Bislang ist nur die Abwehr so besetzt, wie Werder es sich wünscht /Allofs bestätigt Interesse an Calhanoglu Neue Konkurrenten gesucht

Seit dieser Woche leugnet Werder-Chef Klaus Allofs nicht mehr, dass der Verein Eljero Elia von Juventus Turin sowie das Talent Hakan Calhanoglu aus Karlsruhe verpflichten möchte. Neuzugänge scheinen auch geboten. Den gewünschten Konkurrenzkampf auf hohem Niveau gibt es bislang nur in der Innenverteidigung.
07.07.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Neue Konkurrenten gesucht
Von Olaf Dorow

Seit dieser Woche leugnet Werder-Chef Klaus Allofs nicht mehr, dass der Verein Eljero Elia von Juventus Turin sowie das Talent Hakan Calhanoglu aus Karlsruhe verpflichten möchte. Neuzugänge scheinen auch geboten. Den gewünschten Konkurrenzkampf auf hohem Niveau gibt es bislang nur in der Innenverteidigung.

Bremen. Die Stars der Bundesliga sind immer auch in Bremen zu Hause gewesen, aber dieser Sommer hat da doch einiges durcheinandergebracht. Tim Wiese ist weggegangen, Marko Marin und Claudio Pizarro ebenso. Doch es gibt sie immer noch hier, die Bundesliga-Stars und die eventuellen Bundesliga-Stars, auch wenn man sich da, ungewöhnlich genug für Bremen, vorwiegend in den Abwehrreihen umschauen muss. Der EM-Viertelfinalist Theodor Gebre Selassie wurde verpflichtet, die Innenverteidiger Naldo und Sokratis haben längst einen Namen in der Liga.

Die Innenverteidigung ist allerdings auch der einzige Sektor, in dem der Konkurrenzkampf so toben könnte, wie er toben sollte. Werder, im Umbruch begriffen und zum Sparen gezwungen, will nach zwei mageren Jahren unbedingt zurück in den internationalen Wettbewerb. Konkurrenz im Kader ist dafür eine Grundvoraussetzung. Gemeint ist eine Konkurrenz auf hohem Niveau. Im Abwehrzentrum will Naldo und soll Sokratis bleiben. Sebastian Prödl hat sich für eine Vertragsverlängerung entschieden und will angreifen. "Ich weiß, was ich kann, wenn ich fit bin", sagt er. Es würde nichts gegen "einen offenen Konkurrenzkampf sprechen".

Assani Lukimya will auch noch eingreifen. Er kommt zwar aus der zweiten Liga, aber er war in der zweiten Liga bei Fortuna Düsseldorf einer der Besten auf seiner Position. "Wenn ich mir die erste Liga nicht zugetraut hätte, hätte ich diesen Schritt nach Bremen sicher nicht gemacht", sagt er. Er sei sich sicher, "dass es ein fairer Kampf um die Stammplätze werde. In dem ein fünfter Innenverteidiger erstmal nicht mitmischt. Einerseits ist Francois Affolter hintendran (siehe "Werder aktuell"), andererseits nicht da, weil bei Olympia.

Die für den Club geradezu luxuriöse Situation in der Innenverteidigung geht einher mit weit weniger Luxus und Qualität in den Sektoren Mittelfeld und Angriff. "Wir werden garantiert noch zwei Spieler holen, vielleicht auch noch mehr", sagte Werder-Manager Klaus Allofs gestern. Dabei soll der Kader nicht unbedingt erweitert, sondern eher aufgepeppt werden. "Wir werden sicher nicht mit 30 Spielern in die Saison gehen", sagte Allofs. Kandidaten für eine mögliche Ausleihe oder einen Sommertransfer nannte er auch: Denni Avdic, Predrag Stevanovic, Felix Kroos.

