Trainer-Legende Otto Rehhagel feiert seinen 80. Geburtstag

In Griechenland genießt er sogar einen Heldenstatus: Werders Trainer-Legende Otto Rehhagel feiert am Donnerstag seinen 80. Geburtstag.
07.08.2018, 21:50
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Otto Rehhagel feiert seinen 80. Geburtstag
Von Mathias Sonnenberg

Anruf in Essen. Die Festnetznummer hat sich seit Jahrzehnten nicht geändert. Aber reden? „Wissen Sie“, sagt Beate Rehhagel freundlich, aber bestimmt, „mein Mann hat in seinem Leben schon so viele Dinge erzählt. Da muss er jetzt nicht auch noch was erzählen. Er meint, dass so viel über ihn geschrieben wurde, da findet sich schon etwas Passendes.“

Das stimmt sicherlich, denn Otto Rehhagel, der sich selbst als „Kind der Bundesliga“ bezeichnet, ist für seine Sprüche bekannt. Aber jetzt, wo er doch am Donnerstag 80 Jahre alt wird, hätte er zu vielen Themen des Fußballs reden können. Erzählt hat er viel in seinem Leben als Fußballer. „Wer Erster ist, hat immer recht. Ich habe also recht. Und wenn ich Fünfter bin, können Sie wieder mit mir reden.“

Mit diesen Worten wurde so mancher Journalist von Rehhagel abgespeist. Oder: „Jeder kann sagen, was ich will.“ Und: „Ich biete mich nirgendwo an – außer bei meiner Frau.“ Oder noch besser: „Ich schätze es, wenn Fußballer verheiratet sind, denn die eigene Frau ist das beste Trainingslager.“ Die Spieler hingen an seinen Lippen, wenn er in blumigen Worten erklärte, wie man den Gegner heute am besten in die Knie zwingen würde.

Ein kongeniales Duo

Von 1981 bis 1995 war er bei Werder, gewann zweimal die deutsche Meisterschaft, zweimal den DFB-Pokal und 1992 den Europapokal der Pokalsieger. Rehhagel und Willi Lemke waren in den Achtziger- und Neunzigerjahren ein kongeniales Duo, das es mit dem großen FC Bayern aufnahm und den Münchnern so manches Kopfzerbrechen bereitete. Rehhagel, der so viele ungewöhnliche Transfers einfädelte und seinem Klub immer wieder durch Verkäufe zu großen Einnahmen verhalf.

Und Lemke, der den Klassenkampf mit den großen Bayern perfektionierte und auch daraus Kapital schlug. Umso erstaunlicher und für viele Werder-Fans bitterer war daher 1995 der Wechsel des eigenwilligen Trainers ausgerechnet zum so ungeliebten Rivalen aus dem Süden. Dass Rehhagel in München scheiterte und nicht einmal eine Saison lang Trainer blieb, sorgte damals bei vielen Bremern für Schadenfreude.

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Rehhagel aber machte einfach weiter, ging zum 1. FC Kaiserslautern, stieg mit den Pfälzern auf und schaffte dann in der Saison 1997/98 das Kunststück, mit den Roten Teufeln als erster Aufsteiger auf Anhieb deutscher Meister zu werden. Die Pfalz lag „König Otto“ zu Füßen. „Es war eine Sensation, die es nie mehr geben wird. Wir haben Sportgeschichte geschrieben“, sagte Rehhagel einmal im Rückblick.

Sein Meisterstück gelang Rehhagel, der beim Start der Bundesliga 1963 als Verteidiger von Hertha BSC auf dem Platz stand, aber 2004 mit dem Nationalteam von Griechenland. Aus dem Nichts führte er die Hellenen in Portugal gegen den Gastgeber im Finale zum Europameistertitel. Seitdem genießt Rehhagel in Griechenland einen Heldenstatus. „Er ist ein Grieche für immer“, titelte damals „Goal News“ über Rehhagel, der zum Ehrenbürger von Athen ernannt wurde. Noch heute darf Rehhagel in keinem Restaurant in Athen bezahlen.

Langeweile ist noch immer ein Fremdwort

Dass die Spielweise der Griechen nicht sonderlich attraktiv war, interessierte vielleicht die Kritiker, aber garantiert nicht Rehhagel. „Modern spielt, wer gewinnt“, sagte der Coach immer, von dem auch ein anderer Kultspruch stammt. „Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“ Bei seiner letzten Trainerstation bei Hertha BSC bekam Rehhagel das 2012 schmerzhaft zu spüren. Völlig überraschend als Retter geholt, schaffte es Rehhagel nicht, die Berliner vor dem Abstieg zu bewahren.

Seitdem ist es etwas ruhiger um Rehhagel geworden, doch Langeweile ist für ihn weiter ein Fremdwort. Immer wieder ist er bei Ehrungen oder Feierlichkeiten seiner Ex-Klubs zu Gast, nur mit den Medien redet er wie schon während seiner aktiven Zeit äußerst ungern. Und so bleibt selbst der Rahmen, in dem Rehhagel am Donnerstag seinen 80. Geburtstag begeht, ein Geheimnis. „Auch dazu sagt mein Mann nichts“, erklärt Beate. „Aber sie können beruhigt sein, Otto geht es gut.“

Willi Lemke hingegen freut sich schon auf den kommenden Sonnabend. Dann wird bei Werder wieder die Vergangenheit gefeiert. Vor 25 Jahren wurde Werder Meister, natürlich mit Otto Rehhagel. Er wird sich den Besuch in Bremen nicht nehmen lassen. Beate natürlich auch nicht. Aber Otto ohne Beate, das würde sowieso nicht funktionieren.

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