Meister – und gestern war Philip Zwiener auf Antrittsbesuch bei seinem neuen Arbeitgeber, den Eisbären Bremerhaven.[GRUNDTEXT]

Bremerhaven. "Den Wind habe ich fast ein bisschen vermisst", sagt Philip Zwiener. Es ist ein zugiges Plätzchen, an dem die Eisbären Bremerhaven ihren neuen Hoffnungsträger präsentieren. Hoch oben auf der Plattform des Sail City Hotels, mit Blick auf die Eisbären im Zoo, den Alten Hafen und die offene See, posiert der 26-Jährige geduldig für die vielen Kameraleute. "Soll ich was machen?", fragt er. "Vor allem nicht springen", schallt es zurück. "Philip, der nächste": Pressechef Boris Butschkadoff schickt dem Nationalspieler noch einen Mikrofonträger. Das Medieninteresse ist für Eisbären-Verhältnisse kolossal. Die Touristen sind klar in der Minderheit – für sie ist es heute vielleicht auch zu kalt.

In Trier, wo Philip Zwiener die letzten zwei Jahre bei der TBB unter Vertrag gestanden hatte, war es vergleichsweise windstill. Gute Bedingungen, um sich wohlzufühlen und ungestört entwickeln zu können – für einen, der zuvor in der Riesenstadt Berlin beim Topklub Alba fünf Jahre das Gegenteil von Ruhe erlebt hatte. Auch wenn in den vergangenen drei Jahren Bamberg die nationale Nummer eins ist: Alba ist immer noch die Adresse im deutschen Basketball. "Dort war es nicht immer leicht für mich", sagt Philip Zwiener, "aber dort habe ich viel gelernt." Alba war die erste Profistation des Jungen aus Bremen, der mit 19 Jahren, ein bisschen Zweitliga-Erfahrung bei den Bremen Roosters, aber auch als Stammspieler der U20-Nationalmannschaft in die Hauptstadt auszog, um seinen Traum zu verwirklichen.

In Berlin spielte Zwiener mit vielen Stars; dort erlebte er sein "Superjahr 2008" mit vielen eigenen Spielanteilen, dem Gewinn der deutschen Meisterschaft und der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking mit dem Nationalteam. In Berlin erlebte Zwiener jedoch auch seine schwersten Stunden. "Da herrscht viel Druck. Es läuft nicht immer rund", sagt er zurückblickend auf die Zeit, als er bestenfalls zu Kurzeinsätzen, häufig aber überhaupt nicht zum Einsatz kam. "Auch in solchen Momenten musst du weiter an dich glauben – auch in solchen Situationen habe ich weiter hart an mir gearbeitet."

Doch selbst diesen Tiefpunktzeiten gewinnt Zwiener viel Positives ab: Er konnte auf sein privates Umfeld vertrauen, und er bekam große Unterstützung von seinen Mannschaftskameraden. "Steffen Hamann oder Patrick Femerling haben sich extrem um mich gekümmert", sagt der neue Eisbär – dankbar für aufrichtige Hilfe und gemachte Erfahrungen.

Der Trainer, der Zwiener vor sieben Jahren nach Berlin geholt hatte, heißt Henrik Rödl. Und als der Alba 2010 in Richtung Trier verließ, nahm er seine Entdeckung gleich mit. "Der Schritt war genau das Richtige", sagt der Flügelspieler, "ich wollte zeigen, dass ich noch spielen kann und nicht auf die Bank gehöre." Die Trierer Basketball GmbH, in der unteren Tabellenhälfte der Bundesliga angesiedelt, gab Zwiener den nötigen Raum zur Entfaltung. Er übernahm Führungsaufgaben, wurde in seiner ersten Saison zweitbester und im Vorjahr sogar bester Schütze seines Teams.

Die Rolle des Leistungsträgers machte ihm Spaß – doch das sollte nicht alles sein. "Es war Zeit für den nächsten Schritt", sagt er. Eisbären-Manager Jan Rathjen, glücklich über die Verpflichtung des Nationalspielers, konkretisiert das: "Bei Alba hat er in einem großen Klub wenig gespielt, in Trier in einem vergleichsweise schwächeren Team viel – jetzt bei uns in einem ambitionierten Klub viel zu spielen, muss der nächste Schritt sein." Bremerhaven will wieder unter die besten Acht der Bundesliga, will wieder in die Play-offs – und das will Philip Zwiener auch. "Wir kennen uns lange, haben schon früh miteinander verhandelt – in unseren Planungen für die neue Saison ist er ein Eckpfeiler", sagt Rathjen. Dass der Neue als Bremer aus der Region kommt und deshalb für zusätzliche Bindungen zwischen Eisbären und Hansestadt sorgen könnte, nimmt der Manager als möglichen Zugewinn gern mit.

Philip Zwiener freut sich auf die Rückkehr in seine alte Heimat, zu der der Kontakt natürlich nie abgerissen war. Er wird in Bremerhaven wohnen, aber wieder regelmäßig in Bremen sein. Er möchte mit den Eisbären Erfolg haben und vorher schon mit der Nationalmannschaft. Lehrgänge stehen an, dann im August EM-Qualifikationsspiele. "Hoffentlich bin ich dabei", sagt Zwiener.

Warum nicht? 2005, vor seinem Wechsel zu Alba, hatte er im Interview mit dieser Zeitung auf die Frage nach seinem sportlichen Traum geantwortet: "Nicht nur im Kader einer Erstliga-Mannschaft zu stehen, sondern in der ersten Liga auch wirklich zu spielen – und damit Basketball-Profi zu sein." Sichtlich gerührt, las Philip Zwiener gestern das Interview. Sein Traum ist tatsächlich in Erfüllung gegangen.

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