Rekordbeteiligung beim SWB-Marathon

Polizisten dominieren Bremen Marathon

Kristina Ziemons gewann nicht nur den 15. SWB-Marathon, sondern wurde zugleich auch deutsche Polizei-Meisterin 2019. Der Lauf in Bremen war in diesem Jahr nämlich auch die Meisterschaft für die Ordnungshüter.
06.10.2019, 22:28
Lesedauer: 4 Min
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Polizisten dominieren Bremen Marathon
Von Jörg Niemeyer

Die 42,195 Kilometer hatten unübersehbar Spuren hinterlassen. Kurze, ziemlich schwer gesetzte Schritte und angestrengte Gesichtszüge ließen erahnen, dass Kristina Ziemons einen Marathon und keinen Spaziergang hinter sich hatte. „Ich musste zuletzt richtig beißen“, sagte die 35-Jährige. Die letzten drei Kilometer seien für sie schon eine Qual gewesen. „Sitzen ist gut“, sagte sie auch, als sie nach der Tortur ihren Kampf beschreiben sollte, der nach 2:50:50 Stunden ein glückliches Ende nahm.

Die Kriminalkommissaranwärterin aus Aachen, die als Quereinsteigerin beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden derzeit ausgebildet wird und schon ein BWL-Studium hinter sich hat, erreichte den Bremer Marktplatz als zweifache Siegerin. Kristina Ziemons gewann nicht nur den 15. SWB-Marathon mit beinahe vier Minuten Vorsprung, sondern zugleich den Titel der deutschen Polizei-Meisterin 2019. Die Ordnungshüter hatten sich in diesem Jahr den Bremen-Marathon für ihre Meisterschaft ausgesucht – und diesen Lauf dann auch gleich eindrucksvoll dominiert.

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Bei den Frauen belegten Polizei-Angehörige vom Bund und aus den 16 Bundesländern die Plätze eins bis sieben, bei den Männern immerhin die Ränge eins bis drei. Die Polizei bewies damit, dass sie einerseits über einen langen Atem verfügt und dass sie andererseits viel Dampf machen kann. Dampf, der im Alltag eine ausdauernde Verfolgung von Verbrechern möglich macht und im sportlichen Wettkampf zulässt, dass die Polizei ausnahmsweise mal anderen davonläuft.

Zivilisten gingen an diesem Tag leer aus

Die Polizisten drückten dem Bremen-Marathon also ihren Stempel auf. Zeiten um 2:30 Stunden bei den Männern waren erwartet worden, Alleingänge der Beamten allerdings nicht. Doch schon frühzeitig bahnte sich an, dass „Zivilisten“ an diesem Tag im Kampf um den Sieg leer ausgehen würden. Einer der Mitfavoriten, der Vorjahreszweite Jan Rutsch aus Hannover, hatte nach wenigen Kilometern aufgeben müssen. 2018 war er 2:30:06 Stunden gelaufen und wäre daher ein ernst zu nehmender Konkurrent für den Sieger Fabian Fiedler (2:28:08) aus Bingen am Rhein geworden.

Ein anderer möglicher Mitfavorit, der Bremer Seriensieger Oliver Sebrantke aus Stuhr, hatte schon vor dem Startschuss wegen einer Wadenverletzung alle Chancen eingebüßt. So wolle er beim Lauf nur Spaß haben, hatte er gesagt – und eine Zeit von vier Stunden angepeilt. Mit jedem Schritt schien der Spaß dann aber größer und sein Tempo schneller zu werden, sodass Sebrantke trotz fehlender Vorbereitung nach 2:48:14 Stunden als 18. ins Ziel kam. „Es war mal ganz schön, von der Polizei eskortiert zu werden“, sagte er augenzwinkernd, nachdem er sich auf der Strecke einer kleinen Gruppe angeschlossen hatte.

Als mit Abstand schnellste Frau hatte auch Kristina Ziemons das Glück, dass sie sich etwa gleich starken Männern anschließen konnte. Bis Kilometer 35 klappte das ganz gut, dann brach die Gruppe allerdings auseinander. Jetzt war die 35-Jährige weitgehend auf sich allein gestellt. Das ist für eine erfahrene Läuferin kein Problem, wurde für die Aachenerin jedoch zur echten Herausforderung, weil sie in Bremen ihren ersten „Solo-Marathon“ lief. Lediglich einmal zuvor, vor fünf Jahren, war sie im Rahmen eines Ironmans, also eines Triathlons über die langen Distanzen, 42,195 Kilometer am Stück gelaufen – und sonst nie.

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In gewisser Weise ist Kristina Ziemons das Gegenstück einer vernünftigen Langstreckenläuferin. Denn ihre Vorbereitung auf die Premiere lässt sich als durchaus eigenwillig beschreiben. Sie hat ihr Training selbst organisiert, als Vorbereitung ein paar Tipps von Laufkollegen eingeholt und zuletzt ein „paar lange Läufe“ absolviert. Sie sagt über sich selbst, dass sie eher knapp als deutlich zu früh zu Terminen kommt. Start um 9.30 Uhr, Ankunft am Marktplatz um 7.45 Uhr: Die Läuferin wäre später vom Hotel in Gröpelingen losgefahren, wenn da nicht das Auto mit den Kollegen gewartet hätte.

Weißbrot und Nutella zum Frühstück

Und das letzte Frühstück vor dem Lauf hatte sie ebenfalls aus dem Gefühl heraus und nicht nach Ernährungsplan zusammengestellt. Wobei Zusammenstellung vielleicht nicht ganz das zutreffende Wort ist. Was Kristina Ziemons am Sonntagmorgen zusammenstellte, war: Weißbrot und Nutella. „Ich habe eigentlich einen ganz robusten Magen“, sagte sie nach dem Marathon. Und da ließ sich ja wirklich nicht behaupten, dass sie irgendetwas falsch gemacht hatte. Im Gegenteil – der angehenden Kriminalkommissarin musste bescheinigt werden, dass sie ihren Körper sehr gut einschätzen kann.

Als Bundesliga-Triathletin im Team des DLC Aachen verfügt sie offensichtlich über eine hervorragende sportliche Grundausbildung und über Wettkampferfahrung. Beides gepaart mit ihrem Willen, den sie auf den letzten Kilometern bewies, reichte in Bremen für einen überlegenen Sieg. Vergessen, dass ihre Beinmuskeln auf dem letzten Abschnitt zuzumachen drohten, wie es in der Läufersprache so schön heißt. „Ich bin am Ende“, sagte sie nach der Siegerehrung. Da hatte sie den sportlichen Teil des Tages überstanden, die abendliche Abschlussfeier mit ihren Kollegen aus ganz Deutschland aber noch vor sich.

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Mit Bremen wird Kristina Ziemons künftig jedoch nicht nur Schmerzen und ihren ersten deutschen Polizei-Meistertitel in Verbindung bringen, sondern auch „eine schöne Laufstrecke und Zuschauer, die mich gut unterstützt haben“. Möglicherweise werde sie im kommenden Jahr wieder an der Weser laufen. Es habe ihr jedenfalls gefallen, auch wenn sie ohne die Polizei-Meisterschaft nicht beim SWB-Marathon angetreten wäre, wie sie einräumte.

Vielleicht wird es sich Kristina Ziemons am 4. Oktober 2020 nicht nehmen lassen, ihren Titel als Marathon-Gewinnerin zu verteidigen. Polizei-Meisterschaften werden dann aber definitiv nicht anstehen, diesbezüglich hat Bremen sein Soll erst einmal erfüllt.

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