Hockey

Nico Stankewitz erhält keinen neuen Vertrag

Der Club zur Vahr trennt sich zum 1. April 2020 von seinem Sportdirektor und Frauentrainer. Die Hockeyabteilung sucht bereits nach einem Nachfolger.
13.11.2019, 17:21
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Nico Stankewitz erhält keinen neuen Vertrag
Von Frank Büter
Nico Stankewitz erhält keinen neuen Vertrag

Sein Vertrag läuft aus: Nico Stankewitz und der Club zur Vahr gehen ab April getrennte Wege. Die Hockeyabteilung sucht bereits nach einem Nachfolger für den Sportdirektor, der als Trainer auch den kompletten Frauen- und Mädchenbereich verantwortet hat.

Frank Thomas Koch

Da saßen sie nun also zusammen. Carl-Lambert Leisewitz, der Vorsitzende der Hockey-Abteilung des Clubs zur Vahr (CzV), Stefan Gläbe als Verantwortlicher für den Erwachsenen- und Leistungsbereich beim CzV und Sportdirektor Nico Stankewitz. Dieses Treffen war lange zuvor vereinbart worden. Schon bei Unterzeichnung des auf drei Jahre fixierten Vertrages mit dem Sportdirektor hatte man sich darauf verständigt, sich rechtzeitig vor Ablauf der Befristung zusammenzusetzen, um zu schauen, ob und wie es im Anschluss weitergeht. Dieses Gespräch dauerte dann nur wenige Minuten, da war allen Beteiligten klar: Hier wird nicht über eine mögliche Vertragsverlängerung geredet, sondern über die Trennung. Der bis Ende März 2020 laufende Vertrag mit Nico Stankewitz wird nicht verlängert, der Klub sucht bereits nach einem Nachfolger.

Wo will der Club zur Vahr hin? Wie soll konzeptionell und strukturell künftig gearbeitet werden? Die Auffassungen der Beteiligten darüber lagen weit auseinander, Nico Stankewitz spricht sogar von „extrem unterschiedlichen Positionen“. Und ohne ins Detail gehen zu wollen, sagt er auch: „Ich persönlich war nicht zufrieden, so hätte ich auch nicht weitermachen wollen.“ Auf das Gesprächsklima hatte dies alles keine Auswirkungen, die Atmosphäre bei diesem Treffen sei freundschaftlich gewesen, sagt Stankewitz, „es war ein angenehmer Gedankenaustausch“.

Auch Stefan Gläbe bleibt bei dieser Thematik „ganz entspannt“. Man habe seinerzeit bewusst einen Drei-Jahres-Vertrag abgeschlossen – und nun wolle man sich eben personell neu aufstellen und neue, frische Impulse setzen. „Das ist ein normaler Prozess“, sagt Gläbe. Der 48-Jährige ist derweil voll des Lobes über die Arbeit des im Frühjahr scheidenden Sportdirektors. „Nico Stankewitz hat wirklich einen tollen Job gemacht. Wir sind ihm sehr dankbar, dass er in einer echt unruhigen und schwierigen Zeit zu uns gekommen ist und die Dinge in die richtige Richtung gelenkt hat“, sagt Gläbe.

Der März 2017 war in der Tat ein sehr turbulenter Monat gewesen für die Hockey-Abteilung des Clubs zur Vahr. Der Vorstand hatte gewechselt, für die bisherigen Amtsinhaber Thomas Kloss und Thomas Semrau rückten Carl-Lambert Leisewitz als Vorsitzender und Tobias Haas als Stellvertreter nach, neues Vorstandsmitglied für den Leistungs- und Erwachsenenbereich wurde Stefan Gläbe. Es war eine Phase gravierender personeller Änderungen, in die auch die Trennung vom damaligen Sportlichen Leiter Robert Willig und von Herren-Cheftrainer Wolfram von Nordeck fiel, der seinen Vertrag von sich aus gekündigt hatte.

„Zu der Zeit haben wir genau diese Erfahrung gebraucht, die Nico Stankewitz besitzt, um uns als Verein besser aufzustellen“, sagt Gläbe. Die beiden kennen sich seit gut 30 Jahren, früher haben sie sogar zusammen in einem Team gespielt – und zwar beim Club zur Vahr. Stankewitz ist wie Gläbe ein echter Vahraone, ein Mann mit Stallgeruch sozusagen. Der Club war und ist eine Herzensangelegenheit für Stankewitz, „das ist mein Heimatverein“, sagt er. Von 1996 bis 2001 war er hier schon einmal als Trainer im Frauenbereich tätig gewesen. Und nach weiteren Stationen unter anderem in München, beim Stadtrivalen Bremer HC und beim Marienburger SC in Köln, wo Stankewitz jeweils auch in leitenden Positionen gearbeitet hat, kehrte er im Frühjahr 2017 also zum CzV zurück. Diesmal in noch exponierterer Stellung, nämlich als Sportdirektor und Cheftrainer für den Frauen- und Mädchenbereich.

Den Titel Sportdirektor habe er eigentlich nicht so wirklich gemocht, sagt Nico Stankewitz, „das klingt zu sehr nach einem Klaus Allofs“. Er sah sich beim Club zur Vahr eher als Organisationsleiter – und da gab es für ihn reichlich zu organisieren. Bei zuletzt 31 Mannschaften im Spielbetrieb sei das ein sehr zeitaufwändiger Job gewesen, schildert Stankewitz. Und zwar an sieben Tagen in der Woche. „Eigentlich mache ich hier zwei Jobs, Trainer und Sportdirektor“, sagt er. „Das kann man mal machen, aber das geht so nicht weiter. Da ist eine Grenze erreicht!“ Besagte Grenze ist nun absehbar – und darüber sei er auch ein wenig erleichtert.

Ende März trennen sich die Wege von Stankewitz und dem Club zur Vahr. Vorher hat der Chefcoach aber noch einiges vor, gerade in sportlicher Hinsicht. „Ich will noch nicht zurückblicken“, sagt Stankewitz. Er will sich voll auf die anstehende Saison in der Hallen-Regionalliga der Frauen konzentrieren, die am Wochenende startet. Was danach kommt? Stankewitz weiß es noch nicht, dafür, sagt er, sei die Entwicklung noch zu frisch. Aber ja: Es gebe bereits erste Anfragen, in der Szene sei schließlich bekannt, dass sein Vertrag auslaufen würde. Das Engagement beim Club zur Vahr war für ihn „ein Projekt auf Zeit“, nun hoffe er auf ein spannendes Projekt im norddeutschen Raum. Denn so viel ist klar: „Ich bleibe in Bremen und werde meinen Lebensmittelpunkt nicht mehr verlegen.“

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