Interview mit Personal Trainerin Sina Cordsen

„Personal Training ist nicht nur etwas für Stars und Sternchen“

Immer mehr Menschen aus der Mittelschicht leisten sich einen Personal Trainer wie Sina Cordsen. Im Interview erklärt die Bremerin, was ihre Arbeit zum Beispiel von der Arbeit im Fitnessstudio unterscheidet.
08.02.2020, 16:26
Lesedauer: 6 Min
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„Personal Training ist nicht nur etwas für Stars und Sternchen“
Von Kim Torster
„Personal Training ist nicht nur etwas für Stars und Sternchen“

"Man wird nicht zwischen Weihnachten und Silvester dick, sondern zwischen Silvester und Weihnachten": Das sagt Sina Cordsen, die mit ihren Kunden nicht nur an deren Fitness, sondern auch an deren Ernährungsweise arbeitet.

Frank Koch

Frau Cordsen, was macht man als Personal Trainerin?

Sina Cordsen: Ich arbeite dann, wenn andere frei haben. Also vor allem früh morgens oder abends. Ich gebe auch Kurse, aber als Personal Trainerin geht es insbesondere darum, eine individuelle Betreuung anzubieten.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Das kommt ganz darauf an. Mit dem einen gehe ich laufen, mit dem anderen mache ich Krafttraining hier in meinem Studio oder draußen.

Mit welcher Motivation kommen denn Menschen zu Ihnen als Personal Trainerin?

Sehr viele wollen abnehmen oder haben orthopädische Schwierigkeiten, also zum Beispiel einen schmerzenden Rücken oder ein schmerzendes Knie. Die Menschen merken einfach, dass sie Einschränkungen haben, die man beheben kann.

Also geht man mit so etwas nicht mehr zum Arzt?

Doch, aber da gibt es auch definitiv ein Umdenken bei den Ärzten, die heute nicht mehr nur Medikamente verschreiben, sondern ihren Patienten auch raten, solche Probleme mit Sport anzugehen, um sie dann auch nachhaltig zu beheben. Es gibt auch orthopädische Probleme, die mit Übergewicht einhergehen, aber auch dann sind Sport und die richtige Ernährung wichtig.

Ärzte sagen ihren Patienten also, dass sie sich selbst um ihre Probleme kümmern sollen?

Es ist schon so, dass gute Ärzte ihre Patienten dabei auch unterstützen. Ich bekomme es schon so mit, dass die Ärzte ihren Patienten auch raten, sich Hilfe zu holen. Im Verein oder im Studio oder eben bei einer Personal Trainerin wie mir. Es kommt sogar vor, dass ich im direkten Austausch mit den Ärzten meiner Kunden stehe. Die achten dann schon auch darauf, was für einen Sport ihre Patienten machen, ob das sinnvoll ist und ob es richtig gemacht wird.

Im Internet gibt es viele Videos, in denen Menschen Tipps zur Ernährung geben oder Übungen vormachen. Diese Videos werden teilweise millionenfach geklickt. Haben Ihre Kunden das noch nicht herausgefunden?

Doch! Aber viele Kunden sitzen hier und sagen: Ich habe versucht mich zu informieren, aber es gibt so viele unterschiedliche Meinungen, und jetzt weiß ich nicht mehr, was ich glauben soll.

Aber gerade beim Thema Ernährung gibt es viele Ansätze, weil Menschen unterschiedlich auf verschiedene Lebensmittel reagieren.

Richtig. Ich habe mir nach und nach aus verschiedenen Ansätzen und Ernährungsweisen bestimmte Aspekte rausgepickt, die gut funktionieren. Aber eben auch nicht bei jedem Kunden, weil Körper nun mal unterschiedlich sind. Ich fange die Ernährungsberatung erst einmal so an, dass meine Kunden mir aufschreiben sollen, was sie so essen. Da findet man dann schon mal raus, ob es gravierende Fehler in der Ernährung gibt oder ob es nur Kleinigkeiten sind, die helfen können. Zum Beispiel, indem man den Abstand zwischen den Mahlzeiten verändert.

