OT Bremen

Eine schwere Anfangszeit liegt hinter dem neuen Vorstand

Nach der gescheiterten Verschmelzung mit der SG Arbergen-Mahndorf hat OT seit drei Monaten eine komplett erneuerte Führungsriege. Die sieht nach anstrengenden Wochen inzwischen zuversichtlich in die Zukunft.
23.11.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Eine schwere Anfangszeit liegt hinter dem neuen Vorstand
Von Jörg Niemeyer
Eine schwere Anfangszeit liegt hinter dem neuen Vorstand

Wegen Corona äußerlich mit gebührendem Abstand zueinander, innerlich aber in ihren Vorstellungen und Zielen ganz nahe zusammen: der neue OT-Vorsitzende Daniel Ritzel (links) und das Vorstandsmitglied für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, Patrick Malinowski.

Frank Koch

Platz haben sie genug in der Geschäftsstelle des TSV Osterholz-Tenever (OT Bremen). Mehrere Schreibtische stehen wie in einem Großraumbüro hintereinander, auf der anderen Seite des Raumes laden ein großer Tisch zu Besprechungen und eine kleine Schale mit Süßigkeiten zum Naschen ein. Was auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist: Es gibt in der Geschäftsstelle noch ein paar Probleme. Das größte ist seit dem 1. November gelöst. Seit diesem Tag hat OT wieder eine bezahlte Mitarbeiterin, die sich in 30 Stunden pro Woche um die Belange des Vereins kümmert.

„Natürlich muss unsere Mitarbeiterin jetzt erst mal Zeit bekommen, um sich einzuarbeiten“, sagt der OT-Vorsitzende Daniel Ritzel, „sie soll das Gesicht unseres Vereins werden.“ Ritzel und sein Vorstandskollege für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, Patrick Malinowski, sind selbst noch nicht viel länger in ihren Ämtern tätig. Erst am 24. August sind sie mit vier weiteren Kollegen als neuer OT-Vorstand gewählt worden. Ihre Vorgänger hatten sich für eine Verschmelzung mit der SG Arbergen-Mahndorf zur SG Bremen-Ost stark gemacht und nach gescheiterten Abstimmungen bei OT den Klub verlassen.

Interview mit dem neuen Vorstand von OT Bremen - Daniel Ritzel und Patrick Malinowski

Daniel Ritzel hofft, dass die OT-Mitglieder trotz Corona-Krise dem Verein die Treue halten.

Foto: Frank Koch

„Wir haben inzwischen schon einen guten Überblick über die Lage des Vereins“, sagt Daniel Ritzel. „Anfangs waren es extreme Anstrengungen für uns“, ergänzt Patrick Malinowski, „der neue Vorstand musste komplett bei Null anfangen.“ Und dieser Einstieg erfolgte unter zusätzlich erschwerten Bedingungen, da die etablierte 30-Stunden-Kraft in der Geschäftsstelle langfristig ausgefallen war und deren 20-Stunden-Kollegin am Tag der Vorstandswahl gekündigt hatte.

Mittlerweile wissen die Vorstandsmitglieder, worauf sie sich eingelassen haben. Die größte Baustelle, die Vakanz in der Geschäftsstelle, ist geschlossen, derzeit läuft zur Unterstützung der Mitarbeiterin bereits die Ausschreibung für eine zweite Kraft auf Basis eines Minijobs. Und die nächsten Investitionen zeichnen sich auch ab. „Die EDV-Anlage in der Geschäftsstelle ist veraltet“, sagt Patrick Malinowski. Außerdem benötigen einige Abteilungen neue Geräte, und in der vereinseigenen Mehrgenerationenhalle sei ein Wartungsstau zu erkennen.

Trotz der Corona-Pandemie sei bis jetzt aber keine finanzielle Notlage eingetreten, sagt Daniel Ritzel zufrieden. Im Frühjahr habe OT die finanzielle staatliche Hilfe in Anspruch genommen, derzeit sei das aber nicht erneut geplant. „Das beruhigt uns, aber wir werden wohl erst 2021 sehen, wo wir tatsächlich stehen“, sagt der Vorsitzende. Seit Anfang 2020 habe OT etwa 300 Mitglieder verloren – diese Zahl stand schon im Raum, als der alte Vorstand noch im Amt war. Etwa 1800 Mitglieder habe der Klub noch. Vor allem die Handballabteilung habe unter den Querelen der vergangenen Monate stark gelitten. Etwa drei Viertel der Handballer seien gegangen, sagt Ritzel, darunter der komplette Vorstand. „Mit den verbliebenen zwei Trainern und der Unterstützung von früheren Vorstandsmitarbeitern möchten wir den Handball aber wieder aufleben lassen.“

