"Bunte Liga" und Schiedsrichter Bremen setzt bei der Inklusion neue Maßstäbe

Im kommenden Jahr gibt es eine "Bunte Liga" und eine eigene Schiedsrichter-Ausbildung für Menschen mit Behinderung. Der Bremer Fußball-Verband wird in Kooperation mit dem SV Werder zum Vorbild auf dem Gebiet.
29.11.2021, 13:26
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Bremen setzt bei der Inklusion neue Maßstäbe
Von Jean-Julien Beer

Schon die Idee war gut, die Umsetzung könnte nun aber geradezu großartig werden: Weil es auch in Bremen und umzu viele Fußballer und Fußballerinnen mit Behinderung gibt, aber keinen dazu passenden Ligabetrieb, möchte der Bremer Fußball-Verband (BFV) in Zusammenarbeit mit dem SV Werder eine „Bunte Liga“ an den Start bringen, in der Menschen mit und ohne Behinderung in allen Altersklassen miteinander Fußball spielen können.

Ursprünglich sollte es schon in diesem Jahr losgehen, wegen der Pandemie wurde der Beginn nun auf 2022 verschoben – was der Idee jedoch nicht geschadet hat, sondern eher genützt: Denn inzwischen haben sich bereits mehr als 20 Vereine oder Mannschaften angemeldet. Weil Bremen mit der neuen Liga Maßstäbe im Bereich der Inklusion setzt, kommen die Teilnehmer nicht nur von der Weser: Auch aus Hamburg und Nordrhein-Westfalen haben bereits mehrere Teams ihre Teilnahme zugesagt und nehmen die weite Anreise auf sich, weil bei ihnen daheim ein vergleichbares Angebot noch fehlt. „Wer Lust hat, kann sich weiterhin gerne bei uns anmelden“, sagt der Inklusionsbeauftragte des Bremer Fußball-Verbandes, Christoph Schlobohm.

Der Start der „Bunten Liga“ ist für den 23. April vorgesehen, die weitere Entwicklung der Pandemie muss natürlich abgewartet werden. Es soll auf das Jahr verteilt vier Turnierspieltage in Bremen geben. Der SV Werder ist einer der mehr als 20 Teilnehmer, wird aber mit mehreren Teams dabei sein. Gespielt wird in drei Altersgruppen: Minis (bis zwölf Jahre), Maxis und Erwachsene – wobei nicht das echte Alter, sondern das Entwicklungsalter berücksichtigt wird. „Unsere Wunschvorstellung wäre, dass man irgendwann die drei Altersklassen noch in je drei Gruppen unterteilen kann: stark, schwach, mittel, um für mehr Leistungsgleichheit zu sorgen“, sagt Schlobohm.

Wichtiger ist ohnehin, dass es zwar ein sportliches Gegeneinander gibt, die Liga aber vor allem ein buntes Miteinander sein soll. „Wir schließen niemanden aus“, betont Schlobohm, „bei uns können alle mitspielen.“ Das gilt auch für Menschen mit Lerneinschränkungen oder Übergewicht, im Prinzip für alle, die sich in anderen Mannschaften nicht wohlfühlen. Auch Rollstuhlfahrer sind dabei, die wenn nötig von Betreuern auf dem Spielfeld geschoben werden. Weil die neue Liga inklusiv ist, sollen auch „Menschen mit Behinderung mit Menschen ohne Behinderung in einem Team spielen“, erklärt Schlobohm, „wichtig ist uns und den Trainern nur, dass beim Sport die Kinder und Erwachsenen mit Behinderung im Vordergrund stehen und genügend Spielanteile haben.“ Auch sehbeeinträchtigte Kinder machen mit, ihre Spiele werden mit einem Rasselball ausgetragen.

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Was das Projekt des BFV zusätzlich besonders macht: Es soll auch eine Schiedsrichterschulung für Menschen mit geistiger Behinderung geben. Ursprünglich sollten schon vor Weihnachten sechs Schiedsrichter in Bremen und beim schleswig-holsteinischen Partnerverband in Malente ausgebildet werden, wegen der stark gestiegenen Corona-Fallzahlen wurde das nun aufs kommende Jahr verschoben. Die Schiedsrichter werden mit allen geltenden Regeln ausgebildet und sollen zunächst bei Inklusions-Events die Spiele leiten. Wie bei den anderen Schiedsrichtern soll es aber auch Chancen zum Aufstieg geben, wenn sich ein Kandidat dafür anbietet. Dann könnte dieser Schiedsrichter auch Jugendspiele pfeifen. Andere Verbände aus dem Bundesgebiet haben bereits angefragt, ob sie die Unterlagen für diese Schiedsrichterschulung bekommen können.

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