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Zoff am Billardtisch

Am Wochenende startet die neue Saison in der Poolbillard-Regionalliga – doch ob die Billardfreunde Bremen als Aufsteiger dabei sind, darüber befinden derzeit noch die Anwälte.
07.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Zoff am Billardtisch
Von Frank Büter
Zoff am Billardtisch

Sie wollen doch nur spielen: Auch Fitim Haradinaj gehört zu den Akteuren der Billardfreunde Bremen, die vom Bundesverband bis Jahresende gesperrt worden sind.

Christina Kuhaupt

Bremen. Der Streit nimmt kein Ende. Seit einem Jahr schon liegen die Billardfreunde Bremen um ihren Vorsitzenden Nils Johanning und die Deutsche Billard-Union (DBU) um ihren Präsidenten Helmut Biermann im Clinch. An diesem Wochenende startet die neue Saison in der Poolbillard-Regionalliga – doch ob der Aufsteiger aus Bremen dann auch tatsächlich dabei ist, darüber befinden derzeit noch die Anwälte.

Auslöser des laufenden Rechtsstreits war ein Turnier im November vergangenen Jahres im Weserpark, an dem auch mehrere Aktive des Bremer Klubs teilgenommen hatten. Konkret handelte es sich um ein Chinese-­Eight-Ball-Turnier, eine Variante, die aus Pool und Snooker besteht, veranstaltet von der International Chinese Eight-Ball Germany (ICEA) und Nils Johanning als Bremer Sportvermarkter. Laut der DBU standen dabei einzig kommerzielle Interessen im Vordergrund. „Hier ist ein Wirtschaftsunternehmen aktiv, aber kein Sportverband“, sagte DBU-Präsident Biermann. Es werde versucht, mithilfe eines Investors aus China ein Turnier an der DBU vorbeizuorganisieren. Letztlich, so die Sicht des Verbandschefs, ging es dabei vor allem darum, einen künstlichen Bedarf zu erzeugen und Tische verkaufen zu können. Der Verband hatte das Turnier in Bremen daher als nicht genehmigte Konkurrenzveranstaltung definiert und Sanktionen für teilnehmende Spieler angekündigt. „Nehmen DBU-Sportler daran teil, werden sie gesperrt.“ Das sei die klare Position des Verbandes, sagte Biermann.

Um einer drohenden Sperre zu entgehen, hätten damals viele Bundesligaakteure ihre Meldung zurückgezogen, erzählt Nils Johanning. Der Bremer Billardfreund war im Spätherbst 2019 nicht nur als Veranstalter für den ICEA aufgetreten, er hatte auch selbst an diesem Turnier teilgenommen. Konkrete Auswirkungen hatte das zu dem Zeitpunkt noch nicht. Die Billardfreunde waren in der vergangenen Saison noch in der Oberliga angesiedelt und damit nicht unter dem Radar der DBU, die erst ab der drittklassigen Regionalliga verantwortlich zeichnet. In diesem Frühjahr aber sind die Billardfreunde Bremen als Oberligameister in die Regionalliga aufgestiegen. Und als man dann im August die Mannschaftsmeldung für eben diese neue Spielklasse eingereicht hat, gab es das böse Erwachen.

Die DBU lehnte die Meldung ab und wies in der Begründung darauf hin, dass in Nils Johanning, Marco Bräunig und Fitim Haradinaj gleich drei der vier gemeldeten Stammspieler eben aufgrund ihrer Teilnahme an dem besagten Turnier im Weserpark noch bis Jahresende 2020 gesperrt seien. Eine Sanktion, von der man erst im Zuge dieser Teammeldung erfahren habe, berichtet Johanning. Seither wehren sich die Billardfreunde. Sie haben einen Anwalt hinzugezogen und Rechtsmittel eingelegt. Und sie haben vorsorglich noch eine geänderte Mannschaftsmeldung eingereicht, in der diverse Ersatzspieler zu Stammspielern gemacht wurden. Im Nachgang dieser Meldung erreichte die Bremer der Hinweis darauf, dass weitere vier (Ersatz)-Spieler, die auch im Weserpark an den Start gegangen waren, ebenfalls bis Jahresende gesperrt seien.

Für Nils Johanning und seine Mitstreiter ist die ganze Sache eine Farce. Sie halten die ohne jegliche Anhörung ausgesprochenen Sanktionen durch die Deutsche Billard-Union für nicht rechtens. „Die Satzung der DBU gibt das nicht her, dort ist so ein Fall nicht geregelt“, sagt Johanning. Der Teamsprecher geht nach wie vor davon aus, dass die Billardfreunde am Spielbetrieb der Pool-Regionalliga teilnehmen werden. Doch inzwischen ist Eile geboten, denn bereits an diesem Wochenende sollen die ersten Partien stattfinden. Überdies hat die DBU zwischenzeitlich den Oberligadritten GVO Oldenburg II zum Nachrücker erklärt, sodass die Nord-Staffel nun inklusive der Billardfreunde aus Bremen sogar aus neun Mannschaften bestehen würde.

Ein Knoten, der juristisch in diesen verbleibenden Tagen offenbar nicht mehr zu lösen ist. Deshalb hat das Schiedsgericht des Verbandes unter Vorsitz von Dr. Jan Zimmerling jetzt einen Vergleich angeregt. Demnach sollen die Billardfreunde Bremen als neuntes Team am Spielbetrieb der Regionalliga teilnehmen dürfen – unter Vorbehalt und in der ursprünglich gemeldeten Besetzung. Gleichzeitig wurde für den 13. November dieses Jahres eine mündliche Verhandlung anberaumt. Je nach Ausgang des Rechtsstreits könnte die ausgesprochene Sperre dann zur nächsten Saison greifen oder eben nicht.

Für Nils Johanning und die Billardfreunde Bremen wäre das zumindest „ein Teilerfolg“, der Vergleichsvorschlag wird derzeit aber noch diskutiert. Die Bremer würden diesem Vergleich zustimmen, da sie davon ausgehen, dass sie am Ende auch den Rechtsstreit gewinnen. Sie hoffen darauf, dass es zeitnah eine Entscheidung geben wird. Denn die Billardfreunde sind heiß auf die Saison, „wir wollen unbedingt spielen“, sagt Nils Johanning. Und mehr noch: Sie wollen nicht nur spielen, sie wollen auch erfolgreich spielen. Die Regionalliga soll für die Pool-Cracks von der Weser nur eine Durchgangsstation sein.

Das erklärte Ziel des mit reichlich Erstligaerfahrung gespickten Trios Johanning, Bräunig und Haradinaj, das sich für diese Saison mit dem Hamburger Bircan Cakir verstärkt hat, ist der Durchmarsch in die Zweite Liga, „wir wollen aufsteigen“, sagt Nils Johanning. Der an der Stresemannstraße in einem Hinterhof heimische Klub hat große Pläne. „Wir wollen ein Vorzeigeverein werden“, sagt Johanning. Zuletzt wurde die Klubarena so aus- und umgebaut und mit Kameras ausgestattet, dass nun auch an allen Tischen Live-Übertragungen der Partien möglich sind. „Solche Livestreams kommen gut an“, sagt Nils Johanning. Damit habe man bereits gute Erfahrungen gemacht.

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