Gehen Sie auch mit den Menschen in Fitnessstudios?

Das mache ich wenig. Von den Studios wird das auch nicht so gerne gesehen, weil die ja ihre eigenen Trainer haben. Unter meinen Kunden ist es auch wenig gefragt. Da sind viele dabei, die sagen, sie möchten eben nicht ins Fitnessstudio. Die möchten eine Stunde lang ihre Ruhe und für sich trainieren und sich die Geräte nicht teilen. Gerade Menschen, die in der Geschäftsführung arbeiten, möchten häufig vermeiden, ihre Mitarbeiter oder Kollegen zu treffen.

Geschäftsführer – sind das Ihre Kunden?

Nein, ich habe eine recht gemischte Klientel. Mein jüngster Kunde ist 17 Jahre alt, der Älteste ist 85. Statistiken sagen, dass Kunden von Personal Trainern hauptsächlich zwischen Mitte 40 und Mitte 50 sind. Das kann ich bestätigen. Das hat aber sicherlich auch finanzielle Gründe. In diesem Alter hat man wahrscheinlich eher das Geld, um sich einen Personal Trainer leisten zu können, und bekommt gleichzeitig einen Eindruck davon, wie wertvoll die Gesundheit ist. Und dann sagt man vielleicht eher: Das gönne ich mir jetzt, das ist es mir wert.

Wie viel kostet denn ein Personal Trainer?

Der Schnitt in Bremen liegt etwa bei 80 bis 90 Euro pro Stunde. Das ist aber sehr städteabhängig. In Hamburg, München, Köln oder Berlin liegt der Schnitt eher bei über 100 Euro, in kleinen Regionen liegt er dann aber eher bei 60 Euro pro Stunde.

Der Bedarf nach Personal Trainern hat in den letzten Jahren sehr zugenommen…

Ja, auf jeden Fall. Ich bin seit fast zwölf Jahren in der Branche, und seit zehn Jahren bekomme ich auch im Bekanntenkreis mit, wie sich das entwickelt. Gerade am Anfang hatten die ersten Personal Trainer noch sehr zu knapsen. Da gab es noch vermehrt das Bild, dass Personal Trainer nur etwas für Stars und Sternchen sind. Aber mittlerweile nehmen eben auch viele aus der Mittelschicht dieses Training in Anspruch.

Warum?

Weil die individuelle Betreuung in vielen Fällen sinnvoller und auch effektiver ist als das Training in Gruppen oder in einem Studio, wo man nur hin und wieder eine Betreuung in Anspruch nehmen kann. Und das Gesundheitsbewusstsein verändert sich mehr und mehr.

Das Bewusstsein verändert sich?

Ja, Menschen befassen sich mehr mit der eigenen Gesundheit – sowohl mit einer gesunden Ernährung als auch mit Bewegung. Sport ist häufiger ein Hobby, mehr Menschen treiben Sport, weil es auch immer mehr Menschen gibt, die sich im Alltag nicht bewegen und viel sitzen. Das ist eine sehr positive Entwicklung.

Wobei die Vereine ja über Mitgliederschwund klagen…

Ja. Ich denke, die Problematik dabei ist ganz oft der feste Termin. Meine Erfahrung ist, dass sehr viele Menschen, zum Beispiel aufgrund des Berufs, nicht jede Woche am gleichen Tag zur gleichen Uhrzeit Zeit haben. Als Personal Trainerin muss ich auch sehr flexibel sein. Und das ist sicher auch ein Grund, wieso Menschen dann eher zu mir kommen und nicht in den Verein eintreten.

Wie geduldig sind die Menschen denn, wenn es zum Beispiel ums Abnehmen geht?

Ich habe oft das Gefühl, dass Kunden erwarten, dass es schneller geht. Klar möchte man am liebsten heute anfangen und morgen Ergebnisse sehen, aber ich sage ihnen dann auch immer, dass die fünf Kilo, die sie abnehmen wollen, nicht von heute auf morgen gekommen sind. Und deshalb auch nicht von heute auf morgen gehen.

