Neues Modell für Bremen-Liga

Pay-TV am Panzenberg

Ein österreichischer Anbieter will das Top-Duell der Bremen-Liga live übertragen, aber der Verband zögert noch. Spiele sollen zwischen 1,99 und 2,99 Euro kosten.
16.04.2019, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Pay-TV am Panzenberg
Von Mathias Sonnenberg
Pay-TV am Panzenberg

Ein Kameramann reicht aus, damit der Anbieter PlatinTV Spiele aus der Bremen-Liga live übertragen kann.

Jan Woitas / dpa

Für Ralf Voigt ist es ein Angebot, das man eigentlich nicht ausschlagen kann. „Ich finde das super und sehe das als große Chance, unseren Verein noch viel interessanter zu machen.“ Der Trainer des Bremer SV spricht über ein Angebot, das es in dieser Form noch nie im Bremer Amateur-Fußball gegeben hat: Der österreichische Streaming-Anbieter „PlatinTV.com“ will Spiele aus der Bremen-Liga live für Geld im Internet übertragen – und den Anfang soll das Spitzenspiel am Karfreitag Bremer SV gegen den FC Oberneuland machen (15 Uhr, Panzenberg).

In Österreich ist PlatinTV schon länger am Start. Neben Fußball werden auch Volleyball und Eishockey im Netz übertragen. Aber der wichtigste Treiber bleibt der Fußball. Weil ein Anbieter für unterklassigen Fußball keine Lizenzen erwerben muss, zeigen die Macher Spiele aus der niederösterreichischen Liga, der Wiener Liga und der Damen-Liga. Gründer ist Alexander Zajic, für die Abteilung Fußball ist Dominik Voglsinger verantwortlich. Der 38-Jährige war Fußball-Profi in Österreich, trainierte in Deutschland den Oberligisten VSK Osterholz-Scharmbeck und ist seit längerer Zeit ein guter Bekannter von BSV-Trainer Voigt. So entstand der Kontakt mit dem Bremer Fußball-Verband (BFV).

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Eine Premiere in Deutschland würde PlatinTV am Karfreitag allerdings nicht feiern, die gab es bereits am 7. April in der Regionalliga Nord. Die Österreicher streamten das Spiel Lüneburg gegen Lübeck. Und wollen jetzt in Bremen angreifen. „Das Stadion am Panzenberg wäre der ideale Ort für den Start“, sagt Voglsinger, der diese klassische Fußball-Atmosphäre schätzt und sich zusammen mit Vogt auch schon die Bedingungen vor Ort angeschaut hat.

Nur geringer Aufwand für die Übertragung

Der Aufwand für eine Übertragung ist relativ gering. Die Österreicher schicken einen Kameramann, der das Spiel überträgt. Hinzu kommt ein Kommentator. „Aber es ist technisch auch möglich, dass der in Österreich sitzt und von dort aus kommentiert“, sagt Voglsinger. Die Übertragung ist verschlüsselt und würde den Nutzer zwischen 1,99 und 2,99 Euro kosten. Den genauen Preis habe man noch nicht festgelegt, sagt Voglsinger. Gezahlt wird per Kreditkarte, das Spiel wird dann über Youtube oder Facebook gestreamt.

Das Problem: Noch hat der BFV nicht sein Einverständnis gegeben. „Der Anbieter hat uns informiert, wie sie sich das vorstellen, wir haben jetzt noch ein paar Rückfragen“, erklärte Sprecher Oliver Baumgart am Montag das Zögern. Noch hat der Verband nämlich nicht entschieden, wie man sich grundsätzlich zu Pay-TV-Modellen in der Bremen-Liga verhalten soll. „Es ist die erste Anfrage dieser Art überhaupt“, sagt Baumgart. Unklar sei auch, ob PlatinTV auch in der Zukunft sein Pay-TV-Modell in der Bremen-Liga anbieten will oder ob das eine einmalige Sache sei. Grundsätzlich, sagt Baumgart, „ist aber jeder Versuch, den Amateur-Fußball in Bremen zu unterstützen, eine gute Sache“. Die Rechte für Bewegtbilder aus der Bremen-Liga liegen beim BFV.