Der neue Vorstand ist willens, die Ärmel aufzukrempeln. So habe er vor Kurzem selbst Hand angelegt, als es darum ging, die Grünanlagen an der Mehrgenerationenhalle auf Vordermann zu bringen. Auch sonst fehlt es den Klubverantwortlichen nicht an Engagement. Im Moment sei es ein Sieben-Tage-Job, sagen Ritzel und Malinowski. Natürlich nicht in Vollzeit, aber sie stehen beide ja in Vollzeit auch noch im Berufsleben. „Unsere Frauen haben schon gesagt: Mutig, was ihr da macht“, sagt Malinowski, der mit seinen 31 Jahren als Vereinsvorstand ebenso noch zur jüngeren Garde gehört wie der 30-jährige Ritzel.

Interview mit dem neuen Vorstand von OT Bremen - Daniel Ritzel und Patrick Malinowski

Hat Spaß an der Vereinsarbeit: Patrick Malinowski.

Foto: Frank Koch

Aber beide nehmen ihr Ehrenamt ernst. „Wir empfinden das auch nicht als Belastung“, sagt Malinowski, „wir haben Spaß an der Vereinsarbeit.“ Was sie zudem auszeichnet: Sie haben ihren Worten auch Taten folgen lassen. „Wir haben uns bereit erklärt, dass wir in der Not mit anpacken wollen – dann machen wir das jetzt auch“, sagt Malinowski. Beiden ist aber klar, dass es ohne die Hilfe der Mitglieder letztlich nicht gehen wird. „Wir wollen sie überzeugen, im Verein zu bleiben“, sagt Ritzel, „nur gemeinsam können wir die Corona-Krise meistern.“

„Gemeinsam“ ist ein gutes Stichwort: Der Vorstand hat sich zum Ziel gesetzt, die Marke OT wieder zu stärken. „Wir wollen erst mal die Pandemie gut hinter uns bringen und dann wieder gemeinsam Spaß am Sport haben“, sagt Daniel Ritzel. Um das Wir-Gefühl im Verein zu fördern, soll es nach Möglichkeit schon im kommenden Jahr mehrere Veranstaltungen und Aktionen für alle Mitglieder geben. Damit würde der Vorstand dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Er täte etwas für den Zusammenhalt und bekäme zugleich die Chance, sich bei den Mitgliedern bekannter zu machen. Alles zusammen würde die besten Voraussetzungen für die Erfüllung eines Wunsches schaffen: dass sich mehr Personen fürs Ehrenamt finden lassen.

Daniel Ritzel und Patrick Malinowski gehen mit gutem Beispiel voran. Beide sind schon als Kleinkind bei OT zum Turnen gegangen und haben jetzt, nach diversen Stationen im Verein und zuletzt in der Badminton-Abteilung, Verantwortung übernommen. „Es soll uns ja weiterhin geben“, sagt Malinowski, dem trotz seines noch jungen Alters Tradition wichtig zu sein scheint. „Ich habe mir nie vorstellen können, dass dieser Verein mal nicht mehr OT heißen soll“, sagt er. Und wünscht sich, dass seine gerade erst geborene Tochter bald auch mit Kinderturnen bei OT anfängt.

Was dem jungen Vater an diesem Gedanken besonders gefällt: „Die Übungsleiterin, bei der ich damals geturnt habe, ist heute immer noch dabei.“ Nun gehört der ehemals kleine Patrick als Erwachsener zu denen, die im Vorstand auch als Ansprechpartner für Übungsleiter zur Verfügung stehen. Für Malinowski schließt sich ein Kreis – eine Geschichte, die es wohl nur in Sportvereinen geben kann.

Info

Zur Sache

Quartett wurde zum Duo

Neben dem ATSV Sebaldsbrück und dem TuS Vahr gehörte OT Bremen vor einem Jahr zu den Vereinen, die mit der SG Arbergen-Mahndorf zur SG Bremen-Ost verschmelzen wollten. Nachdem die Mitglieder nicht mit der notwendigen Drei-Viertel-Abstimmungsmehrheit gefolgt waren, kündigte der alte OT-Vorstand seinen Rücktritt an und setzte ihn, wegen Corona später als geplant, im August dieses Jahres in die Tat um. Inzwischen bilden der TuS Vahr und die SG Arbergen-Mahndorf die SG Bremen-Ost, während der ATSV Sebaldsbrück ebenfalls eigenständig geblieben ist.

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