Deutsche Basketballer unterliegen Kroatien Nowitzki: "Haben gesehen, dass wir noch viel verbessern müssen"

Die Vorfreude der 9375 Zuschauer in Bremen auf die gemeinsame Deutschland-Premiere der NBA-Stars Dirk Nowitzki, Dennis Schröder und Tibor Pleiß war riesig, der Gegner prominent, aber die Leistung des deutschen Basketball-Teams enttäuschend.
17.08.2015, 08:52
Lesedauer: 3 Min
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Nowitzki:
Von Jörg Niemeyer

Die Vorfreude der 9375 Zuschauer in Bremen auf die gemeinsame Deutschland-Premiere der NBA-Stars Dirk Nowitzki, Dennis Schröder und Tibor Pleiß war riesig, der Gegner prominent, aber die Leistung zumindest des deutschen Basketball-Teams enttäuschend: Nach dem knappen 72:74 am Freitag in Kroatien musste sich die Mannschaft von Bundestrainer Chris Fleming in der ÖVB-Arena bei der Revanche glatt mit 63:80 (27:39) geschlagen geben. „Wir haben gesehen, dass wir eine Menge verbessern müssen“, sagte Dirk Nowitzki nach einem auch für ihn persönlich unbefriedigenden Arbeitstag.

Gut 25 Minuten stand Deutschlands bester Basketballer in seinem zweiten Länderspiel nach fast vierjähriger Pause auf dem Feld, doch es sollte ihm wenig gelingen. Der 37-Jährige markierte insgesamt nur sieben Punkte, so wenig waren es im Nationaltrikot zuletzt vor zwölf Jahren. Dabei verlief der Auftakt für das erwartungsvolle Publikum noch genial: Gleich den ersten Angriff beendete Nowitzki von außen mit einem Wurf zum 2:0. Als der seit Donnerstag für Deutschland spielberechtigte Anton Gavel den zweiten Angriff mit einem Dreier zum 5:0 abschloss und kurz darauf Dennis Schröder zwei Freiwürfe zum möglichen 7:0 erhielt, war so richtig Stimmung unterm Hallendach. Doch der 21-Jährige vergab beide Versuche.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen konnte: Es war nur der erste Dämpfer für den Gastgeber und seine Fans. Denn ab dem Ende des ersten Viertels bis zum Schluss der Partie lief die deutsche Mannschaft den Gästen eigentlich nur noch hinterher. „Erst haben wir als Team keinen Rhythmus gefunden – und dann keine Geduld gehabt“, lautete Flemings Kurzanalyse des EM-Vorbereitungsspiels. Um dann zu präzisieren: „Wir hatten im zweiten Viertel Probleme gegen die 3:2-Zonenabwehr der Kroaten – und haben uns davon nie mehr erholt.“

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Die Fehlerkette der Gastgeber in der ersten Halbzeit war lang: Sie verwandelten nur sieben von zwölf Freiwürfen und nur vier von 13 Dreierversuchen. Dazu kamen etliche Ballverluste und mit zunehmendem Spielverlauf immer größere Probleme in der Abwehr. Nach Maik Zirbes Dunking zum 16:9 kassierten die Deutschen in der Schlussminute des ersten Viertels noch sechs Punkte zum 16:15.

Nowitzkis Fehlwurf leitete ein desolates zweites Viertel ein und führte beim 16:18 prompt zum ersten Rückstand. Die Deutschen verbuchten in den zweiten zehn Minuten magere elf Punkte, weil sie gegen die Zonendeckung der Kroaten kein Mittel fanden, schlecht schossen und den Gästen einfache Punkte gestatteten. Beim 27:39 zur Pause deutete nichts darauf hin, dass sich die Kräfteverhältnisse ändern sollten.

Symptomatisch fürs Spiel die Szene in der 24. Minute: Weit und breit war kein Gegner in der Nähe, aber Dennis Schröder und Maik Zirbes störten sich beim freien Defensiv-Rebound so energisch, dass sie beide den Ball nicht zu fassen bekamen. Statt Ballbesitz für die Deutschen also Einwurf für die Kroaten, die umgehend auf 47:34 erhöhten. Vereinzelt kamen sogar Pfiffe von den Rängen. Das Bemühen war den Deutschen zwar zu keinem Zeitpunkt abzusprechen, aber die Erträge blieben aus. Dabei gab das Publikum immer noch alles: Nachdem Niels Giffey mit zwei Freiwürfen und Tibor Pleiß per Dunking zum 41:53 (29.) getroffen hatten, hallten „Deutschland-Deutschland“-Rufe durchs weite Rund – und verstummten Sekunden später nach Fehlpass von Alex King. Fünf weitere Zähler der Gäste erstickten den letzten Hoffnungsfunken auf den Rängen.

„Kroatien war eine Nummer besser als wir“, sagte Dirk Nowitzki, der sechs Minuten vor Schluss endgültig das Feld verließ. Er erhielt deutlich weniger Applaus als kurz darauf Dennis Schröder, der, wenn schon als Mannschaft wenig zusammenlief, immerhin allein großen Drang zum gegnerischen Korb zeigte. Kein Zufall, dass bei den Deutschen nur der 21-Jährige zweistellig punktete (19) und damit bester Schütze der Partie wurde.

„Auch Niederlage Teil des Prozesses“

Chris Fleming wollte die Niederlage auf dem Weg zur Europameisterschaft vom 5. bis 20. September nicht überbewerten. Trotz der schwachen Leistung werde er „auch heute gut schlafen“. Auftritte wie in Bremen seien Teil des Prozesses, in dem sich sein Team derzeit befinde. Bis zum EM-Auftakt, den die Deutschen als Gastgeber einer Vorrundengruppe am 5. September in Berlin gegen Island bestreiten, steht noch eine Reihe von weiteren Testspielen an. Die benötigt der Bundestrainer allerdings auch dringend, um die nach und nach zum Team gestoßenen Dennis Schröder, Tibor Pleiß, Dirk Nowitzki und schließlich auch Anton Gavel zu integrieren.

Trotz der Niederlage zeigte sich auch Dirk Nowitzki gelassen – und durchaus zufrieden. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach dem zweiten Spiel schon relativ gut rauf- und runterkomme“, sagte er. Bis zur EM habe die Mannschaft noch mehr als zwei Wochen Zeit, um sich einzuspielen. Erst einmal freuen sich die Spieler aber auf zwei freie Tage zu Hause. Am Mittwoch trifft sich das Team dann in Hamburg, wo am kommenden Wochenende der Supercup mit schweren Partien gegen Lettland, Polen und die Türkei ansteht.

Deutschland: Vargas, Lo, Giffey (7), King (4), Schaffartzik (6), Tadda, Pleiß (4), Nowitzki (7), Schröder (19), Zipser (8), Gavel (4), Zirbes (4), Voigtmann.

Kroatien: Tomic (4), Rudez (11), Stipevic (8), Bogdanovic (3), Saric (2), Tomas (10), Ukic (3), Simon (11), Lafayette, Zubcic (3), Bilan (5), Zoric (16), Hezonja (4).

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