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Live-Fußball aus der Bremen-Liga, das ist an sich keine neue Sache. Der Anbieter „sporttotal.tv“ hat schon vor längerer Zeit auf vielen Bremer Sportplätzen eine Kamera installiert, die Live-Bilder von Fußballspielen sendet. In Bremen sind Plätze des Brinkumer SV, FC Oberneuland, Blumenthaler SV, OSC Bremerhaven, Leher TS, ESC Geestemünde, SFL Bremerhaven und SV Lemwerder entsprechend ausgerüstet.

„Neun weitere Vereine haben ihr Interesse bekundet“, sagt Baumgart. Der Vorgang ist immer gleich: Sporttotal.tv prüft vor Ort die Voraussetzungen (Installationsmöglichkeiten, Internetanbindung, notwendige Erdarbeiten) und entscheidet dann, ob ein Standort infrage kommt. Der BFV hat einen Rahmenvertrag mit sporttotal.tv geschlossen, der das grundsätzliche Recht zum Streamen der Spiele beinhaltet. Kosten entstehen für den Nutzer dabei nicht, die Übertragungen sind kostenlos.

Mehr Service mit dem kostenpflichtigen Angebot

Das kostenpflichtige Angebot von PlatinTV soll allerdings mehr Service bieten. „Wir haben einen Kommentator, zeigen Wiederholungen und am Ende des Spiels eine Highlight-Zusammenfassung“, sagt Voglsinger. Der größte Vorteil: Die Vereine können mit Werbeeinblendungen ihrer Sponsoren für größere Aufmerksamkeit sorgen. „Wir haben eine völlig neue Plattform für unsere Sponsoren“, sagt BSV-Trainer Voigt, „und können den Verein somit viel interessanter machen.“ Denn anders als bei sporttotal.tv, die nur die Bilder des Spiels liefern, haben Werbekunden beim österreichischen Anbieter die Möglichkeit, individuelle Werbe-Pakete zu schnüren. Voglsinger sagt den Vereinen zudem 30 Prozent der Gelder zu, die PlatinTV über sein kostenpflichtiges Angebot bei den Kunden einnimmt.

Beim Bremer SV findet man Gefallen an diesen bislang ungeahnten Möglichkeiten. „Wir sind grundsätzlich erst mal jeder neuen Sache gegenüber aufgeschlossen“, sagt Gerd Lenk aus der Sportlichen Leitung. Man müsse ja mit der Zeit gehen. In Bremen sehe er derzeit aber nur zwei Vereine, die für solch ein Angebot attraktiv wären: der FC Oberneuland und eben der Bremer SV. „Das klingt alles sehr spannend“, sagt Lenk.

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Spätestens am Mittwoch will der BFV entscheiden, ob PlatinTV am Karfreitag übertragen darf. Zeitlich wird das eng, aber Voglsinger kennt die Entscheidungsabläufe schon aus anderen Verbänden. Deshalb ist schon mal der Flug für den Kameramann nach Bremen geblockt. Bei PlatinTV will man auf alles vorbereitet sein.

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Zur Sache

Bier und Butterkuchen am Karfreitag

Das Motto für das Spitzenspiel am Karfreitag lautet: Fußball pur! „Wir werden mit Absicht auf ein großes Rahmenprogramm verzichten“, kündigt Gerd Lenk vom Bremer SV an. Das geplante Spiel der Traditionsmannschaften vom BSV und VfL Oldenburg haben die Organisatoren abgesagt. Der Sportliche Leiter rückt das Spiel gegen Oberneuland in den alleinigen Mittelpunkt.

„Wann gab es schließlich zum letzten Mal in Bremen solch ein Endspiel um den Titel“, sagt er. Der BSV rechnet mit 1200 Zuschauern, konkurrierende Spiele finden am Freitag so gut wie gar nicht statt. Die Besucher dürfen sich auf Bier, Bratwurst, Butterkuchen und Kaffee freuen – „und auf einen Platz, der in tadellosem Zustand ist“, wie Lenk sagt. „Wir haben den Rasen gelocht, gesandet und gewalzt.“ Im Dezember war das Spiel abgesagt worden, weil die Plätze am Panzenberg und am Hohweg nach Regenfällen in schlechtem Zustand waren.

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