Wenn ich zum Beispiel zu Weihnachten zu viel gegessen habe, nehme ich das denn schneller wieder ab?

Man wird nicht zwischen Weihnachten und Silvester dick, sondern zwischen Silvester und Weihnachten. Ich habe an den Weihnachtstagen auch nicht auf meine Ernährung geachtet, aber ich habe mich trotzdem bewegt, bin zwischendurch mal raus und laufen gegangen. Das kann ich nur empfehlen, dann kommt man auch mal eine Stunde raus aus dem Trubel.

Theoretisch kann sich jeder Personal Trainer nennen, der Begriff ist nicht geschützt.

Ja, das ist ein großes Problem in unserer Branche. Im Prinzip kann man seinem Freund im Fitnessstudio ein oder zwei Sachen zeigen und sich dann Personal Trainer nennen.

Wie erkennt man denn einen guten Personal Trainer?

Erst einmal sollte man darauf achten, dass die Person eine Ausbildung oder Qualifikation vorweisen kann. Viele haben einfach eine Trainer-B-Lizenz, aber die sagt erst einmal nichts über die Qualifikation als Personal Trainer aus. Dafür gibt es dann explizite Fortbildungen oder Studiengänge und auch eine Personal-Trainer-Lizenz, die man machen kann.

Gibt es dafür kein TÜV-Siegel?

Doch, das gibt es tatsächlich! Das ist natürlich auch ein Hinweis auf Qualität. Zusätzlich gibt es aber auch noch den Bundesverband Personal Training, der nur Personal Trainer aufnimmt, die eine fundierte Ausbildung haben. Dort kann nur Mitglied werden, wer auch wirklich ausgebildeter Personal Trainer ist.

Wie sind Sie eigentlich Personal Trainerin geworden?

Ich habe Sport- und Fitnessökonomie studiert und als Fitnesstrainerin in einem Studio gearbeitet. Ich habe in dem Studio eine sehr gute Ausbildung genossen und viel gelernt. Aber der Gedanke mich selbstständig zu machen, war trotzdem da. In meinem Studio war ich dann auch schon recht früh Bereichsleitung, aber das Problem dabei war, dass das viel Büroarbeit bedeutete. Klar sitze ich jetzt auch viel am Schreibtisch, aber es ist ein anderes Arbeiten, eines, das immer noch direkt am Kunden stattfindet. Und darum geht es mir am Ende.

Die Fragen stellte Kim Torster.

Info

Zur Person

Sina Cordsen (30)ist Fitnessökonomin und seit 2008 selbstständige Personal Trainerin in Bremen. Neben ihrem Beruf trainiert Cordsen zudem die erste Fußball-Herrenmannschaft des TV Eiche Horn und engagiert sich im Vorstand des Bundesverbands Personal Training.

Info

Zur Sache

Training zu ungewöhnlicher Tageszeit

Personal Fitness Training boomt seit Jahren – das zumindest behauptet der Bundesverband Personal Training (BPT) auf seiner Homepage. Seit Ende der 1990er-Jahre habe sich ein Trend zum festen Angebot auf dem Fitness- und Gesundheitsmarkt entwickelt. In einer immer stärker individualisierten Gesellschaft haben vor allem beruflich stark engagierte Zielgruppen die persönliche Fitnessbetreuung in ihren turbulenten Alltag integriert. Das Angebot biete perfekte zeitliche und regionale Planbarkeit, denn der Personal Fitness Trainer kommt auch zu ungewöhnlichen Zeiten in die private Wohnung, ins Büro, ins Fitnessstudio oder auf die Laufstrecke. Auch im Leistungssport buchen sich immer mehr Top-Athleten ihren zusätzlichen Personal-Fitness-Coach. Der BPT hat in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland das TÜV-Siegel entwickelt, um eine unabhängige Qualität des Berufsbildes zu gewährleisten.

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