Was die Namen für die zwei Spieler anbelangt, die kommen werden, gibt es auch zwei Kandidaten: Eljero Elia von Juventus Turin und Hakan Calhanoglu vom Karlsruher SC. Seit dieser Woche dementiert Allofs das Bremer Interesse nicht mehr. Mit dem Spieler und dem Berater sind wir auf einem guten Weg", sagt er zu den Bemühungen, den ehemaligen HSV-Star Elia in Turin loszueisen. "Ich würde das als nicht aussichtslos bezeichnen", sagt Allofs. Problem: die Forderung von Juve. Angeblich fordert der italienische Meister mehr als sieben Millionen Euro Ablösesumme für den 25-jährigen Holländer, der einst gemeinsam mit Marko Arnautovic in Enschede eine Art Flügelzange bildete. Juve setzte ihn in der abgelaufenen Saison lediglich viermal ein. "Die Bedingungen, die gestellt werden, kommen für uns nicht infrage", sagt Allofs. Was infrage kommt, will er so nicht öffentlich machen, er sagt öffentlich nur: "Es ist die Frage, wie so ein Paket aussieht." Angeblich bevorzugt Werder, wie in vielen Fällen, ein Leihgeschäft mit Kaufoption. So etwas hatte sich der Club zuletzt zum Beispiel im Fall des Bayern-Angreifers Nils Petersen gewünscht. Bayern kam dem Wunsch nicht nach.

Auch im Fall des 18-jährigen Deutsch-Türken Hakan Calhanoglu hakt es zwischen den Vereinen, nicht zwischen Spieler und Verein. "Er ist ein Spieler mit großen Fähigkeiten, er möchte gern zu Werder", sagt Allofs. Die "Dinge, die da zu regeln wären, die wären kein Hindernis", sagt er. Karlsruhe, gerade abgestiegen in die dritte Liga, fordert angeblich drei Millionen Euro für sein Edeltalent – und kokettiert wohl auch ein wenig mit dem angeblichen Interesse des FC Bayern an dem Spieler. Bayerns neuer Sportchef Matthias Sammer soll als DFB-Sportdirektor einst versucht haben, Calhanoglu von den Vorzügen einer deutschen Jugendauswahl zu überzeugen. Der Umworbene entschied sich allerdings für die U 19 der Türkei.

"Das Bremer Angebot können wir so nicht akzeptieren", sagte gestern der KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer, "wir liegen da noch ziemlich auseinander." Kreuzer legt Wert darauf festzustellen, dass Calhanoglu zwar "herausragende" Fähigkeiten habe, der KSC aber aus finanzieller Sicht nicht wirklich gezwungen sei, ihn abzugeben. Allofs legt Wert darauf festzustellen, dass Calhanoglu von seinem Potenzial ein wenig an den jungen Özil erinnert, dieser aber schon einen Schritt weiter gewesen wäre, als er damals vom FC Schalke 04 nach Bremen wechselte. Zumindest in Karlsruhe würde das aber so gesehen, dass Calhanoglu das Zeug zum nächsten Özil habe. Nur wenn es für Werder sinnvoll und finanziell vertretbar erscheine, würde man den Transfer umsetzen. Karlsruhe hatte zuletzt den Vertrag des 18-Jährigen bis zum Jahr 2016 verlängert.

Es sind die gewohnten Muskel- und Pokerspielchen, die so oft einem Transfer vorausgehen. Allofs hatte, um im Bild zu bleiben, zuletzt nicht so viel Glück beim Pokern wie früher, als zum Beispiel Diego der neue Micoud oder Özil der neue Diego werden sollte – und sie es dann auf ihre Weise auch tatsächlich wurden. Aber vielleicht kommt das Glück in diesem Spiel ja nun im Fall Calhanoglu zurück. Oder im Fall Elia. Oder in beiden Fällen.

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Bislang ist nur die Abwehr so besetzt, wie Werder es sich wünscht /Allofs bestätigt Interesse an Calhanoglu

Zitat:

"Das Bremer Angebot

können wir so

nicht akzeptieren."

Oliver Kreuzer zum Fall Calhanoglu

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